VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
In diesen quer von der Donau durchströmten
Landschaften, in die sich politisch Württemberg und Bayern
teilen, wohnt der Stamm der Schwaben, im südlichsten Teile
abgelöst durch die Alemannen. Die Karte zeigt uns
überwiegend Hoch- und Bergland, als Senkungen die
geräumige Ebene um den lauf des Neckars und die schon stark
von Moor („Moos") durch setzte bei Augsburg
beginnende Alpenvorlandschaft, dazwischen die Schwäbische
Alb, im Westen den Hang des Schwarzwaldes, und als kleine
Einsprengung jenes durch einen Erdeinsturz in der
Tertiärzeit entstandene fruchtbare Nördlinger Ries. Im
äussersten Süden ändert sich diese abwechslungsreiche
Formation noch einmal in eigenartiger Weise durch das
Auftreten der hochaufragenden Basalt- und Klingsteinkuppen
des Hegau. Das ist das Land, welches uns die beiden großen
Herrschergeschlechter der Hohenstaufen und Hohenzollern und
mit Friedrich Schiller aus Marbach an der Spitze so viele
Dichter beschert hat, wie kein anderer deutscher Gau.
Schon seit der Steinzeit hat sich hier überwiegend
nordisches, auch fälisches Blut mitostischem und
späterdinarischem verschmolzen, es ist dann in mehreren
Völkerwanderungen nordisch aufgefrischt worden, und aus dem
ganzen ist jene Einheit des Schwaben geworden, die auf der
ganzen Weltunverkennbar bleibt und sich überall
durchzusetzen verstanden hat, ohne große Worte aber durch
eine unermüdliche Arbeitssamkeit und Tüchtigkeit.
Aufnahmefähig und fortschrittlich, auf der anderen Seite
grüblerisch und zäh bis zum Eigensinn, von
angesprochenstem Zusammengehörigheitsgefühl, welches sich
in der Auswanderungszeit sogar imwilden Westen Nordamerikas
und im australischen Busch meldete, dabei nichts weniger als
geneigt, sich hochmütig abzuschließen, launig und nicht
selten auch launisch, so scheint der schwäbische Mensch
eine der geschlossensten Einheiten, welche der deutsche
Boden hervorgebracht hat. Auf der einen Seite Philosoph und
Dichter, bereit, alles darbend an seine Hochziele zu setzen,
auf der anderen als kleiner Geschäftsmann und Zwergbauer
scharf rechnend auf seinen bescheidenen Gewinn bedacht,
mochte er, zumal er auch seit alten Zeiten immer im Kampf
wehrhaft seinen Mann gestanden hat, fremden Völkern als die
ausgeprägt deutscheste Vereinigung deutscher Eigenschaften
erscheinen, so daß bis weit in den Orient die Bezeichnung Schwabe
für uns Deutsche schlechthin gilt. Aber bei näherem
Zusehen finden sich innerhalb des reinschwäbischen Gebietes
doch wesentliche Unterschiede in der Art der Bewohner, die
besonders beim Vergleich des heiteren, mehr aus sich
herausgehenden Oberschwaben etwa mit dem schwerer
erdgebundenen Albbauern auf fallen. Solche Verschiedenheiten
mußten in langen Jahrhunderten schon die Mannigfaltigkeit
der Lebensunterlage herausarbeiten. Schwaben besitzt, was
den Anbau betrifft, die vielleicht größte Vielseitigkeit
innerhalb der Reichsgrenzen, Obst- und Weinbau von
bedeutendem Umfange, wo es die Lage ermöglicht wie am
Bodensee, Weizen und Roggen, Gerste und Hafer, Dinkel und
Emmer, Mais und Hopfen, Raps und Zichorie, Rüben,
Kartoffeln, strichweise, wie auf den „Fildern", auch
sehransehnlichenGemüsebau. Eine besondere Eigenheit ist
hier die mit höchster Gewissenhaftigkeit betriebene
Kleinlandwirtschaft in Verbindung mit derArbeit in der
Industrie, eine Verbindung, ohne welche bei der dichten
Besiedlung den kinderreichen Familien der durch die Natur
benachteiligten Gegenden das leben kaum möglich wäre. An
Schönheit des Städtebaues übertrifft trotz der alten
Teile von Stuttgart, trotz Esslingen und Tübingen und
vielen lieben kleinen Nestern der Osten den westlichen Teil
durch die herrlichen Giebelhäuser von Nördlingen, durch
Ulm mit seinem ragenden Münster und durch die immer noch
unverblichene Großartigkeit von Augsburg.
Dagegen ist der östliche Teil reicher an
erhaltenen Trachten. Schon vor den Toren Stuttgarts bieten
sich köstliche Bilder, wenn die Fliederbauern Sonntags zur
Kirche gehen oder am Nachmittag zum geruhsamen Gespräch am
Nachbarzaunverweilen. Auch der Hohenzoller trägt noch hier
und dort mit Stolz seinen blauen langen Leinenrock, während
man im Schwarzwald den gelben Lederkniehosen und den blanken
Silberknöpfen begegnen kann, genau wie sie vor mehr als
hundert Jahren getragen wurden.
Das Wappen Württembergs ist ein
viergeteilter Schild, von denen zwei Felder drei übereinander
liegende schwarze Hirschstangen in Gold zeigen und zwei
Felder je vier mal von Schwarz über Rot geteilt sind.
Bayern führt im großen Staatswappen das blau-weiße
Rautenschild, den goldenen Löwen auf schwarzem Grunde, die
drei übereinanderliegenden schwarzen Löwen in Gold und die
drei Silberspitzen auf rotem Felde.