ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - B.V.-KARTEN 1939

B.V.-KARTE 4

Ostpreußen

Maßstab 1:500.000

Hergestellt: 1939

Verlag: BENZOL-VERBAND

Kartographie und Druck: k.A.

Originalpreis: k.A.

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B.V.-Karte 4

In der B.V.-Karte 4 wird das ehemalige Ostpreußen mit den angrenzenden Gemeinden und den Freistaat Danzig. Die Autobahn zwischen Königsberg und Elbing ist fertig gestellt. Westpreußen wird in der Karte einfach nur "Korridor" genannt, wobei die Transit-Straßen zum restlichen Deutschen Reich markiert sind.

Ortsregister: Allenstein - Angerburg - Braunsberg - Danzig (DAN) - Deutsch Eylau - Dirschau (Tczew) (PL) - Ebenrode - Elbing - Goldap - Graudenz (PL) - Gumbinnen - Insterburg - Königsberg - Lauenburg - Lötzen - Lyck - Marienburg - Marienwerder - Memel (LIT) - Neidenburg - Ortelsburg - Osterode - Preußisch Stargard (Starogard) (PL) - Rastenburg - Tilsit - Treuburg - Zoppot (DAN).


Reiseinformationen und Stadtpläne

Für diese Karte haben wir die Informationen auf der Rückseite der Karte, wie etwa die Reisebeschreibung für diese Gegend sowie alle Stadtpläne zusammengefasst.

Ostpreußen

Für den Kraftfahrer, der auf seinen Wanderfahrten gern etwas „aufdreht" - und wer täte das nicht ganz gern einmal?! - ist Ostpreußen gerade das richtige Reiseland: Die Schnelligkeit, die es gestattet, die über ein größeres Gebiet verteilten Schönheiten des Landes nach Lust und Laune aufzusuchen, wobei die verbindende Fahrt über Land ein hocherwünschter Bestandteil der Reise ist, ist ein Vorteil, den der Kraftfahrer allen anderen voraus hat. Viele Fahrer aus dem Reich denken bei einer Ostpreußenfahrt nur an die weitbekannten Glanzpunkte, etwa die Dünenwüste der Kurischen Nehrung, die Marienburg, die Bernsteinküste, die Masurischen Seen; sie wissen nicht, wie schön das ganze Land ist mit der Weite seiner Horizonte,. den zahllosen Seen, den riesigen Wäldern und den alten Denkmälern der Ordensburgen, die wie verläßliche Wächter über dem vorwärtsstrebenden Leben stehen, das sich um sie herum regt. Da kommt es denn sehr leicht, daß man zu Mittag noch durch alte Straßen wandert, die man um diese Zeit schon Hunderte von Kilometern hinter sich haben wollte, oder daß man gar dem Wagen untreu wird und sich aufs Wasser begibt zu einer Fahrt durch die stille Kruttinna oder gar zur Großen Seenfahrt. Man wird es nicht bereuen, aber wenn man diese Abstecher nicht von vornherein im Programm hat, so kosten sie Zeit, die nachher anderswo fehlt. Daher ist der Hinweis nötig, daß bei einer Ostpreußenfahrt mehr als anderswo die Ausarbeitung eines einigermaßen ausreichenden Fahrtenprogramms notwendig ist, wenn man wirklich alles das sehen will, was man sich vorgenommen hat.

Die erste Frage: Wie überwindet man den Polnischen Korridor? Darüber gibt eine Übersicht über die Transit-Straßen erschöpfende Auskunft. Es soll aber noch besonders darauf hingewiesen werden, daß man seit einiger Zeit wieder vollständig auf deutschem Boden nach Ostpreußen gelangen kann: als erster Seedienst-Dampfer wurde der Dampfer „Tannenberg" in größerem Umfange für die Beförderung von Kraftwagen und Motorrädern eingerichtet. Neben der Seereise, die von den meisten Kraftfahrern als eine sehr erwünschte Bereicherung des Reiseprogramms empfunden wird, hat man auf diese Weise den weiteren Vorteil, daß kein Triptyk und kein Visum notwendig sind, und daß auch das von Polen geforderte Straßen- und Brückengeld fortfällt. Man muß sich nur davor hüten, daß aus der Ostpreußenfahrt nicht eine Fahrt in die „weitere Umgebung Königsbergs" wird: es wäre nicht das erstemal, daß die samländische Bäder-Steilküste jemanden, der eigentlich ganz wo anders hin wollte, bis zum Urlaubsende festgehalten hat.

Die Steilküste wie überhaupt das ganze Samland und die anschließenden Nehrungen bieten dem einreisenden Besucher gleich manches Sehenswerte. Die Arbeit des Inlandeises hat hier aus End- und Grundmoränen auf die verschüttete ursprüngliche Oberfläche die unruhige Hügellandschaft aufgesetzt, die im Bereich des Galtgarben bis zu 110 m Höhe ansteigt und an der Steilküste ebenfalls noch recht ansehnliche Höhen erreicht. Südlich und nördlich zeig en die Frische und die Kurische Nehrung eine der vier für die Ostsee typischen Küstenformen (s. Karte 2 und 3), die Nehrungsküste. Das Zusammenwirken von Wind und Wasser hat diese merkwürdigen, weit ins Meer hineinragenden Landzungen geschaffen, und der sogenannte Nehrstrom verhindert das Versanden der Buchten; der von den Wellen an den Strand geworfene und vom Wind weitergewehte feine Seesand bildet die gewaltigen Dünenreihen, die auf der Kurischen Nehrung Höhen von über 60 m erreichen und die hier vor allem durch das Wandern vor dem Wind (Wanderdünen) gefährlich geworden sind. Hinter den Dünen landeinwärts liegt das Land vielfach nur wenig über dem Meeresspiegel, so vor allem in der Niederung an der Ostseite des Kurischen Haffs und im Großen Moosbruch. Städte fehlen hier ganz, ebenso größere geschlossene Siedlungen. Die oft sehr farbenfroh bemalten Holzhäuser besitzen häufig keinen aus Mauerwerk errichteten Schornstein, weil dessen Last für den weichen Boden zu groß wäre. Den Pferden werden in manchen Orten Bretter unter die Hufe gebunden, damit sie beim Pflügen nicht einsinken. Die schlimmste Zeit für das Land ist die Übergangszeit im Frühjahr und Herbst, wenn weite Strecken überschwemmt und überfroren sind, das Eis jedoch noch nicht trägt, wohl aber den Bootsverkehr lahmlegt: in dieser Zeit, die man hier „Schacktarp" nennt, sind manche Strecken wochenlang von jedem Verkehr abgeschnitten. Diese Zeit ist auch schlimm für die Eiche, deren es oben im Eichrevier noch eine recht stattliche Zahl gibt: die Heger in den drei großen Schutzzonen der Niederung haben dann mit ihren Schützlingen viel aufopferungsvolle Arbeit.
Ganz anders ist das Bild weiter landeinwärts im Bereich der Endmoränen des Baltischen Landrückens: von den Kernsdorfer Höhen im Westen (südl. Osterode) bis zu den Seesker Bergen im Osten (nördlich Treuburg) zieht sich die Kette dieser Endmoränen vom Oberland durch Masuren nach Osten hin und bildet mit den oft Mittelgebirgscharakter zeigenden Erhebungen und den zahllosen Seen das ungemein abwechslungsreiche Landschaftsbild, dessen Glanzpunkte als Oberländische und Masurische Seen, als Johannisburger und Rominter Heide bekannt sind.

Die in der Frühzeit hier ansässigen Germanen waren vor den von Osten andrängenden Prusai oder Pruzzen bis über die Weichsel zurückgewichen, da sie zahlenmäßig stark unterlegen waren. Alle Versuche, diese kriegsgewohnten, heidnischen Scharen zurückzuwerfen, mißlangen, bis der jüngste -der drei während der Kreuzzüge in Palästina gegründeten Ritterorden, der Deutsche Orden - seine Mitglieder wurden Deutschherren oder Deutschordensritter genannt - hier nach der Rückkehr aus Palästina den Kampf gegen die Ungläubigen erneut aufnahm. Und damit beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte Ostpreußens. Der Orden der Deutschherren war eine jener Zeit gemäße Verschmelzung von Mönchs- und Rittertum, und dieser Verbindung entsprechen die Bauten, die uns heute an diese Vorkämpfer für das Deutschtum erinnern: sie waren eine Art Ritter-Klöster, gleichzeitig aber auch Festungen oder doch feste Plätze, deren die kleine Zahl deutscher Ritter im Kampf mit einem übermächtigen Feind nicht entraten konnte. Meist setzten sich die Ritterbauten aus Vor-, Mittel- und Hauptburg zusammen; fast durchweg sind sie in Backsteingotik erbaut; mitunter zeigen sie Anklänge an italienische, wohl auch englische Baustile, schaffen aber auch aus Eigenem Neues, wie das wunderbare Sterngewölbe des Großen Remters der Marienburg, der ein Meisterwerk mittelalterlicher deutscher Baukunst darstellt.

Von diesen festen Plätzen aus erfolgte die Regermanisierung Ostpreußens, das dem Deutschtum auch erhalten blieb, als zur Zeit des Niederganges des Ordens die Polen in der ersten Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 Sieger blieben. Damals erfolgte unter dem letzten . Hochmeister und ersten Herzog Albrecht von Brandenburg die Umgründung des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum (1525). Ostpreußen ist seitdem oft zu einem der Mittelpunkte preußischer Geschichte geworden, so z. B., als es sich unter Yorck nach dem Untergang der „Großen Armee" zuerst gegen Napoleon erhob. Auch im Weltkrieg hat es noch oft Schweres erlebt, als ganze Ortschaften in Trümmer gelegt und in Brand gesteckt wurden: das Nationaldenkmal von Tannenberg erinnert uns an diese Zeit und an die endliche Befreiung Ostpreußens durch den Feldmarschall von Hindenburg, der jetzt im Marschallturm von seinem tatenreichen Leben ausruht. Die Treue dieses einzigen deutschen Gebietes, das während des Weltkrieges vorübergehend vom Feinde besetzt werden konnte, hat darunter nicht gelitten: „Dies Land bleibt deutsch l" sagt der schweigsame Ritter auf dem Abstimmungsdenkmal vor der Marienburg, und alle Ostpreußen fühlen sich heute wie vor Zeiten auf Vorposten gegen den slawischen Osten.

Wirtschaftlich ist das Land vorwiegend auf Land- und Forstwirtschaft sowie Viehzucht gestellt, kleine Landstädte herrschen daher vor. Diese bestimmen zusammen mit den unübersehbaren Flächen der Felder und Weiden, mit den zahlreichen Seen und weiten Wäldern das Bild der Landschaft, in dem der Besucher aus dem Reich vor allem die Industrie vermißt. Gleichwohl ist eine ziemlich umfangreiche Industrie vorhanden, als Fleischwaren-, Milch- und Käseinduststrie auf dem flachen Lande, als Holz- und Papierindustrie (hier gibt es einige der größten Anlagen Deutschlands) in der Nähe oder in den Städten selber, in Elbing und Königsberg eine Schiffbau- und Maschinenindustrie, die sich für bestimmte Erzeugnisse weiten Ruf erworben hat; endlich eine Industrie, die sozusagen einzigartig ist: die Bernsteinindustrie des Samlandes. Heute werden in Palmnicken ungefähr 400000 kg jährlich gewonnen, wobei oft sehr interessante „Einschlüsse" von Kleinlebewesen entdeckt werden, die man in dem einzigen Bernsteinmuseum der Welt, in Königsberg, betrachten kann. Im Königsberger Universitätsviertel, wo sich dies Museum befindet, werden wir auch daran erinnert, daß Ostpreußen noch andere Beiträge zum Wohl des deutschen Vaterlandes beigesteuert hat: hier befindet sich das Grab des großen Denkers Kant, und nun erinnern wir uns, wie vielfältige Anregungen das deutsche Geistesleben von Ostpreußenempfangen hat: der Frauenburger Domherr Kopernikus eröffnet die Reihe, Schopenhauer und Chodowiecki, Fahrenheit und Herder setzen sie fort, und sie weist bis in die jüngste Zeit noch viele bekannte Namen auf.

Auskunft: Landes-Verkehrs-Verband Ost- und Westpreußen,
Königsberg/Pr., Adolf-Hitler-Straße 6/8.
Schrifttum: „Ostpreußen". Von E. W. Freißler (Atlantis-Verlag, Berlin). „Westpreußen in Wort und Bild" (Verlag Gräfe & Unzer, Königsberg/Pr.)


Stadtpläne der B.V.-Karte

Die Stadtpläne befinden sich im Original auf der Rückseite der Karte. Wenn Sie auf die einzelnen Stadtpläne klicken können Sie den Stadtplan etwas größer, in einen Popup-Fenster, anschauen.

Stadtplanverzeichnis: Danzig - Elbing - Marienburg - Marienwerder (Westpreussen) - Königsberg - Osterode (Ostpreussen) - Rastenburg - Allenstein - Ortelsburg - Tilsit - Insterburg - Angerburg - Gumbinnen - Goldap - Lyck

 

(Original-Text und Bilder)


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