SHELL Straßenkarte Nr. 14 Schlesien
In der Shell Straßenkarte
Nr.14 aus dem Zeitraum von 1939
sind Städte wie Schweidnitz, Breslau, Brieg, Neiße,
Oppeln, Gleiwitz, Hindenburg, Beuthen, Bobrek-Karf, Ratibor,
Jägerndorf, Troppau und Waldenburg in der Karte dargestellt.
Von Kottbus kommend ist die Autobahn bis Brieg fertig gestellt.
Auch zwischen Gleiwitz und Beuthen ist die Reichsautobahn
schon fertiggestellt.
Von Land und Leuten
Schlesien
(Original Text aus der Shell-Straßenkarte)
In der
nach der uralten Völkerpforte der mährischen Richtung der
Oder, Senkung hin, weist die Lage Schlesiens. Bei wenigen
deutschen Gauen ist die geographische Gestaltung so sehr
Schicksal und Bestimmung gewesen wie hier. Um den Schlesier
ganz zu verstehen, muß man seine Entstehung kennen. So mag
man sich vor allzu schnellem Urteil hüten. Nieder-, mittel-
und oberdeutsches Volkstum holte Schlesien im Mittelalter
wieder zum Reich zurück, Flamen vom Niederrhein, Sachsen,
Thüringer und Franken, aber auch Schwaben und Bayern
prägten die Seele der Schlesier. Ostgermanen hatten ehemals
schon hier durch zähe Arbeit diesen siedlungsleeren Raum zu
ihrer Heimat gemacht. Noch heute besteht zwischen dem Wesen
der auf den Höhen lebenden Menschen und den schweren, oft
schweigsamen Bewohnern der Ebene ein auffallender
Unterschied.
Dem Fremden tun schlesische Gastlichkeit,
Freundlichkeit der Gespräche und seine frohe Geselligkeit
wohl. Ein ausgeprägter Charakterzug ist die Heimatliebe.
„Suste nischt ock heem" sagt Holtei für alle
Schlesier, denn sie meinen, daß es sich nur in lasse. Neben
dem nähen Fleiß steht aber auch die Freude am Sinnieren am
Forschen, was hinter der Welt sein kann. So sind ihm Glauben
an Volk und Heimar und Festhalten an den Bräuchen der
Väter eigen. Schlesien ist dadurch ein bewunderungs
würdiges Bollwerk des Deutschtums im Osten. Wer die
Vertiefung des schlesischen Brauchtums fördern will,
unterstüßt zum Beispiel die Aktion der sehr
heimatbewußten Hitlerjugend, die allerorten HJ.-Heime baut.
Ein Musterbeispiel dafür - übrigens auch für den eiligen
Kraftfahrer sehenswert - ist das HJ.- Heim von Liebichau (am
Freibad), von Architekt Heubner entworfen. Auch die Art, wie
die deutsche Besiedlung sich ausbreitet, ist unzweifelhaft
festzustellen. Der Hauptstrom ergoß sich in die fruchtbaren
Niederungen und rodete die Waldungen auf den guten Böden
der Vorgebirgszone. Das war Land von der Art, wie es die
Siedler aus ihrer mittel. und süddeutschen Heimat kannten
und wie es sie verwandt anmutete. Dagegen konnte das
eigentliche Oberschlesien noch nicht so stark besiedelt
werden; hier entstanden dann die ungeheuren
Waldherrschaften, die sich an keiner
anderen Stelle Deutschlands in ähnlicher Ausdehnung
vorfinden. Und der deutsche Bergmann, der schon seit dem
Mittelalter in Tarnowitz und Beuthen Erze förderte, konnte
noch nicht ahnen, zu welcher Bedeutung der Steinkohlenlager
gelangen würde.
Diese Besiedlungsgeschichte prägt sich bis zum heutigen
Tage in dem Lande aus. Die Städte vor allem, rein deutsche
Gründungen mit deutschem Stadtrecht, bieten dem flachen
Lande in Mittel- und im westlichen Schlesien starken
Rückhalt. Die Bedeutung aller anderen Städte überstrahlt
Breslau, das seit Jahrhunderten eine der Hauptstätte
deutscher Kultur und deutschen Geisteslebens ist, was sich
in seiner Baugeschichte deutlich kundgibt. Aus der
Verbindung mit der Hanse stammen die backsteingotischen
Kirchen. aus den Beziehungen zum Westen das reiche Barock
und weitere Befruchtungen des Landes, das als große
Durchgangsstraße sich doch seiner eigenen, gemütvollen,
durch zahlreiche hier geborene Dichter bewiesenen
Besinnlichkeit bewußt geblieben ist. Schlesien besitzt noch
zahlreiche Trachteninseln. - Das Wappen Schlesiens ist der
schwarze Adler, dessen Brust und Fittiche mit einer
silbernen Wolfsangel belegt sind, im goldenen Felde.