VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Durch den knieartig eingebogenen Schenkel des
Rheinstromes gegen die stammesgleiche Schweiz und jetzt auch
gegen das stammesgleiche Elsaß abgegrenzt, wohnt im Rahmen
dieser Karte die Mehrzahl der Alemannen, die dem Deutschen
Reiche noch angehören. Der Rest dieses germanischen Stammes
verteilt sich auf die Schweiz, auf das österreichische
Vorarlberg und jetzt auf Frankreich, dessen zweiten
deutschblutigen Stamm sie neben den Flamen an der
Nordseeküste bilden. Das Gebiet erhält seine Eigenart
durch den Gegensatz der Rheinebene zu dem sie in
gleichmäßigem Abstand zum Strombegleitenden Gebirge und
wirkt wie das vollkommene Spiegelbild der jenseitigen
elsässischen Seite, wie ja auch beide Teile durch einen
einheitlichen Schöpfungsakt der Erdgeschichte entstanden
sind. Aber es enthält doch sehr starke Unterschiede. Schon
die Ebene ist anders längs dem pappelbestandenen Strome mit
seinen schilfumrandeten Altwässern und inselartigen Auen,
anders in den höheren lagen nach dem Gebirge zu. Und dieses
selbst wechselt vom Süden nach Norden zu ebenfalls die
Bergformen, es reckt im Süden seine mit dem Feldberg 1490
Meter Höhe erreichenden bedeutendsten Gipfel empor und
klingt nach Norden in sanftere Buntsandsteinhöhen aus. Wer
aber dieses Land in allem seinem besonnten Reichtum
kennenlernen will, der muß auf die zwischen der Ebene und
dem Gebirge eingebaute Vorhügelzone steigen, die schon vom
Urmenschen besiedelt war und wo sich die ganze Herrlichkeit
des Wein- und Fruchtlandes entwickelt. Wiederum wird der
Besucher schnell lernen, daß die Weinlagen von der Gunst
des Bodens und der Lage sehr verschieden begnadet sind, und
daß sich diese Unterschiede sogar in den kleinsten
Teilgebieten bemerkbar machen, wie auf dem überraschend aus
der Rheinebene aufwachsenden vulkanischentstandenen
Kaiserstuhl. Es ist wohl zu begreifen, daß dem Badener das
Herz aufgeht, wenn er von den Sdiwarzwaldgipfeln seine
Heimat überschaut. Denn das Land bietet alles, was auf
deutscher Scholle überhaupt wächst und manches, was
anderwärts nicht mehr gedeiht.
Der oberrheinische Wärmekessel zwischen den Südvogesen
und dem Breisgau brütet die größte Sommerhitze aus, die
in dem Gebiet nördlich der Alpen überhaupt erreicht wird.
Nicht nur die feinsten Obstsorten reifen hier, sondern in
den Hausgärten sogar die Feigen und die Edelkastanie. Tabak
und Hopfen sind bedeutende Einnahmequellen der
oberrheinischen Landwirtschaft, und Mais wurde hier gezogen,
längst ehe der Anbau klimatisch angepaßter Sorten in das
übrige Deutschland vordrang. - Das alemannische Bauernhaus
ist nun eine Sehenswürdigkeit für sich: Fachwerk in der
schönsten Ausbildung, die Balken dunkel oder farbig
getönt, die Mauerfüllung weiß abgesetzt.
Man kann landauf, landab gehen, keines dieser Häuser
gleicht ganz dem anderen, sondern jedes hat ein Gesicht für
sich, auch ohne daß mannigfache andere Zutaten, wie die Hof
tore und ihre Inschriften, dazu noch das übrige beitragen.
Außer dem Dorfhaus der Ebene und der Vorhügelzone hat sich
im Schwarzwald noch das alemannische Einzelgehöft erhalten
mit seinen stattlichen und zuweilen großartig wirkenden
Bauten. Aus einem lande dieser Art war der Künstler erstanden,
der das Spitzenfiligran des Freiburger Münstersersann, und
der noch größere, der den drüben von Straßburg her wie
einen mahnenden Schwurfinger emporgereckten Münsterbau
entworfen und begonnen hat.
Nicht nur die Ebene, so das sogenannte Hanauer Land um
Kehl herum sondern auch die Schwarzwaldtäler sind noch sehr
reich an farbigen, kleidsamen Trachten, wobei die einzelnen
Gebiete unschwer zu unterscheiden sind. Im
württembergischen Schwarzwald ist stellenweise die
Männerfracht noch sehr malerisch, und überall wird hier
seit langem dafür Sorge getragen, daß die vorhandenen
Trachten nicht weiter in Vernachlässigung geraten.- Das
Wappen Badens führt einen roten Schrägbalken in goldenem
Felde, das württembergische Wappen zeigt auf zwei goldenen
Feldern je drei schwarze Hirschstangen und zwei Felder, die
viermal von Schwarz über Rot geteilt sind.