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HAUPTSEITE - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 20 - Oberbayern

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Bayern

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 20 - Oberbayern

In der Shell Straßenkarte Nr.20 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Ingolstadt, Regensburg, Straubing, Passau, Landshut, München, Salzburg zu finden.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Wenn die Altbayern sich als einen Schlag besonderer Art betrachten, so hat ihnen die neuzeitliche Rassenforschung ganz recht gegeben. Denn kein deutscher Stamm hat einen so hohen Bestandteil an Binarischem Blute aufzuweisen wie sie. Die späte Verkehrserschließung des Landes und die Seßhaftigkeit, die es ermöglicht, daß hier wie sonst nur in wenigen friesischen und niedersächsischen Strichen einzelne Bauerngeschlechter seit einem vollen Jahrtausend auf ihren Höfen sitzen, macht Bayern besonders anziehend für Besiedelungsstudien. Man kann genau beobachten, wie neben der Binarisch-nordischen Mischung überwiegend ostisch bewohnte Gebiete erhalten geblieben sind, und man kann auch den Zug der blonden, hochgewachsenen Bajuvaren, die auf diesem Wege in die
übrigen Alpenländer vorgedrungen sind, in einzelnen Dörfern genau verfolgen. Eine bekannte Beobachtung ist die oft auffallende Verschiedenheit der Männer und Frauen, die sich aus dieser Blutmischung ergeben hat. Neben den kräftig wirkenden Männern, die ihr Wesen durch gleiches Auftreten noch betonen, erscheinen die Frauen zuweilen sehr klein, und doch gehört das Paar zusammen, und die Kinder werden derselbe gute Schlag. Zu den Eigenheiten, welche das dinarische Blut dem Stamme verliehen hat, gehört die mit einer lauten, gesunden Selbstverständlichkeit zur Schau getragene Freude an der eigenen Art, die dieser Freude auch wohl wert ist.

Denn der Bayer hat eine Reihe von ihn besonders auszeichnenden Zügen aufzuweisen, zu deren schönsten die hier nicht auf einzelne beschränkte
sondern wirklich volkstümliche Kunstempfänglichkeit gehört. Bis auf die letzte Alm findet man Meister im Zitherspiel und Jodelgesang, der Volkstanz ist hier überall zu finden, das dörfliche Schauspiel hat sich in der berühmten Oberammergauer Passion besonders schön erhalten. Nirgend hat man so wie hier die Überzeugung, daß die bauliche Pracht des Barocks wirklich in die damit geschmückte ländliche Kirche oder Feldkapelle gehört; und nicht umsonst ist München das „Isar-Athen"
der deutschen Malerei geworden, und Bayern wie Spitzweg und Lenbach zählen zu den größten neueren deutschen Meistern. Denn auch der ländliche Hausrat muß mit Schnitzwerk und Malerei verziert werden, die Herrgottschnitzer bilden eine eigene handwerkliche Gilde im dörflichen Lebenskreis und finden ebensowohl ihr Auskommen aus dem schmalen Beutel des Landwirtes, wie der Maler, der die Wände des Hochgebirgshofes mit farbenfrohen Schilderungen versieht, oft großen
Sehenswürdigkeiten für den Fremden. Daß aber die Lebensfreude zu weilen so laut werden will, hat seinen Grund in der Geschichte des Stammes, der in alter Zeit auf der südöstlichen Grenzwacht gegen die Feinde des Reiches gefochten und geblutet hat bis zur großen Völkerschlacht auf dem Lechfelde und der im rauhen Hochgebirge täglich den Tod vor Augen hat, woran die vielen Marterln gemahnen.

Dabei zwingt die Natur zu dünner Besiedlung. Industrie kann neben mehr handwerklicher Holzverarbeitung aus Mangel an Rohstoffen und Verkehrsmitteln kaum aufkommen. So war die Erhaltung der Bodenständigkeit trotz des bedeutenden Fremdenverkehrs, den die Neuzeit brachte, auf das beste gewährleistet.
Daran hat auch das schnelle Wachstum von München nichts ändern können, das seine Einwohnerschaft im laufe eines Jahrhunderts durch vielfach nicht bajuvarischen Zuzug versiebenfacht hat und doch immer die echt bayerische Hauptstadt geblieben ist.

Neben seinem klassizistischen Umriß tritt die romantische Erscheinung Regensburgs und in südlich wirkender Anmut die Nibelungenstadt Passau vor den Kreis der malerisch - verwinkelten kleineren Städte. Wie im ländlichen Hausbau so ist Bayern auch in seinen Trachten, die hier noch allgemeines Volksgut sind und keiner künstlichen Unterhaltung bedürfen, ganz von eigener, selbständiger Art. - Das bayerische Wappen ist ein viergeteilter Schild und führt im linken oberen Feld
das bekannte blau-weiße (silberne) Rautenschild, rechts oben sehen wir einen aufgerichteten goldenen, rotbewehrten Löwen auf schwarzem Grunde, während im dritten Felde drei übereinanderliegende schwarze, rotbewehrte Löwen auf goldenem Grunde stehen. Das vierte Feld zeigt drei aufsteigende Silberspitzen auf rotem Grunde.


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