ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 1 - Hamburg

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Hamburg, Schleswig-Holstein, Lübeck

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 1 - Hamburg

In der Shell Straßenkarte Nr.1 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Flensburg, Kiel, Hamburg, Lübeck, Wesermünde, Lüneburg, Harburg, Altona, Rendsburg, Neumünster und Schleswig zu finden.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Von der Elbmündung bis an die Nordgrenze des Reiches ist das Land, das wir durchfahren, urgermanischer Völkerheimatboden. Viele der über Deutschland zerstreuten Stämme sind in der Zeit, wo sich das Germanentum von den übrigen Zweigen der arischen Völkerfamilie abzuzweigen begann, hier heimisch gewesen; von hier aus zogen die Cimbern und Teutonen, um das Römerreich zu erschüttern und dann zu Grunde zu gehen, von hier aus gewannen die Angelsachsen die britischen Inseln und ein Weltreich. Stormarn, Holsten und Dithmarscher, Friesen und, nur noch in Ortsnamen und an einzelnen nicht nordischen Rasseeigentümlichkeiten erkennbar, in einem Teile des Gebietes auch Wendenmischlinge, bilden die heutige Bevölkerung. Aus diesem Blute ist auch die Stadtbevölkerung entsprossen und dem Geschlecht der königlichen Kaufleute Hamburgs merkt man seine Abkunft vom Marschbauern noch immer, nicht nur an der Statur, sondern auch an der Strenge an, die er sich im selbstgewählten Beruf auferlegt, und an der sicheren Selbsteinschätzung, mit welcher hier große Vermögen verwaltet und genutzt werden. Denn nicht nur dem Friesen, sondern auch dem Dithmarscher steckt neben der Kühnheit, die er früher auf Kriegszügen und immer im Seewesen bewies, die Freude am Handel in den Adern, und nirgends ist der Viehhändler dem tüchtigen Landwirt so gleich geachtet, wie hier. Die starke Verbundenheit mit dem bäuerlichen Stammlande der Umgebung, der Handel und die Seefahrt haben den großen Städten des Gebietes ihr Gepräge gegeben, und das Maß der Erbtüchtigkeit war so stark, daß in dem Augenblick, wo das Übergewicht der meeresbeherrschenden Geltung durch einen Wandel in der Weltwirtschaft von der Ostsee nach dem Atlantischen Ozean überging, das bis dahin kleine Hafenstädtchen Hamburg ohne weiteres in der Lage war, die Erbschaft der Vormacht der Hansa, Lübeck, seinerseits zu übernehmen.

Kiel erwuchs als Werft der deutschen Kriegsflotte, die kleineren Städte wie Flensburg und Husum tragen mit Würde alle dieselben Züge der Stammesähnlichkeit, und die Marktflecken wie Heide mit seinem gewaltigen Viehmarktplatze führen ihre Bezeichnung als nur gelegentlich zu großem Betrieb erwachende halbverträumte Ortschaften mit Recht: Sie sind lediglich auf den Bedarf und das Bedürfnis der umliegenden Dörfer und Höfe gestellte Marktplätze, wie man sie in dieser Zweckbewußtheit in keiner anderen Landschaft als noch in einigen Teilen Bayerns wiederfindet. In diese große, bis in die Bronzezeit hinaufreichende Einheitlichkeit des Gebietes haben die Natur und die Geschichte eine Fülle von unterscheidenden Zügen eingezeichnet, die dem aufmerksamen Reisenden sofort auffallen. Die fette Marsch im Westen von Schleswig-Holstein mit ihren stolzen Einzelhöfen ist das Land der adeligen Freibauern, die ihre Wappen in manchem blutigen Kampfe gegen jeden, der ihre Rechte anzutasten versucht hat, zu Ehren gebracht haben. Sie sind Viehzüchter in dem Maße, daß sie nicht einmal ihre eigenen Kartoffeln und ihr Brotgetreide selbst bauen. Im Osten auf der sandigen, hügeligen Geest wohnt ein anderes Geschlecht, das mitvorbildlichem Fleiße den Pflug führt. Die unter Führung der Ritterschaft erfolgte Wiederverdrängung der eingewanderten Slawen hat auf der Ostseite große Rittergüter hinterlassen. Der eigene Verbrauch Hamburgs und die Verproviantierung der Schiffe haben in seiner Nähe bedeutende Obst- und Gemüsebaugebiete aufkommen lassen, günstiger Boden und das Seeklima außerdem in Holstein einen großen Baumschulenbetrieb. Den alten Trachten der Vierlande und des „Alten Landes" sowie der friesischen Inseln begegnet man schon auf den Hamburger Markten. Sonst ist das ganze Gebiet eine reiche Fundgrube für volkskundliche Studien. Es begegnen sich das friesische und das niedersächsische Haus mit ihren reichen Innenausstattungen, welche auch das altbürgerliche Haus beeinflußt haben. Wie Trutzburgen ragen die „Hauberge", gewaltige Bauernhäuser mit Wohnungen, Scheunen und Ställen unter demselben Dach, auf.

Die Wappen der Hansestädte sind weiten Kreisen noch von den altdeutschen Briefmarken her bekannt. Hamburg führt die silberne dreitürmige Burg im roten Feld und Lübeck den zweiköpfigen, rot bewehrten alten Reichsadler mit einem weiß (silbern) über rot geteilten Brustschild. Schleswig-Holstein führt als Provinz die vereinigten Wappen der ehemaligen beiden Herzogtümer: Im gespaltenen Schild rechts (d. h. vom Beschauer links) in Gold zwei blaue Löwen, (Schleswig), links in Rot ein von Silber über Rot quergeteiltes Schildchen mit je drei silbernen Nageln und Nesselblattstücken.


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