VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Wir sind im Lande der Franken, mit dem
Dreigestirn der herrlichen Frankenhauptstädte Frankfurt a.
M., Würzburg und Nürnberg. Das fränkische Erbe verteilt
sich auf die heutigen Staatsteile Hessen-Nassau, Baden und
Bayern, dazwischen schiebt sich das chattische Hessen und
das schwäbische Nordwürttemberg. Es umfaßt einen Teil von
Taunus, Vogelsberg und Rhön, den Spessart, den Odenwald,
und steigt aus der oberrheinischen Tiefebene über die
kalkreichen Terrassen, die dem Main und Neckar und ihren
Nebenflüssen ihren Weg vor schreiben, bis zum fränkischen
Jura auf. Kein anderer Stammbewohnte eine Scholle, die so
wechselnde Vorbedingungen gibt, wie der fränkische.
Reichster Überfluß und triebkräftigstes Klima in der
Gartenlandschaft der Rheinebene und an der Bergstraße sowie
in dem weingesegneten Würzburger Talkessel, armes Hirten-
und Holzhauerndasein im Gebirge, teilweise sehr schwierige
Arbeit für den Kleinbauern im Kalkgeröll, und auf mageren
Böden strenge Kiefernwaldstriche, die an den Norden und
Osten gemahnen.
Auch Hessen und der hier in Betracht
kommende Teil von Württemberg zeigen solche
Verschiedenheiten. Und dennoch blüht überall die liebe zur
Heimat und hat diese mit beherrschenden Städten und
traulichen Dörfern so überreich ausgestaltet, daß nur
wenige der edelsten Perlen genannt zu werden brauchen, um
das ganze Geschmeide aufblitzen zu lassen. Inmitten eines
sehr fruchtbaren Umlandes und zahlreicher kleinerer,
gewerbefleißiger Städte liegt Frankfurt a. M, an einem der
seit vorgeschichtlicher Zeit beherrschenden Knotenpunkte,
die Stätte der Königs- und Kaiserkrönungen, der Messen,
die Stätte auch, wo sich 1848 vorzeitig die Hoffnung auf
ein einiges Deutsches Reich totlief, und nicht zuletzt
Goethes Vaterstadt. Heute aber mit seinem Römerberg und dem
altreichsstädtischen Kern ganz eingeengt vom Lärm der Zeit
und der Industrie- und Handelsviertel. Ganz anders
Würzburg, der ehemalige fürstbischöfliche Herzogssitz mit
der hochragenden Marienburg, dem gewaltigen Barockschloß
Balthasar Neumanns, der mit wuchtig zopfigen Heiligenfiguren
besetzten romanischen Mainbrücke, den Meisterwerken Tilmann
Riemenschneiders und den Erinnerungen an Florian Geyer und
den blutigen Bauernkrieg. Und wiederum von völlig anderer
Prägung Hans Sachsens und Albrecht Dürers Heimat, das
gediegenen und seiner Art froh bewußten Bürgerstolz
atmende Nürnberg, mit seiner Burg, dem Germanischen Museum
und den zahlreichen schönen Renaissancehäusern,
wohlbewahrt im Ringe seiner wehrhaften Mauern wie ein
Museumsstück und doch eine der wirtschaftlich rührigsten
Städte der südlichen Reichshälfte. Dazu tritt dann die
Fülle der kleineren "altdeutschen" Städte, die
gerade das fränkische Gebiet aufzuweisen hat, Miltenberg
und Wertheim, Ochsenfurt und Rothenburg ob der Tauber,
Mergentheim und Dinkelsbühl, sowie die kleinen Residenzen
Ansbach und das durch die Wagnerfestspiele zum
Weltwallfahrtsort gewordene Bayreuth, und nicht zu vergessen
der parkumfriedete Bischofsruhesitz Veitshöchheim. Schon
die Nennung dieser Ortsnamen und weniger in ihnen
beheimateter geistiger und künstlerischer Führer zeigt die
Vielseitigkeit der hier hausenden Franken, der Angehörigen
des in der Frühzeit am ersten zu einem gemeinsamen
Staatswillen befähigten Stammes, in dem sich der Trieb nach
der Ferne eigenartig mit einer leidenschaftlichen
Anhänglichkeit an die Heimat vermischt. Die Franken stehen
in allen Berufszweigen ihren Mann, sind auf oft schmalster
Grundlage hervorragende Landwirte, geschickte Handwerker,
gemütvolle und fortschrittliche Künstler. Was sich in
Franken noch an Trachten erhalten hat, wird in Schatten
gestellt durch die reicheren und bunteren Gewandungen, die
sich in Baden, Schwaben und Hessen erhalten haben. Das ist
um so bedauerlicher, als gerade Franken früher einen
unvergleichlichen Reichtum an Trachten besessen hat.
Als Wappen führt Baden den roten
Schrägbalken im goldenen Felde. Württemberg zeigt in einem
viergeteilten Schild zwei Felder mit drei übereinander
liegenden schwarzen Hirschstangen und zwei Felder vier mal
von Rot über Schwarz geteilt. Bayern führt im großen
Staatswappen das blau weiße Rautenschild, den goldenen
Löwen auf schwarzem Grunde, die drei übereinanderliegenden
schwarzen Löwen in Gold und die drei Silberspitzen auf
rotem Feld.