ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 14 - Oberschlesien

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Oberschlesien

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 14 - Oberschlesien

In der Shell Straßenkarte Nr.14 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Breslau, Brieg, Oppeln, Gleiwitz, Beuthen, Ratibor, Leobschütz, Troppau, Neustadt, Neiße, Myslowitz und Czenstochau zu finden.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Dahin, woher die Oder kommt, nach der uralten Völkerpforte der mährischen Senkung, weist die Lage Schlesiens, und bei wenigen deutschen Gauen ist die geographische Gestaltung so sehr Schicksal und Bestimmung wie hier. Zwischen zwei fremde Völker, zwischen Polen und Tschechen, treibt Schlesien einen Keil, der nicht mit Gewalt errichtet wurde, sondern mit Mitteln der überlegenen Kultur, und der in der Weltgeschichte oft genug Erwähnung gefunden hat. Um den Schlesier ganz zu verstehen, muß man seine Entstehung kennen, und bei kaum einem anderen zusammengesetzten Stamme ist diese so gut aufgeklärt, wie hier. In der frühen Vorgeschichte bildet Schlesien eine damals stark besiedelte Einheit mit der benachbarten Lausitz. In der Eisenzeit sitzen dann germanische Stämme hier, zuerst Hermionen, später auch ostgermanische Wandalen und andere, deren einer, die Silinge, deren Stammesheiligtum der Zobten war, dem Lande seinen Namen hinterlassen hat. Nachdem sich diese Germanen größtenteils, doch so, daß Reste noch im alten Gebiet seßhaft blieben, wie wir es von den Wandalen wissen, auf die Völkerwanderung begeben hatten, rückten in dünner Zerstreuung Slawen ein. Um das Land


zu heben, riefen deren Herzöge selbst deutsche Siedler herbei, deren Einwanderung im 12. Jahrhundert begann. Ihrem Stamme nach waren bei dieser Besiedelung weniger Niederdeutsche beteiligt, obwohl die Beteiligung von Niederfranken :und Niedersachsen feststeht, als Mittel- und Westdeutsche, Thüringer, Franken, Alemannen und sogar Wallonen. Für eine spätere Einwanderungswelle ist das Oberwiegen von Obersachsen, Thüringern und Oberpfälzern nachgewiesen. Auch die Art, wie die deutsche Besiedlung sich ausbreitete, ist unzweifelhaft festzustellen. Der Hauptstrom ergoß sich in die fruchtbaren Niederungen und rodete die Waldungen auf den guten Böden der Vorgebirgszone. Das war Land von der Art, wie es die Siedler aus ihrer mittel- und süddeutschen Heimat kannten und wie es sie verwandt anmutete. Dagegen konnte das eigentliche Oberschlesien, mit seinen unergiebigen Böden, den deutschen Landwirt wenig reizen. Hier blieb der Slawe in nicht sehr großer Dichte wohnen, hier entstanden die ungeheuren Waldherrschaften, die sich an keiner anderen Stelle Deutschlands in ähnlicher Ausdehnung vorfinden, und auch der deutsche Bergmann, der schon seit dem Mittelalter in Tarnowitz und Beuthen Erze förderte, konnte noch nicht ahnen, zu welcher Bedeutung und welchem Verhängnis im 19. Jahrhundert die Entdeckung der Steinkohlenlager werden würde. Diese Besiedelungsgeschichte prägt sich bis zum heutigen Tage in dem Lande aus. Die überlegene Kultur der deutschen Siedler hatte sich überall friedlich durchgesetzt. Die Städte vor allem, rein deutsche Gründungen mit deutschem Stadtrecht trotz ihrer überwiegend slawischen Namen, boten für die Eindeutschung des flachen Landes in Mittel- und im westlichen Oberschlesien den starken Rückhalt.

In Ostoberschlesien hat sich, niemals von den Deutschen gestört aber in seiner Erziehung stark von ihnen gefördert, das Mischvolk der sogenannten Wasserpolacken erhalten, das zu den anderen Slawenvölkern keinerlei kulturelle Beziehungen hat. Die Bedeutung aller übrigen Städte überstrahlt Breslau, das seit Jahrhunderten eine der Hauptstädte deutscher Kultur und deutschen Geistesleben geblieben ist, was sich in seiner Baugeschichte deutlich kund gibt. Aus der Verbindung mit der Hanse stammen die backsteingotischen Kirchen, aus den Beziehungen zu Osterreich das reiche Barock und ähnliche Befruchtung des Landes, das zugleich immer große Durchgangsstraße war und sich seiner eigenen, gemütvollen und durch so zahlreiche hier geborene Dichter bewiesenen Besinnlichkeit bewußt geblieben ist. Schlesien und auch Oberschlesien besitzen noch zahlreiche Trachteninseln, wobei im letzteren Gebiete die Unterschiede zwischen slawischer und deutscher Abstammung noch immer zur Geltung kommen. Das Wappen Schlesiens ist der schwarze Adler, dessen Brust und Fittiche mit einer silbernen Wolfsangel belegt sind, im goldenen Felde. Oberschlesien als gesonderte Provinz führt den halben goldenen Adler über Sense und gekreuzten Hämmern im blauen Felde.


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