ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 19 - Württemberg - Bayern

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Bayern und Württemberg

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 19 - Württemberg - Bayern

In der Shell Straßenkarte Nr.19 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Pforzheim, Stuutgart, Ulm und Augsburg dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

In diesen quer von der Donau durchströmten Landschaften, in die sich politisch Württemberg und Bayern teilen, wohnt der Stamm der Schwaben, im südlichsten Teile abgelöst durch die Alemannen. Die Karte zeigt uns überwiegend Hoch- und Bergland, als Senkungen die geräumige Ebene um den lauf des Neckars und die schon stark von Moor („Moos") durch setzte bei Augsburg beginnende Alpenvorlandschaft, dazwischen die Schwäbische Alb, im Westen den Hang des Schwarzwaldes, und als kleine Einsprengung jenes durch einen Erdeinsturz in der Tertiärzeit entstandene fruchtbare Nördlinger Ries. Im äussersten Süden ändert sich diese abwechslungsreiche Formation noch einmal in eigenartiger Weise durch das Auftreten der hochaufragenden Basalt- und Klingsteinkuppen des Hegau. Das ist das Land, welches uns die beiden großen Herrschergeschlechter der Hohenstaufen und Hohenzollern und mit Friedrich Schiller aus Marbach an der Spitze so viele Dichter beschert hat, wie kein anderer deutscher Gau. 

Schon seit der Steinzeit hat sich hier überwiegend nordisches, auch fälisches Blut mitostischem und späterdinarischem verschmolzen, es ist dann in mehreren Völkerwanderungen nordisch aufgefrischt worden, und aus dem ganzen ist jene Einheit des Schwaben geworden, die auf der ganzen Weltunverkennbar bleibt und sich überall durchzusetzen verstanden hat, ohne große Worte aber durch eine unermüdliche Arbeitssamkeit und Tüchtigkeit. Aufnahmefähig und fortschrittlich, auf der anderen Seite grüblerisch und zäh bis zum Eigensinn, von angesprochenstem Zusammengehörigheitsgefühl, welches sich in der Auswanderungszeit sogar imwilden Westen Nordamerikas und im australischen Busch meldete, dabei nichts weniger als geneigt, sich hochmütig abzuschließen, launig und nicht selten auch launisch, so scheint der schwäbische Mensch eine der geschlossensten Einheiten, welche der deutsche Boden hervorgebracht hat. Auf der einen Seite Philosoph und Dichter, bereit, alles darbend an seine Hochziele zu setzen, auf der anderen als kleiner Geschäftsmann und Zwergbauer scharf rechnend auf seinen bescheidenen Gewinn bedacht, mochte er, zumal er auch seit alten Zeiten immer im Kampf wehrhaft seinen Mann gestanden hat, fremden Völkern als die ausgeprägt deutscheste Vereinigung deutscher Eigenschaften erscheinen, so daß bis weit in den Orient die Bezeichnung Schwabe für uns Deutsche schlechthin gilt. Aber bei näherem Zusehen finden sich innerhalb des reinschwäbischen Gebietes doch wesentliche Unterschiede in der Art der Bewohner, die besonders beim Vergleich des heiteren, mehr aus sich herausgehenden Oberschwaben etwa mit dem schwerer erdgebundenen Albbauern auf fallen. Solche Verschiedenheiten mußten in langen Jahrhunderten schon die Mannigfaltigkeit der Lebensunterlage herausarbeiten. Schwaben besitzt, was den Anbau betrifft, die vielleicht größte Vielseitigkeit innerhalb der Reichsgrenzen, Obst- und Weinbau von bedeutendem Umfange, wo es die Lage ermöglicht wie am Bodensee, Weizen und Roggen, Gerste und Hafer, Dinkel und Emmer, Mais und Hopfen, Raps und Zichorie, Rüben, Kartoffeln, strichweise, wie auf den „Fildern", auch sehransehnlichenGemüsebau. Eine besondere Eigenheit ist hier die mit höchster Gewissenhaftigkeit betriebene Kleinlandwirtschaft in Verbindung mit derArbeit in der Industrie, eine Verbindung, ohne welche bei der dichten Besiedlung den kinderreichen Familien der durch die Natur benachteiligten Gegenden das leben kaum möglich wäre. An Schönheit des Städtebaues übertrifft trotz der alten Teile von Stuttgart, trotz Esslingen und Tübingen und vielen lieben kleinen Nestern der Osten den westlichen Teil durch die herrlichen Giebelhäuser von Nördlingen, durch Ulm mit seinem ragenden Münster und durch die immer noch unverblichene Großartigkeit von Augsburg.

Dagegen ist der östliche Teil reicher an erhaltenen Trachten. Schon vor den Toren Stuttgarts bieten sich köstliche Bilder, wenn die Fliederbauern Sonntags zur Kirche gehen oder am Nachmittag zum geruhsamen Gespräch am Nachbarzaunverweilen. Auch der Hohenzoller trägt noch hier und dort mit Stolz seinen blauen langen Leinenrock, während man im Schwarzwald den gelben Lederkniehosen und den blanken Silberknöpfen begegnen kann, genau wie sie vor mehr als hundert Jahren getragen wurden.

Das Wappen Württembergs ist ein viergeteilter Schild, von denen zwei Felder drei übereinander liegende schwarze Hirschstangen in Gold zeigen und zwei Felder je vier mal von Schwarz über Rot geteilt sind. Bayern führt im großen Staatswappen das blau-weiße Rautenschild, den goldenen Löwen auf schwarzem Grunde, die drei übereinanderliegenden schwarzen Löwen in Gold und die drei Silberspitzen auf rotem Felde.

 


 


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