SHELL Straßenkarte Nr. 1 - Hamburg
In der Shell Straßenkarte Nr.1 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie
Flensburg, Kiel, Hamburg, Lübeck, Wesermünde, Lüneburg,
Harburg, Altona, Rendsburg, Neumünster und Schleswig zu finden.
VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Von der Elbmündung bis an die Nordgrenze des Reiches ist
das Land, das wir durchfahren, urgermanischer
Völkerheimatboden. Viele der über Deutschland zerstreuten
Stämme sind in der Zeit, wo sich das Germanentum von den
übrigen Zweigen der arischen Völkerfamilie abzuzweigen
begann, hier heimisch gewesen; von hier aus zogen die
Cimbern und Teutonen, um das Römerreich zu erschüttern und
dann zu Grunde zu gehen, von hier aus gewannen die
Angelsachsen die britischen Inseln und ein Weltreich.
Stormarn, Holsten und Dithmarscher, Friesen und, nur noch in
Ortsnamen und an einzelnen nicht nordischen
Rasseeigentümlichkeiten erkennbar, in einem Teile des
Gebietes auch Wendenmischlinge, bilden die heutige
Bevölkerung. Aus diesem Blute ist auch die Stadtbevölkerung
entsprossen und dem Geschlecht der königlichen Kaufleute
Hamburgs merkt man seine Abkunft vom Marschbauern noch
immer, nicht nur an der Statur, sondern auch an der Strenge
an, die er sich im selbstgewählten Beruf auferlegt, und an
der sicheren Selbsteinschätzung, mit welcher hier große
Vermögen verwaltet und genutzt werden. Denn nicht nur dem
Friesen, sondern auch dem Dithmarscher steckt neben der
Kühnheit, die er früher auf Kriegszügen und immer im
Seewesen bewies, die Freude am Handel in den Adern, und
nirgends ist der Viehhändler dem tüchtigen Landwirt so
gleich geachtet, wie hier. Die starke Verbundenheit mit dem
bäuerlichen Stammlande der Umgebung, der Handel und die
Seefahrt haben den großen Städten des Gebietes ihr Gepräge
gegeben, und das Maß der Erbtüchtigkeit war so stark, daß in
dem Augenblick, wo das Übergewicht der meeresbeherrschenden
Geltung durch einen Wandel in der Weltwirtschaft von der
Ostsee nach dem Atlantischen Ozean überging, das bis dahin
kleine Hafenstädtchen Hamburg ohne weiteres in der Lage war,
die Erbschaft der Vormacht der Hansa, Lübeck, seinerseits zu
übernehmen.
Kiel erwuchs als Werft der deutschen Kriegsflotte, die
kleineren Städte wie Flensburg und Husum tragen mit Würde
alle dieselben Züge der Stammesähnlichkeit, und die
Marktflecken wie Heide mit seinem gewaltigen Viehmarktplatze
führen ihre Bezeichnung als nur gelegentlich zu großem
Betrieb erwachende halbverträumte Ortschaften mit Recht: Sie
sind lediglich auf den Bedarf und das Bedürfnis der
umliegenden Dörfer und Höfe gestellte Marktplätze, wie man
sie in dieser Zweckbewußtheit in keiner anderen Landschaft
als noch in einigen Teilen Bayerns wiederfindet. In diese
große, bis in die Bronzezeit hinaufreichende Einheitlichkeit
des Gebietes haben die Natur und die Geschichte eine Fülle
von unterscheidenden Zügen eingezeichnet, die dem
aufmerksamen Reisenden sofort auffallen. Die fette Marsch im
Westen von Schleswig-Holstein mit ihren stolzen Einzelhöfen
ist das Land der adeligen Freibauern, die ihre Wappen in
manchem blutigen Kampfe gegen jeden, der ihre Rechte
anzutasten versucht hat, zu Ehren gebracht haben. Sie sind
Viehzüchter in dem Maße, daß sie nicht einmal ihre eigenen
Kartoffeln und ihr Brotgetreide selbst bauen. Im Osten auf
der sandigen, hügeligen Geest wohnt ein anderes Geschlecht,
das mitvorbildlichem Fleiße den Pflug führt. Die unter
Führung der Ritterschaft erfolgte Wiederverdrängung der
eingewanderten Slawen hat auf der Ostseite große Rittergüter
hinterlassen. Der eigene Verbrauch Hamburgs und die
Verproviantierung der Schiffe haben in seiner Nähe
bedeutende Obst- und Gemüsebaugebiete aufkommen lassen,
günstiger Boden und das Seeklima außerdem in Holstein einen
großen Baumschulenbetrieb. Den alten Trachten der Vierlande
und des „Alten Landes" sowie der friesischen Inseln begegnet
man schon auf den Hamburger Markten. Sonst ist das ganze
Gebiet eine reiche Fundgrube für volkskundliche Studien. Es
begegnen sich das friesische und das niedersächsische Haus
mit ihren reichen Innenausstattungen, welche auch das
altbürgerliche Haus beeinflußt haben. Wie Trutzburgen ragen
die „Hauberge", gewaltige Bauernhäuser mit Wohnungen,
Scheunen und Ställen unter demselben Dach, auf.
Die Wappen der Hansestädte sind weiten Kreisen noch von
den altdeutschen Briefmarken her bekannt. Hamburg führt die
silberne dreitürmige Burg im roten Feld und Lübeck den
zweiköpfigen, rot bewehrten alten Reichsadler mit einem weiß
(silbern) über rot geteilten Brustschild. Schleswig-Holstein
führt als Provinz die vereinigten Wappen der ehemaligen
beiden Herzogtümer: Im gespaltenen Schild rechts (d. h. vom
Beschauer links) in Gold zwei blaue Löwen, (Schleswig),
links in Rot ein von Silber über Rot quergeteiltes
Schildchen mit je drei silbernen Nageln und
Nesselblattstücken.