ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 18 - Baden

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Baden und Württemberg

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 18 - Baden

In der Shell Straßenkarte Nr.18 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Strassburg, Freiburg, Mülhausen (F), Basel (CH) und Zürich (CH) dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Durch den knieartig eingebogenen Schenkel des Rheinstromes gegen die stammesgleiche Schweiz und jetzt auch gegen das stammesgleiche Elsaß abgegrenzt, wohnt im Rahmen dieser Karte die Mehrzahl der Alemannen, die dem Deutschen Reiche noch angehören. Der Rest dieses germanischen Stammes verteilt sich auf die Schweiz, auf das österreichische Vorarlberg und jetzt auf Frankreich, dessen zweiten deutschblutigen Stamm sie neben den Flamen an der Nordseeküste bilden. Das Gebiet erhält seine Eigenart durch den Gegensatz der Rheinebene zu dem sie in gleichmäßigem Abstand zum Strombegleitenden Gebirge und wirkt wie das vollkommene Spiegelbild der jenseitigen elsässischen Seite, wie ja auch beide Teile durch einen einheitlichen Schöpfungsakt der Erdgeschichte entstanden sind. Aber es enthält doch sehr starke Unterschiede. Schon die Ebene ist anders längs dem pappelbestandenen Strome mit seinen schilfumrandeten Altwässern und inselartigen Auen, anders in den höheren lagen nach dem Gebirge zu. Und dieses selbst wechselt vom Süden nach Norden zu ebenfalls die Bergformen, es reckt im Süden seine mit dem Feldberg 1490 Meter Höhe erreichenden bedeutendsten Gipfel empor und klingt nach Norden in sanftere Buntsandsteinhöhen aus. Wer aber dieses Land in allem seinem besonnten Reichtum kennenlernen will, der muß auf die zwischen der Ebene und dem Gebirge eingebaute Vorhügelzone steigen, die schon vom Urmenschen besiedelt war und wo sich die ganze Herrlichkeit des Wein- und Fruchtlandes entwickelt. Wiederum wird der Besucher schnell lernen, daß die Weinlagen von der Gunst des Bodens und der Lage sehr verschieden begnadet sind, und daß sich diese Unterschiede sogar in den kleinsten Teilgebieten bemerkbar machen, wie auf dem überraschend aus der Rheinebene aufwachsenden vulkanischentstandenen Kaiserstuhl. Es ist wohl zu begreifen, daß dem Badener das Herz aufgeht, wenn er von den Sdiwarzwaldgipfeln seine Heimat überschaut. Denn das Land bietet alles, was auf deutscher Scholle überhaupt wächst und manches, was anderwärts nicht mehr gedeiht.

Der oberrheinische Wärmekessel zwischen den Südvogesen und dem Breisgau brütet die größte Sommerhitze aus, die in dem Gebiet nördlich der Alpen überhaupt erreicht wird. Nicht nur die feinsten Obstsorten reifen hier, sondern in den Hausgärten sogar die Feigen und die Edelkastanie. Tabak und Hopfen sind bedeutende Einnahmequellen der oberrheinischen Landwirtschaft, und Mais wurde hier gezogen, längst ehe der Anbau klimatisch angepaßter Sorten in das übrige Deutschland vordrang. - Das alemannische Bauernhaus ist nun eine Sehenswürdigkeit für sich: Fachwerk in der schönsten Ausbildung, die Balken dunkel oder farbig getönt, die Mauerfüllung weiß abgesetzt.

Man kann landauf, landab gehen, keines dieser Häuser gleicht ganz dem anderen, sondern jedes hat ein Gesicht für sich, auch ohne daß mannigfache andere Zutaten, wie die Hof tore und ihre Inschriften, dazu noch das übrige beitragen. Außer dem Dorfhaus der Ebene und der Vorhügelzone hat sich im Schwarzwald noch das alemannische Einzelgehöft erhalten mit seinen stattlichen und zuweilen großartig wirkenden Bauten. Aus einem lande dieser Art war der Künstler erstanden, der das Spitzenfiligran des Freiburger Münstersersann, und der noch größere, der den drüben von Straßburg her wie einen mahnenden Schwurfinger emporgereckten Münsterbau entworfen und begonnen hat. 

Nicht nur die Ebene, so das sogenannte Hanauer Land um Kehl herum sondern auch die Schwarzwaldtäler sind noch sehr reich an farbigen, kleidsamen Trachten, wobei die einzelnen Gebiete unschwer zu unterscheiden sind. Im württembergischen Schwarzwald ist stellenweise die Männerfracht noch sehr malerisch, und überall wird hier seit langem dafür Sorge getragen, daß die vorhandenen Trachten nicht weiter in Vernachlässigung geraten.- Das Wappen Badens führt einen roten Schrägbalken in goldenem Felde, das württembergische Wappen zeigt auf zwei goldenen Feldern je drei schwarze Hirschstangen und zwei Felder, die viermal von Schwarz über Rot geteilt sind.


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