FALK-PLAN HAMBURG
Anlässlich
des 50. Geburtstags des Falk-Verlages wurde der erste
Falk-Plan neugedruckt. Ausnahmsweise haben wir ein Reprint
im Landkartenarchiv, was eine Ausnahme bleibt. Besonders
interessant ist die Tatsache, daß zerstörte Gebäude des
2. Weltkrieg hier rot dargestellt sind.

FALK-PLAN Hamburg (stark verkleinert)
50
Jahre Falkplan (Text aus der Reprintausgabe von 1995)
Genau
50 Jahre alt ist die Vorlage für die Reproduktion des
ersten Falkplanes, der Falkplanes von Hamburg. Das Original
hängt heute an der Wand in den Verlagsräumen in
Hamburg-Bergedorf und ist eine Urkunde besonderer Art. 50
Jahre nach Beendigung ds Krieges zeigt das Kartenbild im
roten Rasterton alle im Krieg zerstört Gebiete der
Hansestadt. In der Relation dieser roten Ruinenflächen zu
den im schwarzen Rasterton gehaltenen unzerstörten Gebiete
wird das ganze erschreckende Ausmaß der Zerstörung
deutlich. So mag der Plan ein Zeitdokument darstellen für
all die Einwohner unserer Stadt, die sie in den Folgejahren
vom Schutt befreit haben, aber auch für diejenigen, denen
die Trümmerflächen, weil nicht aus eigener Anschauung kennengelernt,
in ihrem Umfang unvorstellbar sein müssen.
Der
Falk-Verlag nimmt sein 50jähriges Jubiläum zum Anlaß,
dieses Dokument nochmals der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen. Der Verlag und seine Mitarbeiter sehen in ihm auch
die Keimzelle aller weiteren Falkpläne, die seitdem in
einer Gesamtauflage von über 110 Millionen Exemplaren von
Städten aus aller Welt in alle Welt verbreitet wurden, Es
war 1945, als der Berliner Kartograph Gerhard Falk aus dem
Krieg zurückkehrte und in Hamburg seinen Verlag gründete.
Im hinteren Clubhaus einer Kneipe in der Klosterallee
zeichnete er mit drei feien Mitarbeitern seinen ersten
Stadtplan, den Falkplan von Hamburg. Und noch auf der Höhe
seines Erfolges wußte er, bevor er 1978 erst 56jährig
verstarb, zu berichten, daß die Beschriftung beispielsweise
der Zielhäfen der Elbschifffahrt ab St.Pauli -
Landungsbrücken seiner eigenen Handschrift entsprang.
Dieser
erste Falkplan, der im Folgejahr mit einer ersten Auflage
von 50.000 Exemplaren in den Handel kam, wies bereits zwei
Elemente des heutigen Falkplanes auf, die zu seinem
weltweiten Erfolg beitragen sollten: die Projektion mit dem
gleitenden Maßstab und die neuartige Patentfaltung. der
gleitende Maßstab entstand eher der Not gehorchend, denn
das von der Militärregierung freigegebene Papier hatte nur
ein Format von 60 x 40 cm. Es sollte aber ein gebiet
dargestellt werden vom Sandtorkai im Süden bis zum Bahnhof
Alsterdorf im Norden und von der Bahrenfelder Straße in
Altona bis zum Bahnhof Wandsbek. Mit einem kleineren
Maßstab wäre das sicherlich auch möglich gewesen, nur
wäre dann die Lesbarkeit im Zentrum erheblich
beeinträchtigt worden. So entwickelte Gerhard Falk seine
Projektion mit dem "Lupeneffekt", die das meist
dicht bebaute Innenstadtgebiet größer abbildete als die
Außenbezirke. Wurde die erste Auflage wie eine Sensation
gefeiert, so insbesondere auch deswegen, weil ein Stadtplan
mit einer ganz neuartigen Faltung auf dem Markt kam, die es
erlaube, den Plan, obwohl aus einer zusammenhängenden Karte
bestehend, wie ein Buch aufzuschlagen. Dieser besonderer
Kniff, der erst das Taschenformat ermöglichte, hat sich in
den Folgejahren auf der ganzen Welt durchgesetzt, sei es in
den Falkplänen von New York, Moskau oder Tokyo. Falkpläne
von 73 inländischen Städten und 57 ausländischen sind
heute an diesen beiden Merkmalen Projektion und
Patentfaltung zu erkennen, wie sie bereits den ersten
auszeichnete.
Ein Vergleich freilich der
ersten Auflage mit der gegenwärtigen 80sten Auflage (Anm.:
2004 war es die 86. Auflage) zeigt, das der
"Urplan" an heutigen Ansprüchen gemessen
unzulänglich war. Wies sein Register damals ca. 2.000
Straßennamen auf, sind es heute mehr als 8.000. Auch seine
Legende differenzierte 24 und mehr, einschließlich der
Signaturen für Theater und Telefonzellen, an deren
Darstellung bei der ersten Auflage natürlich gar nicht
gedacht werden konnte. So spiegelt sich im Vergleich der
beiden Auflagen die rasante Stadtentwicklung wider und damit
auch die Notwendigkeit zur Herausgabe von ständig
überarbeiteten Neuauflagen. Und an der Tatsache von 80
aktualisierten Auflagen zum 50jährigen Verlagsjubiläum
messen wir die Beliebtheit des Falkplaner bei unseren
Kunden, denen mit diesem Faksimiledruck herzlich für ihre
Treue gedankt sei.
Dr. Helge Lintzöft
Falk-Verlag AG
Hamburg, im Oktober 1995