SHELL Straßenkarte Nr. 14 - Oberschlesien
In der Shell Straßenkarte Nr.14
aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Breslau,
Brieg, Oppeln, Gleiwitz, Beuthen, Ratibor, Leobschütz,
Troppau, Neustadt, Neiße, Myslowitz und Czenstochau zu finden.
VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Dahin, woher die Oder kommt, nach der uralten
Völkerpforte der mährischen Senkung, weist die Lage
Schlesiens, und bei wenigen deutschen Gauen ist die
geographische Gestaltung so sehr Schicksal und Bestimmung
wie hier. Zwischen zwei fremde Völker, zwischen Polen und
Tschechen, treibt Schlesien einen Keil, der nicht mit Gewalt
errichtet wurde, sondern mit Mitteln der überlegenen Kultur,
und der in der Weltgeschichte oft genug Erwähnung gefunden
hat. Um den Schlesier ganz zu verstehen, muß man seine
Entstehung kennen, und bei kaum einem anderen
zusammengesetzten Stamme ist diese so gut aufgeklärt, wie
hier. In der frühen Vorgeschichte bildet Schlesien eine
damals stark besiedelte Einheit mit der benachbarten
Lausitz. In der Eisenzeit sitzen dann germanische Stämme
hier, zuerst Hermionen, später auch ostgermanische Wandalen
und andere, deren einer, die Silinge, deren Stammesheiligtum
der Zobten war, dem Lande seinen Namen hinterlassen hat.
Nachdem sich diese Germanen größtenteils, doch so, daß Reste
noch im alten Gebiet seßhaft blieben, wie wir es von den
Wandalen wissen, auf die Völkerwanderung begeben hatten,
rückten in dünner Zerstreuung Slawen ein. Um das Land
zu heben, riefen deren Herzöge selbst deutsche Siedler
herbei, deren Einwanderung im 12. Jahrhundert begann. Ihrem
Stamme nach waren bei dieser Besiedelung weniger
Niederdeutsche beteiligt, obwohl die Beteiligung von
Niederfranken :und Niedersachsen feststeht, als Mittel- und
Westdeutsche, Thüringer, Franken, Alemannen und sogar
Wallonen. Für eine spätere Einwanderungswelle ist das
Oberwiegen von Obersachsen, Thüringern und Oberpfälzern
nachgewiesen. Auch die Art, wie die deutsche Besiedlung sich
ausbreitete, ist unzweifelhaft festzustellen. Der Hauptstrom
ergoß sich in die fruchtbaren Niederungen und rodete die
Waldungen auf den guten Böden der Vorgebirgszone. Das war
Land von der Art, wie es die Siedler aus ihrer mittel- und
süddeutschen Heimat kannten und wie es sie verwandt
anmutete. Dagegen konnte das eigentliche Oberschlesien, mit
seinen unergiebigen Böden, den deutschen Landwirt wenig
reizen. Hier blieb der Slawe in nicht sehr großer Dichte
wohnen, hier entstanden die ungeheuren Waldherrschaften, die
sich an keiner anderen Stelle Deutschlands in ähnlicher
Ausdehnung vorfinden, und auch der deutsche Bergmann, der
schon seit dem Mittelalter in Tarnowitz und Beuthen Erze
förderte, konnte noch nicht ahnen, zu welcher Bedeutung und
welchem Verhängnis im 19. Jahrhundert die Entdeckung der
Steinkohlenlager werden würde. Diese Besiedelungsgeschichte
prägt sich bis zum heutigen Tage in dem Lande aus. Die
überlegene Kultur der deutschen Siedler hatte sich überall
friedlich durchgesetzt. Die Städte vor allem, rein deutsche
Gründungen mit deutschem Stadtrecht trotz ihrer überwiegend
slawischen Namen, boten für die Eindeutschung des flachen
Landes in Mittel- und im westlichen Oberschlesien den
starken Rückhalt.
In Ostoberschlesien hat sich, niemals von den Deutschen
gestört aber in seiner Erziehung stark von ihnen gefördert,
das Mischvolk der sogenannten Wasserpolacken erhalten, das
zu den anderen Slawenvölkern keinerlei kulturelle
Beziehungen hat. Die Bedeutung aller übrigen Städte
überstrahlt Breslau, das seit Jahrhunderten eine der
Hauptstädte deutscher Kultur und deutschen Geistesleben
geblieben ist, was sich in seiner Baugeschichte deutlich
kund gibt. Aus der Verbindung mit der Hanse stammen die
backsteingotischen Kirchen, aus den Beziehungen zu
Osterreich das reiche Barock und ähnliche Befruchtung des
Landes, das zugleich immer große Durchgangsstraße war und
sich seiner eigenen, gemütvollen und durch so zahlreiche
hier geborene Dichter bewiesenen Besinnlichkeit bewußt
geblieben ist. Schlesien und auch Oberschlesien besitzen
noch zahlreiche Trachteninseln, wobei im letzteren Gebiete
die Unterschiede zwischen slawischer und deutscher
Abstammung noch immer zur Geltung kommen. Das Wappen
Schlesiens ist der schwarze Adler, dessen Brust und Fittiche
mit einer silbernen Wolfsangel belegt sind, im goldenen
Felde. Oberschlesien als gesonderte Provinz führt den halben
goldenen Adler über Sense und gekreuzten Hämmern im blauen
Felde.