VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Sachsen und Schlesien teilen sich gemeinsam mit der Mark
Brandenburg in die Raumschaft, die einen seit sehr alter
Zeit besonders hervortretenden Gau umschließt, die lausitz.
Flaches Sandland, die nur durch Wasseradern zugängliche
Abgeschlossenheit des Spreewaldes, dann nach Südosten zu
einige aufsteigende Hochflächen, im Süden das Tausitzer
Gebirge als Bindeglied zwischen Erzgebirge und
Riesengebirge, so sind die mannigfachsten Formationen
vereinigt, und verschieden ist der Herkunft nach auch die
Besiedelung. Auf der Fahrt von Berlin nach dem Südosten
werden wir deutlich gewahr, daß einst auch Brandenburg
seinen Namen als Mark, als Grenzgebiet des Deutschtums, mit
vollem Recht geführt hat. Angeschichtlich bedeutsamen
Plätzen heben sich heraus besonders Bautzen, die älteste
Stadt der Oberlausitz, malerisch durch Lage und Bauart
wirkend, und Guben, die größte Stadt der Niederlausitz,
von ihren mit Obstgärten bepflanzten Hügeln umrahmt,
besonders zur Zeit der Baumblüte viel von Fremden besucht.
Beide Städte verfügen über eine ausgedehnte Industrie,
Guben über Tuchweberei und Herstellung von Hüten, Bautzen
über Maschinen- und Eisenbahnbau. Auch viele andere
größere Orte weisen diesen starken industriellen Einschlag
auf, Forst und Cottbus, das lebhafte Zittau und das
freundlich am Fuße der landskrone gelagerte und als
Beamtenruhesitz beliebte Görlitz. Und auch in den kleineren
Orten finden wir diese Gewerberührigkeit vertreten, die
hier sehr alten Ursprunges ist. Eingewanderte Flamen hatten
die Verwebung von Wolle und Flachs hier bereits im
Mittelalter blühend entwickelt, die günstige Verkehrslage,
das Vorkommen von Braunkohle und nicht zuletzt der oft wenig
fruchtbare Boden haben dazu das übrige getan.
Neben einigen größeren Herrschaften, wie den
Waldgütern im Spreewaldgebiete, überwiegt der Kleinbesitz,
wobei als Besonderheiten Grünberg, mit dem neben Bomst in
der Grenzmark östlichsten Weinbau, dessen Erzeugnisse viel
besser sind als landläufig bekannt, und der beträchtliche
Gemüsebau von Zittau hervorzuheben sind. Schon in
vorgeschichtlicher Zeit, beim Übergang von der Bronze- zur
ältesten Eisenzeit, hat die Lausitz eine eigene Kultur
entwickelt, die weit über ihr heutiges Gebiet ausgestrahlt
ist. In frühgeschichtlicher Zeit sitzen dann hier
germanische Stämme, Semnonen und Vandalen, die dann in der
Völkerwanderung dem Eindringen der slawischen Wenden Raum
gaben, während aber gleichzeitig dauernd auch Thüringer
und Ostfranken eingeströmt sind. Die Städtegründung im
Mittelalter wurde ausschließlich von Deutschen
verschiedener Stämme getragen, wobei der flämischen
Webereilehrmeister bereits gedacht wurde. Daraus hat sich
ein Stamm entwickelt, der namentlich durch sein ernstes
Streben zur Auseinandersetzung mit den ewigen Dingen
hinneigt und uns Männer wie den Gründer der
Brüdergemeinde, den Grafen Zinzendorf, und Jakob Böhme
beschert hat, vor allem aber den Kleinwebersohn Johann
Gottlieb Fichte. Audi Lessing gehört dem Lausitzer Stamme
an. Das sind keine Geister, auf welche das Slawentum
Anspruch erheben kann. Allerdings besitzt das wendische
Gebiet, weniger das sächsische um Bautzen und das
preußische um Lübben im Spreewald, eine Eigenheit, wie wir
sie in Deutschland zum zweiten Male nicht besitzen. Drängt
doch die Bodenbeschaffenheit zu bestimmten Kulturen, wie dem
hier betriebenen Anbau von Gurken und Meerrettich im
großen.
Den Ackerwagen muß selbst bei der Heuernte
der Kahn vertreten. Im Winter ist der Schlittschuh das
Verkehrsmittel des Briefträgers. Hier hat sich auch
allgemein die schöne Volkstracht erhalten, die namentlich
beim sonntäglichen Kirchgang in Burg zu sehen ist. In der
südöstlichen Ecke zieht sich als Grenzgebiet zweier
Länder das Riesengebirge hin, das von einem Menschenschlag
bewohnt wird, der Ende des 12. Jahrhunderts aus Oberfranken
einwanderte. So finden wir hier die typische Anlage des
langen Reihendorfes wie im Frankenland und in den höher
gelegenen Regionen bis hinunter in das deutschböhmische
Gebiet die Streusiedlung.
Das Wappen von Niederschlesien besteht aus
dem preußischen Adler mit Halbmond über der Brust, aus dem
ein Kreuz in Form eines Eisernen Kreuzes herausragt, Sachsen
führt den grünen Rautenkranz im von Gold und Schwarz
zehnmal quergeteilten Felde, Brandenburg den roten Adler im
silbernen Felde.