ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - B.V.-KARTEN 1939 / ÖSTERREICH - 1939

B.V.-KARTE 12

Bayern, Nordbayern, Bayerische Ostmark, Oberbayern, Schwaben, Ostmark, Vorarlberg, Tirol, Salzburg

Maßstab 1:500.000

Hergestellt: 1939

Verlag: BENZOL-VERBAND

Kartographie und Druck: k.A.

Originalpreis: k.A.

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B.V.-Karte 12

Die B.V.-Karte 12 zeigt neben dem südlichen Bayern auch ein Teil des Deutschen Reichs was ein paar Monate vor dem erscheinen dieser Karte dazugekommen ist. Der Vorarlberg, Tirol und Salzburg gehörten 1939 "wieder" zum Deutschen Reich, so der Text auf der Rückseite der B.V.-Karte. 

Ortsregister: Aalen - Augsburg - Bad Reichenhall - Bad Tölz - Dachau - Deggendorf - Dinkelsbühl - Donauwörth - Eichstätt - Ellwangen - Freising - Füssen - Garmisch-Partenkirchen - Gmümd - Günzburg - Heidenheim - Ingolstadt - Innsbruck - Kaufbeuren - Kempten - Kufstein - Landau - Landsberg - Landshut - Memmingen - Meran (ITA) - Mühldorf - München - Neuburg an der Donau - Neu-Ulm - Nördlingen - Pasing - Passau - Regensburg - Rosenheim - Salzburg - Straubing - Traunstein - Ulm - Villach - Weilheim - Zell am See


Reiseinformationen und Stadtpläne

Für diese Karte haben wir die Informationen auf der Rückseite der Karte, wie etwa die Reisebeschreibung für diese Gegend sowie alle Stadtpläne zusammengefasst.

Bayern

Die rote Linie der Reichsautobahn teilt das Kartenblatt auf der Höhe Bad Tölz - Salzburg ziemlich genau in zwei Hälften; im Süden liegt die zum Reich heimgekehrte Ostmark, im Norden Bayern. Nur ganz im Westen reicht ein Zipfel württembergisches Land in die Karte hinein, aber da die Unterscheidung zwischen bayerischem und württembergischem Allgäu sich bei den Kraftfahrern nur geringer Bekanntheit erfreut, kann man getrost sagen, daß der Nordteil der Karte Bayern zeigt. Mit „Bayern" meinen viele Kraftfahrer eigentlich Oberbayern, das nach der Vorstellung dieser Bergfreunde dort anfängt, wo das Fahren mit dem großen Gang aufhört. Wer dieser Ansicht ist, der sollte die Anschlußkarte 10 einmal genau betrachten; er wird schnell feststellen, daß Bayern noch bis weit über die Mitte dieser Karte hinaufreicht, und daß es hier eine Reihe schönster und sehenswertester Reisegebiete gibt, zumal im Böhmerwald, dessen schönste Gebiete jetzt wieder deutsch sind. - Dieser nördliche Teil Bayerns bis zur Donaulinie wird im allgemeinen als Nordbayern bezeichnet, während das Gebiet östlich von Regensburg die landschaftlich so reizvolle und doch noch so wenig bekannte Bayerische Ostmark bildet. Für das Land zwischen der Donau und den Deutschen Alpen fehlt eine einheitliche Bezeichnung: es umfaßt die Oberdeutsche Hochebene, die etwa bis München reicht; ihr schließt sich südlich das Alpenvorland an, und erst etwa auf der Linie Berchtesgaden - Kufstein - Garmisch - Partenkirchen - Sonthofen beginnen die Deutschen Alpen.

Nordbayern

Die schönsten und markantesten Teile Nordbayerns liegen im Bereich der Anschlußkarte 10, auf die daher ausdrücklich verwiesen sei. Auf dieser Karte befinden sich nur einige der alten nordbayerischen Städte sowie die auf der Grenze zwischen Nord- und Südbayern liegenden alten Städte an der Donau.
Die alten nordbayerischen Städte sind deshalb so sehenswert, weil sie Aufschluß geben von den Kämpfen zwischen geistlichen und weltlichen Mächten, die für das Land in vieler Hinsicht bestimmend geworden sind. Von den prunkenden Residenzen der Bischöfe und Fürsten findet sich im Bereich dieser Karte nichts; dafür aber mehrere der Freien Reichsstädte, die die Macht des sich entfaltenden Bürgertums in vielfältiger Weise widerspiegeln. Dinkelsbühl und Nördlingen, beide mit vollständig erhaltenen Stadtmauern, haben als mittelalterliche Stadtbilder Weltruf erlangt; daneben gibt es andere, weniger bekannte, die darum nicht weniger sehenswert und interessant sind: Weißenburg, Gunzenhausen, Eichstätt gehören hierher.
Ihnen gegenüber zeigen die alten Städte an der Donau unverkennbar den Einfuß des großen verbindenden Stromes: Ulm, Regensburg und Passau vor allem, aber auch Donauwörth, Ingolstadt und Straubing bekommen ihre besondere Haltung aus ihrer Lage an einer alten und wichtigen West-Ost-Verbindung, wie sie die Donau darstellt. In den Donaudurchbrüchen von Kelheim und Passau gewinnt auch die Landschaft machtvolles Leben, aber im ganzen tritt sie zurück gegenüber den alten Siedlungen an dem Strom, der nicht erst seit der Fahrt der Königin Kriemhild ein europäischer Strom ist.

Auskunft: Landes-Verkehrs-Verband Nordbayern, Nürnberg, Hauptbahnhof.
Schrifttum: Griebens Reiseführer, „Bayerischer u. Böhmer Wald".

Bayerische Ostmark

Die Bayerische Ostmark und vor allem ihr östlichster Teil, der Bayerische Wald, teilt das Schicksal des Oberpfälzer Waldes (siehe Karte 10) : ihre Lage ih dem vom Fichtelgebirge aus nach Südosten sich ausweitenden Grenzgebiet, an dem in der Richtung Hof-Regensburg große Fernverkehrsstraßen vorüberführen, hat sie lange in Weltabgeschiedenheit gehalten. Die heutigen Bemühungen um Verbesserung der Verkehrs- und Unterkunftsverhältnisse, vor allem die Schaffung der Querverbindung der Ostmarkenstraße, werden einen umso größeren Erfolg haben. Was Adalbert Stifter, der Dichter des Bayerischen und Böhmer Waldes, dessen Gedenkstein auf der Höhe des walddunklen Plöckenstein steht, im „Hochwald" sagt: meilenweite, einsame herrliche Wälder, Berggipfel mit alpiner Flora und alpinem Klima und Ausblicken weit nach Deutschland und der Tschechoslowakei hinein und bis zu den Alpen hinüber, urwüchsiges, kraftvolles Volksleben - das alles gibt es heute noch genau so. Der Wald, das ist hier alles, und was für Wald: Urwald, wie er am Höllbachgespreng am Falkenstein steht, gibt es wenig mehr in Europa. In den Schwemmgräben und der „Blöchertrift", dem bodenständigen Beförderungsmittel der geschlagenen Stämme, sind eigenartige Einrichtungen vorhanden, wie man sie anderswo nicht kennt. Die wenigen Städte sind meist sehr alt und enthalten daher Städtebilder voll malerischer Reize und kultureller Bedeutsamkeit. Es gibt auch Überraschungen: in manchen Dörfern des „Unteren Waldes" stehen Häuser, die aussehen, als gehörten sie in weit südlichere Zonen; das ist auch ganz richtig: es sind Ausläufer der italienischen Häuser am Innkai von Passau. Einstmals durchzog also regerer Verkehr als heute das Land: aber alle Anzeichen lassen erkennen, daß der „Wald" in Kürze aus seinem Dornröschenschlaf aufwachen wird er verdient es!

Auskunft: Landes-Verkehrs-Verband Nordbayern, Nürnberg, Hauptbahnhof.
Schrifttum: Griebens Reiseführer, „Bayerischer u. Böhmer Wald".

Oberbayern

Sowohl in der Nord-Süd- wie in der West-Ost-Richtung findet sich eine charakteristische Dreiteilung. Von derjenigen in der Nord-Süd-Richtung war in dem ersten Abschnitt (Bayern) bereits die Rede; in der West-Ost-Richtung besteht sie aus den Allgäuer-, den Oberbayerischen- und den Berchtesadener Alpen. Der Aufbau in der Nord-Süd-Richtung geht auf' Einflüsse der Gletscher der Diluvialzeit zurück. Kommt man von Norden, so gelangt man südlich der Donau im nördlichen Teil der oberdeutschen Hochebene in eine noch verhältnismäßig hügelige Moränenlandschaft, die erst weiter südlich, um München herum, teilweise wirklich tischeben wird. Die Donau und ihre Nebenflüsse haben hier ausgedehnte moorige Niederungen entstehen lassen, die unter den Bezeichnungen Ried und Moos (Donauried zwischen Ulm und Donauwörth, Donaumoos um Ingolstadt, Dachauer Moos, Erdinger Moos u. a.) bekannt sind; eifrige und mit den modernsten Mitteln durchgeführte Verbesserungsarbeiten haben aus früher ungesunden und unbrauchbaren Mooren fruchtbares Ackerland und fette Wiesen gemacht.

Auch im Bereich des Alpenvorlandes finden sich noch einige Moore (so z. B. am Südende des Starnberger Sees und des Chiemsees: Chiemsee-Filz), aber sie gehen auf andere Ursachen zurück. Hier haben die Gletscher durch Aufstauung ihrer Schmelzwasser die zahlreichen schönen Alpenseen geschaffen, die für das Landschaftsbild so charakteristisch sind ; viele dieser Seen beginnen zu verlanden, und dadurch entstehen hier und da die Moore des Alpenvorlandes.

Erst im Süden des Alpenvorlandes beginnen mit meist jähem und steilem Anstieg aus Hügeln heraus die Alpen. Kommt man von Westen, vom Bodensee, so erblickt man zunächst die Allgäuer Alpen. Hochhinauf baumlose, von prächtigen Bergwiesen bedeckte „Grasberge" sind typisch für den württembergischen wie bayerischen Teil des Allgäus: mitunter finden sich noch in hohen Lagen mitten im Fels fruchtbare Schichten, die schmale, saftiggrüne Bänder entstehen lassen und damit dem Gebirge seinen charakteristischen Ausdruck geben. Die Landschaft wird dadurch, obwohl hohe und drohende Bergriesen in großer Zahl vorhanden sind (Mädelegabel 2648 m, Hohes Licht 2652 m, u. a.), freundlicher und anmutiger als der benachbarte Hauptzug der Alpen. Diese sind als Kalkgebirge viel zerklüfteter, romantisch-wilder als die südlich anschließenden Zentralalpen, die infolge ihres aus harten kristallinen Gesteinen bestehenden Untergrundes in ruhigeren Formen aufgebaut sind. Die Berge des Werdenfelser Landes, die östlich an die Allgäuer Alpen anschließen, unterscheiden sich als Teile der Oberbayerischen Alpen deutlich von jenen: Wettersteinkalk und Hauptdolomit, aus denen sie bestehen, haben tiefeingeschnittene Wasserläufe (Partnach- und Höllentalklamm usw.) entstehen lassen, über denen sich mächtige steile Wände in den Himmel recken, an deren Fuß weite Schutthalden Zeugnis ablegen von der geringen Wetterfestigkeit des Materials. Gelangt man jenseits der Saalach bei Bad Reichenhall in die Berchtesgadener Alpen, so verändert sich das Bild ein drittes Mal: Ramsaudolomit und Dachsteinkalk haben blockige, wenig gegliederte Gebirgsmassive aufgebaut, die tafelbergartigen Charakter haben und oben häufig ein muldenförmiges Hochplateau bilden.

So verschieden das Landschaftsbild ist, so gleichmäßig ist der Eindruck alter, bodenständiger Kultur, deren Äußerungen im einzelnen freilich auch wieder von einander verschieden sind. Der ständige Kampf mit den Naturgewalten hat den Gebirgler beweglicher und aufgeschlossener gemacht als den Bewohner der Hochebene, wo das äußere Bild und die tägliche Arbeit in ganz anderem Maße gleichförmig sind. Die günstige Lage an der uralten, am Gebirgsrande entlanglaufenden West-Ost-Verbindung und im Bereiche wichtiger Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen haben aber die Menschen in ständiger Verbindung mit den Kulturen anderer Länder gehalten. Im „Goldnen Landl" zwischen Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen hat ein blühender Handelsverkehr, im Bereich der Berchtesgadener Alpen ein weitreichender Handel mit Salz dem Lande Wohlstand verschafft, der sich in den schönen Kirchen und reichen Klöstern, den prunkenden Bürgerhäusern und festen Schlössern zeigt, die heute neben der schönen Landschaft die Hauptanziehungspunkte für die Besucher sind.

Auskunft: Landes.-Verkehrs-Verband München, Hauptbahnhof.
Schrifttum: Velhagen und Klasings Monographien zur Erdkunde: „Bayerns Hochland und München".

Ostmark

Die acht ehemaligen Bundesländer Österreichs - Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Steiermark, Burgenland - bilden zusammen eines der schönsten Reiseländer der Welt, das jetzt zu Stolz und Glück aller Deutschen mit dem Altreich wieder vereinigt ist. Von den drei Ländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg, die in dieser Reihenfolge den Hauptteil der vorliegenden Karte 12 bilden, ist Tirol summa summarum ein reines Alpenland. Vorarlberg hat nicht in demselben Maße alpinen Charakter: die waldigen Höhen des Bregenzer Waldes leiten sogar über zu durchaus lieblichen Gebieten, in denen wie im Rheintal und am Bodensee die Landwirtschaft gute Ernten einbringt. Das Land Salzburg hat im Süden durchaus den Charakter Tirols, leitet aber im Norden in die fruchtbare Voralpenzone Oberbayerns und Oberösterreichs über. Auch Kärnten hat auf dem in dies Kartenblatt noch hineinragenden Westzipfel einen ähnlichen Charakter wie Tirol.
Ebensosehr wie von der unerwarteten Mannigfaltigkeit des Landschaftsbildes wird der Kraftfahrer überrascht von den Änderungen der Fahrtechnik, die eine Alpenfahrt mit sich bringt. Manch einer legt schon gleich nahe der Grenze einen kleinen Aufenthalt ein, um die Bremsen oder womöglich den Motor überprüfen zu lassen, - manch einer sucht sich unter Benutzung der vielfach verschiedenen Steigungsverhältnisse der Nord- und Südrampen der Pässe liebevoll den „Weg geringsten Widerstandes" spricht geringster Steigungen aus (zur Erleichterung dieses Beginngins folgt hierunter eine Zusammenstellung der wichtigsten Paßstraßen). Wichtig ist auf allen unübersehbaren Straßen scharfes Heranfahren an den Rand. Ratsam ist die Einholung von Auskünften vor Befahren hoher Pässe, vor allem dann, wenn die Witterung unsicher war oder ist, die besondere Maßnahmen erforderlich machen. Man muß sich darüber klar sein, daß ganz allgemein in der Ostmark andere Maßstäbe angelegt werden müssen, als sie der Kraftfahrer aus dem Altreich gewohnt ist. Es werden z. B. auf dieser Karte zahlreiche Straßen angegeben, die den bisherigen österreichischen Straßenverhältnissen entsprechend nur wenig gut, aber die einzigen Verbindungen zu landschaftlich schönen Punkten sind: dies war die Veranlassung, sie trotzdem anzugeben. Auch bei der Kennzeichnung besonders schöner Straßen liegt hier der Ton auf dem „besonders": nimmt man das norddeutsche Tiefland zum Vergleich, so hätte man in Tirol fast ausnahmslos alle Straßen mit dem grünen Beistrich versehen müssen, was aber natürlich nicht der Sinn dieser besonderen Kennzeichnung ist. Gleichermaßen ist die Kennzeichnung schneller und langsamer Straßen relativ zu werten: mit den im Flachland üblichen Verhältnissen kann man hier natürlich nirgends, außer vielleicht an einigen Stellen im Inntal rechnen; so muß hier schon als „schnell" gelten, was im Flachland kaum ein guter Durchschnitt wäre. Das sind eigentlich alles Slbstverständlichkeiten und diese notwendige Anpassung an die veränderten Verhältnisse trägt nur dazu bei, die mannigfaltigen und reizvollen Landschaften der schönen Ostmark erst recht zu genießen.

Vorarlberg

Vom Pfänder, diesem weltberühmten Aussichtsberg bei Bregenz, hat man einen ungefähren Eindruck von der Mannigfaltigkeit der Landschaftsbilder, die den Besucher im Land Vorarlberg erwarten. Zu Füßen des Beschauers breitet sich die weite Wasserfläche des Bodensees, dem seine Ufer ihr glücklich ausgeglichenes Klima verdanken: ihr schließen sich die breiten Talungen des Vorlandes an, das nach Süden in das Rheintal übergeht. Die Höhen des vorderen Bregenzer Waldes, zu denen auch der Pfänder gehört, sind durch malerische Wildtobel durchschluchtet und tragen ein dichtes Waldkleid. In einzelnen Schroffen steigt zerrissener Fels zum Himmel auf und laßt Kalk als Baumaterial weithin erkennen, aber die Höhen sind nicht allzugroß, bleiben im allgemeinen an der 2000 m-Grenze. Nur ganz im Süden leuchtet firniger Glanz: dort steigen die Scesaplana im Rätikon auf 2967 und der Piz Buin in der märchenhaften Silvretta gar auf 3312 Meter, - von der warmen Küste des Schwäbischen Meeres kann man also in kurzer Zeit in die kühlen Regionen hochalpiner Gipfel gelangen.

Was dem Land an Größe fehlt, versucht es durch bunteste Mannigfaltigkeit des Bildes und der Formen zu ersetzen: auf 2600 Quadratkilometern ist hier vom Segel- und Motorbootrevier bis zum vereisten Grat alles zu finden, was ein Ferienland anziehend macht. Für den Kraftfahrer bieten sich allerdings kaum Möglichkeiten, große Touren zu unternehmen, ganz einfach deswegen, weil ihn eine nicht allzu lange Fahrt schon aus dem Lande herausbringen würde. Dagegen stellt der Kraftwagen ein außerordentlich bequemes Mittel dar, das Land wirklich von allen Seiten kennenzulernen, ohne weite und beschwerliche Anstiege unternehmen zu müssen.

Auskunft: Landesfremdenverkehrsverband Wien.
Schrifttum: Griebens Reiseführer, Nordtirol und Vorarlberg (1929), - Woerls Reiseführer, Nordtirol und Vorarlberg (1930).

Tirol

Unter den ostmärkischen Gauen ist Tirol sicherlich derjenige, der die größte Geschlossenheit und Einheitlichkeit aufzuweisen hat: von Scharnitz bis zum Brenner, vom Arlberg bis zum Kitzbüheler Horn werden die geschlossenen Massive der verschiedenen Alpengebiete nur von wenigen schmalen Tälern durchzogen. Von den 12600 Quadratkilometern des Landes sind mehr als 3000 völlig unproduktiv, und auf den verbleibenden sind Forst- und Viehwirtschaft wesentlich wichtiger als die Landwirtschaft. Tirol ist ein Alpenland und in den Augen seiner Besucher ist dies seine größte Stärke.
Das rund 250 km lange Inntal bietet nicht nur die einzige Möglichkeit einer durchlaufenden West-Ost-Verbindung, sondern teilt auch das
Lana in zwei ungleich grol5e l eile-. einen kleineren nördlichen und einen größeren südlichen. Diese Teilung wird besonders interessant dadurch, daß ungefähr auf der Linie des Tals die Grenze zwischen dem Gebiet der nördlichen Kalkalpen und der kristallinen Zentralalpen liegt.
Die Siedlungen reichen in den Zentralalpen hoch hinauf, höher als in den Kalkalpen: die höchstgelegenen geschlossenen Siedlungen sind Vent im oberen Otztal mit 1893 m und Obergurgl mit 1927 m, - hier liegen allerdings die mittleren Jahrestemperaturen bei etwa 1 Grad. Einzelne Höfe finden sich noch in erheblich größeren Höhen: man kann sich leicht vorstellen, wie entbehrungsreich für die Bewohner das Leben so hoch im Gebirge ist und welche Anforderungen es tagtäglich stellt. Die höchsten dauernd bewohnten Siedlungen Tirols sind die in 2000 m Höhe in einem Ausläufer des Venter Tales liegenden Rofer Höfe, um die herum sich aber mehr Gletscher als Almen gruppieren, - eine trostlose, wenn auch großartige Wildnis. Welche Ausdehnung die Gletscher, die heute hier oben in Höhen von gegen 2000 m enden, in Urzeiten einmal gehabt haben, erkennt man gerade im Otztal besonders gut an der riesigen Schuttund Geröllmasse, die von den eiszeitlichen Gletschern aus dem Trog des heutigen Otztals heraus in das Inntal gewälzt wurde und dieses heute noch weithin ungangbar macht.
Schmale Täler mit wenigem Boden, Felsen, rinnende Wasser und weite Eisfelder, - das ist die für einen großen Teil Tirols typische Landschaft. Das Klima ist kühl und große Teile des Jahres über ziemlich rauh, wodurch der nachhaltige Eindruck der Hochgebirgswelt noch vertieft wird. Ebensowenig wie in Vorarlberg bekommt man hier, nur vom Wagen aus, einen zutreffenden Eindruck von dem Lande: in das eigentliche Tirol kann man mit dem Wagen nicht vordringen, denn es beginnt dort, wo fahrbare Straßen aufhören. Mehr noch als anderswo ist es deshalb hier nötig, den Wagen im Tal irgendwo zurückzulassen und zu Fuß die Bekanntschaft mit diesem Land und mit seinen Menschen zu erwandern. Neue und bleibende Eindrücke aber bringt man gerade deshalb aus diesem Alpenlande mit, weil hier nicht alles leicht zu erreichen ist, weil nicht überall Schilder stehen, die leiten oder warnen, sondern weil eigener Einsatz verlangt wird, und weil über allem Frohsinn und aller Lebensfreude die hohen, ernsten, einsamen Gipfel stehen.

Auskunft: Landesfremdenverkehrsverband Wien.
Schrifttum: Baedeker, Tirol und Etschland (1929), - Grieben, Nordtirol und Vorarlberg (1929), - Woerl, Tirol und Südbayern (1925).


Stadtpläne der B.V.-Karte

Die Stadtpläne befinden sich im Original auf der Rückseite der Karte. Wenn Sie auf die einzelnen Stadtpläne klicken können Sie den Stadtplan etwas größer, in einen Popup-Fenster, anschauen.

Stadtplanverzeichnis: Kempten - Ulm - Augsburg - München - Regensburg - Passau - Innsbruck - Salzburg

 

(Original-Text und Bilder)


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