ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 13 - Sachsen - Niederschlesien

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Thüringen, Anhalt und Provinz Sachsen

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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Von Land und Leuten

In der Shell Straßenkarte Nr.13 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Cottbus, Glogau, Görlitz, Liegnitz, Schweidnitz und Hirschberg dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Sachsen und Schlesien teilen sich gemeinsam mit der Mark Brandenburg in die Raumschaft, die einen seit sehr alter Zeit besonders hervortretenden Gau umschließt, die lausitz. Flaches Sandland, die nur durch Wasseradern zugängliche Abgeschlossenheit des Spreewaldes, dann nach Südosten zu einige aufsteigende Hochflächen, im Süden das Tausitzer Gebirge als Bindeglied zwischen Erzgebirge und Riesengebirge, so sind die mannigfachsten Formationen vereinigt, und verschieden ist der Herkunft nach auch die Besiedelung. Auf der Fahrt von Berlin nach dem Südosten werden wir deutlich gewahr, daß einst auch Brandenburg seinen Namen als Mark, als Grenzgebiet des Deutschtums, mit vollem Recht geführt hat. Angeschichtlich bedeutsamen Plätzen heben sich heraus besonders Bautzen, die älteste Stadt der Oberlausitz, malerisch durch Lage und Bauart wirkend, und Guben, die größte Stadt der Niederlausitz, von ihren mit Obstgärten bepflanzten Hügeln umrahmt, besonders zur Zeit der Baumblüte viel von Fremden besucht. Beide Städte verfügen über eine ausgedehnte Industrie, Guben über Tuchweberei und Herstellung von Hüten, Bautzen über Maschinen- und Eisenbahnbau. Auch viele andere größere Orte weisen diesen starken industriellen Einschlag auf, Forst und Cottbus, das lebhafte Zittau und das freundlich am Fuße der landskrone gelagerte und als Beamtenruhesitz beliebte Görlitz. Und auch in den kleineren Orten finden wir diese Gewerberührigkeit vertreten, die hier sehr alten Ursprunges ist. Eingewanderte Flamen hatten die Verwebung von Wolle und Flachs hier bereits im Mittelalter blühend entwickelt, die günstige Verkehrslage, das Vorkommen von Braunkohle und nicht zuletzt der oft wenig fruchtbare Boden haben dazu das übrige getan.

Neben einigen größeren Herrschaften, wie den Waldgütern im Spreewaldgebiete, überwiegt der Kleinbesitz, wobei als Besonderheiten Grünberg, mit dem neben Bomst in der Grenzmark östlichsten Weinbau, dessen Erzeugnisse viel besser sind als landläufig bekannt, und der beträchtliche Gemüsebau von Zittau hervorzuheben sind. Schon in vorgeschichtlicher Zeit, beim Übergang von der Bronze- zur ältesten Eisenzeit, hat die Lausitz eine eigene Kultur entwickelt, die weit über ihr heutiges Gebiet ausgestrahlt ist. In frühgeschichtlicher Zeit sitzen dann hier germanische Stämme, Semnonen und Vandalen, die dann in der Völkerwanderung dem Eindringen der slawischen Wenden Raum gaben, während aber gleichzeitig dauernd auch Thüringer und Ostfranken eingeströmt sind. Die Städtegründung im Mittelalter wurde ausschließlich von Deutschen verschiedener Stämme getragen, wobei der flämischen Webereilehrmeister bereits gedacht wurde. Daraus hat sich ein Stamm entwickelt, der namentlich durch sein ernstes Streben zur Auseinandersetzung mit den ewigen Dingen hinneigt und uns Männer wie den Gründer der Brüdergemeinde, den Grafen Zinzendorf, und Jakob Böhme beschert hat, vor allem aber den Kleinwebersohn Johann Gottlieb Fichte. Audi Lessing gehört dem Lausitzer Stamme an. Das sind keine Geister, auf welche das Slawentum Anspruch erheben kann. Allerdings besitzt das wendische Gebiet, weniger das sächsische um Bautzen und das preußische um Lübben im Spreewald, eine Eigenheit, wie wir sie in Deutschland zum zweiten Male nicht besitzen. Drängt doch die Bodenbeschaffenheit zu bestimmten Kulturen, wie dem hier betriebenen Anbau von Gurken und Meerrettich im großen.

Den Ackerwagen muß selbst bei der Heuernte der Kahn vertreten. Im Winter ist der Schlittschuh das Verkehrsmittel des Briefträgers. Hier hat sich auch allgemein die schöne Volkstracht erhalten, die namentlich beim sonntäglichen Kirchgang in Burg zu sehen ist. In der südöstlichen Ecke zieht sich als Grenzgebiet zweier Länder das Riesengebirge hin, das von einem Menschenschlag bewohnt wird, der Ende des 12. Jahrhunderts aus Oberfranken einwanderte. So finden wir hier die typische Anlage des langen Reihendorfes wie im Frankenland und in den höher gelegenen Regionen bis hinunter in das deutschböhmische Gebiet die Streusiedlung.

Das Wappen von Niederschlesien besteht aus dem preußischen Adler mit Halbmond über der Brust, aus dem ein Kreuz in Form eines Eisernen Kreuzes herausragt, Sachsen führt den grünen Rautenkranz im von Gold und Schwarz zehnmal quergeteilten Felde, Brandenburg den roten Adler im silbernen Felde.


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