SHELL Straßenkarte Nr. 20 - Oberbayern
In der Shell Straßenkarte Nr.20 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie
Ingolstadt, Regensburg, Straubing, Passau, Landshut,
München, Salzburg zu finden.
VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Wenn die Altbayern sich als einen Schlag besonderer Art
betrachten, so hat ihnen die neuzeitliche Rassenforschung
ganz recht gegeben. Denn kein deutscher Stamm hat einen so
hohen Bestandteil an Binarischem Blute aufzuweisen wie sie.
Die späte Verkehrserschließung des Landes und die
Seßhaftigkeit, die es ermöglicht, daß hier wie sonst nur in
wenigen friesischen und niedersächsischen Strichen einzelne
Bauerngeschlechter seit einem vollen Jahrtausend auf ihren
Höfen sitzen, macht Bayern besonders anziehend für
Besiedelungsstudien. Man kann genau beobachten, wie neben
der Binarisch-nordischen Mischung überwiegend ostisch
bewohnte Gebiete erhalten geblieben sind, und man kann auch
den Zug der blonden, hochgewachsenen Bajuvaren, die auf
diesem Wege in die
übrigen Alpenländer vorgedrungen sind, in einzelnen Dörfern
genau verfolgen. Eine bekannte Beobachtung ist die oft
auffallende Verschiedenheit der Männer und Frauen, die sich
aus dieser Blutmischung ergeben hat. Neben den kräftig
wirkenden Männern, die ihr Wesen durch gleiches Auftreten
noch betonen, erscheinen die Frauen zuweilen sehr klein, und
doch gehört das Paar zusammen, und die Kinder werden
derselbe gute Schlag. Zu den Eigenheiten, welche das
dinarische Blut dem Stamme verliehen hat, gehört die mit
einer lauten, gesunden Selbstverständlichkeit zur Schau
getragene Freude an der eigenen Art, die dieser Freude auch
wohl wert ist.
Denn der Bayer hat eine Reihe von ihn besonders
auszeichnenden Zügen aufzuweisen, zu deren schönsten die
hier nicht auf einzelne beschränkte
sondern wirklich volkstümliche Kunstempfänglichkeit gehört.
Bis auf die letzte Alm findet man Meister im Zitherspiel und
Jodelgesang, der Volkstanz ist hier überall zu finden, das
dörfliche Schauspiel hat sich in der berühmten
Oberammergauer Passion besonders schön erhalten. Nirgend hat
man so wie hier die Überzeugung, daß die bauliche Pracht des
Barocks wirklich in die damit geschmückte ländliche Kirche
oder Feldkapelle gehört; und nicht umsonst ist München das
„Isar-Athen"
der deutschen Malerei geworden, und Bayern wie Spitzweg und
Lenbach zählen zu den größten neueren deutschen Meistern.
Denn auch der ländliche Hausrat muß mit Schnitzwerk und
Malerei verziert werden, die Herrgottschnitzer bilden eine
eigene handwerkliche Gilde im dörflichen Lebenskreis und
finden ebensowohl ihr Auskommen aus dem schmalen Beutel des
Landwirtes, wie der Maler, der die Wände des
Hochgebirgshofes mit farbenfrohen Schilderungen versieht,
oft großen
Sehenswürdigkeiten für den Fremden. Daß aber die
Lebensfreude zu weilen so laut werden will, hat seinen Grund
in der Geschichte des Stammes, der in alter Zeit auf der
südöstlichen Grenzwacht gegen die Feinde des Reiches
gefochten und geblutet hat bis zur großen Völkerschlacht auf
dem Lechfelde und der im rauhen Hochgebirge täglich den Tod
vor Augen hat, woran die vielen Marterln gemahnen.
Dabei zwingt die Natur zu dünner Besiedlung. Industrie
kann neben mehr handwerklicher Holzverarbeitung aus Mangel
an Rohstoffen und Verkehrsmitteln kaum aufkommen. So war die
Erhaltung der Bodenständigkeit trotz des bedeutenden
Fremdenverkehrs, den die Neuzeit brachte, auf das beste
gewährleistet.
Daran hat auch das schnelle Wachstum von München nichts
ändern können, das seine Einwohnerschaft im laufe eines
Jahrhunderts durch vielfach nicht bajuvarischen Zuzug
versiebenfacht hat und doch immer die echt bayerische
Hauptstadt geblieben ist.
Neben seinem klassizistischen Umriß tritt die romantische
Erscheinung Regensburgs und in südlich wirkender Anmut die
Nibelungenstadt Passau vor den Kreis der malerisch -
verwinkelten kleineren Städte. Wie im ländlichen Hausbau
so ist Bayern auch in seinen Trachten, die hier noch
allgemeines Volksgut sind und keiner künstlichen
Unterhaltung bedürfen, ganz von eigener, selbständiger Art.
- Das bayerische Wappen ist ein viergeteilter Schild und
führt im linken oberen Feld
das bekannte blau-weiße (silberne) Rautenschild, rechts oben
sehen wir einen aufgerichteten goldenen, rotbewehrten Löwen
auf schwarzem Grunde, während im dritten Felde drei
übereinanderliegende schwarze, rotbewehrte Löwen auf
goldenem Grunde stehen. Das vierte Feld zeigt drei
aufsteigende Silberspitzen auf rotem Grunde.