ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL 1938 /39

SHELL Straßenkarte Nr.19 Baden-Württemberg

Maßstab 1:470.000

Hergestellt: 1938 / 1939

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Wüsten & Co., Frankfurt a.M.

Originalpreis: k.A.

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SHELL Straßenkarte Nr.19 Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ist Thema der Shell Straßenkarte Nr.19. Stuttgart, Freiburg, der Bodensee, Zürich, Mülhausen und Strassburg sind in der Karte zu finden. Eine Autobahn ist nur von Karlsruhe über Stuttgart nach Ulm für den Verkehr freigegeben. Dabei ist nur der östliche Wiesenstieg fertig gestellt. Die heutige Autobahn 5 von Karlsruhe nach Basel ist nur von Karlsruhe nach Baden-Baden geplant gewesen.

Ortsregister: Aarau (CH) - Altstätten (CH) - Baden (CH) - Baden-Baden - Basel (CH) - Bregenz - Colmar (F) - Dornbirn - Ebingen - Eßlingen - Freiburg - Freudenstadt - Friedrichshafen - Göppingen - Hagenau (F) - Kirchheim - Konstanz - Kornwestheim - Lahr - Lindau - Lörrach - Ludwigsburg - Mülhausen (F) - Offenburg - Olten (CH) - Pforzheim - Rastatt - Ravensburg - Reutlingen - Rorschach (CH) - Rottweil - Schaffhausen (CH) - Schlettstadt (F) - Schramberg - Schwenningen - Singen - St. Gallen (CH) - Strassburg (F) - Stuttgart - Tübingen - Tuttlingen - Villingen - Winterthur (CH) - Zürich (CH).


Von Land und Leuten
Baden-Württemberg


Durch den knieartig eingebogenen Schenkel des Rheinstromes gegen die
stammesgleiche Schweiz und auch gegen Frankreich abgegrenzt, wohnt
im Rahmen dieser Karte die Mehrzahl der Alemannen, die dem Deutscheu Reiche angehören. Das Gebiet erhält seine Eigenart durch den Gegensatz der
Rheinebene zu dem sie in gleichmäßigem Abstand zum Strome begleitenden Gebirge und wirkt wie das vollkommene Spiegelbild der jenseitigen elsässischen Seite, wie ja auch beide Teile durch einen einheitlichen Schöpfungsakt der Erdgeschichte entstanden sind. Aber es enthält doch sehr starke Unterschiede. Schon die Ebene ist anders längs dem pappelbestandenen Strome mit seinen schilfumrandeten Altwässern und inselartigen Auen, anders in den höheren Lagen nach dem Gebirge zu. Und dieses selbst wechselt vom Süden nach Norden zu ebenfalls die Bergformen, es reckt im Süden seine mit dem Feldberg 1490 Meter Höhe erreichenden bedeutendsten Gipfel empor und klingt nach Norden in sanftere Buntsandsteinhöhen aus. Wer aber dieses Land in allem seinem besonnten Reichtum kennenlernen will, der muß auf die zwischen der Ebene und dem Gebirge eingebaute Vorhügelzone steigen, die schon vom Urmenschen besiedelt war und wo sich die ganze Herrlichkeit des Wein- und Fruchtlandes entwickelt. 

Wiederum wird der Besucher schnell lernen, daß die Weinlagen von der Gunst des Bodens und der Lage sehr verschieden begnadet sind, und daß sich diese Unterschiede sogar in den kleinsten Teilgebieten bemerkbar machen, wie auf dem überraschend aus der Rheinebene aufwachsenden vulkanisch entstandenen Kaiserstuhl. Es ist wohl zu begreifen, daß dem Badener (las Herz aufgeht, wenn er von den Schwarzwaldgipfeln seine Heimat überschaut. Denn (las Land bietet alles, was auf deutscher Scholle überhaupt wächst und manches, was anderwärts nicht mehr gedeiht. Der oberrheinische Wärmekessel zwischen den Südvogesen und dem Breisgau brütet die größte Sommerhitze aus, die in dem Gebiet nördlich der Alpen überhaupt erreicht wird. Nicht nur die feinsten Obstsorten reifen hier, sondern in den Hausgärten sogar Feigen und Edelkastanien. Tabak und Hopfen sind bedeutende Einnahmequellen der oberrheinischen Landwirtschaft, und Mais wurde hier gezogen, längst ehe der Anbau klimatisch angepaßter Sorten in das übrige Deutschland vordrang.  

Das alemannische Bauernhaus ist nun eine Sehenswürdigkeit für sich: Fachwerk in der schönsten Ausbildung, die Balken dunkel oder farbig getönt, die Mauerfüllung weiß abgesetzt. Man kann landauf, landab gehen, keines dieser Häuser gleicht dem anderen, sondern jedes hat ein Gesicht für sich, auch ohne daß mannigfache andere Zutaten, wie die Hoftore und ihre Inschriften, dazu noch das übrige beitragen. 

Ein interessant in die Landschaft gesetzter Bau ist das vorbildliche HJ.-Heim in Würzbach (Kreis Calw), an der Straße nach Calw gelegen, das von den Architekten Uber und Burk unter Verwendung heimischer Rohmaterialien erbaut und ausgestaltet worden ist. Eine ebenso sehenswerte neuzeitliche Baugestaltung weist das HJ.-Heim in Liebenzell am Marktplatz auf, das wir jedem Interessierten zur Besichtigung empfehlen.

Außer dem Dorfhaus der Ebene und der Vorhügelzone hat sielt im Schwarzwald noch das alemannische Einzelgehöft erhalten mit seinen stattlichen und zuweilen großartig wirkenden Bauten. Aus einem Lande dieser Art war der Künstler erstanden, der das Spitzenfiligran des Freiburger Münsters ersann, und der noch größere, der den drüben von Straßburg entworfen und begonnen hat. Nicht nur die Ebene, so das sogenannte Hanauer Land um Kehl herum, sondern auch die Schwarzwaldtäler sind sehr reich an farbigen, kleidsamen Trachten, wobei die einzelnen Gebiete unschwer zu unterscheiden sind. Im württembergischen Schwarzwald ist stellenweise die Männertracht noch sehr malerisch, und überall wird hier seit langem dafür Sorge getragen, daß die vorhandenen Trachten nicht weiter in Vernachlässigung geraten.

 

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(Original-Text und Bilder)


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