ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 10 - Rheinprovinz - Westfälisches Industriegebiet

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Rheinprovinz und Westfalen

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 10 - Rheinprovinz - Westfälisches Industriegebiet

In der Shell Straßenkarte Nr.10 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Aachen, Köln, Düsseldorf, Münster, Wuppertal und das Ruhrgebiet dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Der Atlas der deutschen Volkskunde hat mehrere bunte Blätter aufzuweisen, aber die Landkarte, die das Gebiet zwischen Münster, Wesel, Köln und Bonn umfaßt, stellt wohl das bunteste daraus dar.

In Westfalen sitzt ein kernhaft germanisches Volkstum, den Niedersachsen in vielen Zügen verwandt, und doch ein so eigener Schlag, daß die neuere Rasseforschung ihn als einen besonderen anerkennt und als den fälischen bezeichnet. Gediegenheit und Beharrungsvermögen zeichnen ihn aus. Nochausgeprägter als beim Niedersachsen und Friesen ist hier die alte Vorliebe für die Einzelhofsiedlung, die schon Tacitus bei den ihm bekannt gewordenen Germanenstämmen aufgefallen war. Der Hausbau, dem niedersächsischen nächst verwandt, weist aber doch Unterschiede, etwa zwischen dem Sauerlande und dem Münsterlande, auf. Bis in das 19. Jahrhundert reinstes Bauernland und von dem Geiste beseelt, wie ihn Immermann im Oberhof schildert, erlebt dann Westfalen in folge des schlagartigen Aufkommens der Großindustrie und des damit verbundenen Einströmens landfremder Arbeitermassen Veränderungen, die ganze Gebiete von Grund auf verändert haben.

Während in den bäuerlich gebliebenen Gebieten sich die alten Volksanschauungen und auch das Brauchtum weiter erhalten, setzt seit etwa 1870 ein schneller Verfall der früher berühmten Volkstrachten ein, so daß nur noch Oberreste zu verzeichnen sind. Aber auch da wird bei spielsweise im Emslande darüber geklagt, daß die frühere Farbenfreudigkeit mehr und mehr abkommt. Sehenswert sind die Trachten von Minden, im Kirchspiel Rahden (Kr.Lübbecke). Im katholischen Sauerlande findet sich noch die den Kopf und den Körper bedeckende „Faige", ein schwarzes Regentuch, das seinen Trägerinnen ein nonnenartiges Aussehen verleiht. Wohl als Fortsetzung einer alten Zunftgewandung tragen die „Zögen" (Drahtzieher) von Alteng noch eine eigene Tracht. Uraltes Handwerkertum hat sich bei den Klingenschmieden und Schleifern des bergischen Landes, wo jeder Meister noch sein eigenes Häuschen hat und sein Stück Land bewirtschaftet, zu erhalten vermocht. Auch das mehr landwirtschaftliche Siegerland steckt noch voller Oberlieferungen.

Im Rheinland muß einmal im Jahre der große Karneval die Freude an dem früher hier herrschenden und oft von Wegestunde zu Wegestunde wechselnden Schatz an Volkstrachten ersetzen. Er war einst so bunt, wie die Landkarte längs der großen Völkerstraße am Rhein, und seinen Abglanz sehen wir noch gelegentlich bei historischen Aufzügen und Winzerfesten. Die Mannigfaltigkeit der Trachten entsprach der Beschwingtheit des Blutes, die den Rheinländer so geistig regsam und liebenswürdig macht. Der Menschenschlag ist in der Grundlage fränkisch, wobei sich der nördliche Niederfranke merklich im Wesen und in der Sprache vom Mittelfranken ab hebt. Wie wenig gelegentliche Einschläge der von den Franken verdrängten Kelten (die stärker nur in einigen armen Höhengebieten erkennbar sind) und der Nachkommen der römischen Legionäre das deutsche Herz des Rheinländers beeinflußt haben, hat er in der französischen Besatzungs- und in der Separatistenzeit bewiesen. In den Dörfern wird ebenso wie in der Großstadt Köln das Herkommen hochgehalten. Auch der rege Fremdenverkehr hat dies nicht verwischen können, was besonders bei der Weinlese beobachtet werden kann. Von unvergleichlicher Bedeutung aber ist das Land des Nibelungenstromes als Hort der Erhaltung deutscher Sagen. Jeder Stein kündet hier von altdeutscher Heldenzeit.

Westfalen zeigt wie Hannover und Braunschweig das silberne Sachsenroß in rotem Schilde, nur daß es fast aufrecht springend dargestellt wird. Das Wappen der Rheinprovinz ist der preußische Adler mit gekröntem Brustschild. Auf letzterem in grünem Feld ein schrägrechter, silberner Fluß.


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