ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 2 - Mecklenburg - Vorpommern

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Mecklenburg und Pommern

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 2 - Mecklenburg - Vorpommern

In der Shell Straßenkarte Nr.2 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Rostock, Stralsund, Neu Brandenburg, Schwerin und die Insel Rügen zu finden.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Mecklenburg und Vorpommern bilden eine schon in ferner Urzeit bedingte Einheit, die sich trotz einiger geologisch und geschichtlich geschaffener Verschiedenheiten dem Reisenden stark einprägt. An malerischen Reizen ist das Gebiet überreich. Die mecklenburgische Seenplatte mit der dichtesten Anhäufung von Binnenwässern, die wir auf deutschem Boden besitzen, ist bei aller Gleichartigkeit der von Schilf und Buchenwäldern umkränzten Ufer unerschöpflich an unverbildeten Schönheiten. Die Müritz führt ihren Namen als Binnenmeer mit vollem Recht, daran zweifelt niemand, der ihre Brandung einmal vom Sturm aufgepeitscht gesehen hat. Rügen, das sich mit seinen lichtgrün eingerahmten silbernen Kreideklippen aus der blauen Ostsee als die schönste unter allen unseren Inseln erhebt, birgt einen wundervollen Schatz an sagenumwobenen Denkmälern der Vergangenheit, Ringwälle und Hünengräber. 

Aber auch die scheinbar flache Ebenenlandschaft, welche die Gletscherzeit so geformt hat, wie wir sie heute sehen, ist trotz ihrer geringen Höhenunterschiede durch die Gegenwirkung des hochgespannten Himmelsbogens von so bedeutender malerischer Kraft, daß hier zwei der größten Entdecker der norddeutschen Landschaft, die Maler Kaspar David Friedrich und Philipp Otto Runge, erwachsen konnten. Dazu tritt die stolze Pracht der alten Hansa- und Ordensritterbauten mit ihrer hier am reichsten ausgebildeten Backsteingotik: Städte wie Wismar und Rostock, Greifswald und Güstrow, Fritz Reuters Heimat Neu-Brandenburg mit einem wehrhaften Torbau, der seinesgleichen nur in Lübeck hat, und dazu viele kleinere, die kein Reiseführer mit einem Stern versehen hat und die doch das überraschte Entzücken des Reisenden erwecken. Sie alle überstrahlt freilich die Perle dieses Gebietes, Stralsund, das zwischen Meer und Teichen geborgen einem Wallenstein widerstehen konnte und drei mächtige Dome emporredkt, deren jeder einzelne genügen würde, um den unvergänglichen Ruhm eines tatkräftigen Bürgertums zu verkünden. Aus anderem Geiste gewachsen sind die fürstlichen Hauptstädte, die kleine Residenz Neu-Strelitz und das blanke, saubere Schwerin, das sich mit dem türmereichen Schloß und dem ernsten Dom Heinrichs des Löwen in seinem See spiegelt, der über 60 Quadratkilometer groß ist. Aber es klafft doch eine weite Lücke zwischen den Schöpfungen des Mittelalters und den Siedlungsdörfern, in deren Anlage Mecklenburg in den letzten Jahren in mancher Hinsicht führend geworden ist. Was dazwischen liegt, ist die auffallende Entwicklung des Großgrundbesitzes mit seinen heute oft schloßartigen Gutshöfen und zahlreichen Nebengebäuden.

Wir sind hier in altgermanischem Stammland. Der Boden liefert bronzezeitliche Funde von gleicher Art und Ausgestaltung wie das südliche Skandinavien. Aber später zogen die germanischen Stämme teilweise ab und überließen das Land der slawischen Oberwanderung.

Im 12. Jahrhundert begann die Wiedereindeutschung dann mit restlosem Erfolg. Indessen wurde das tüchtige Bauerntum und jenes Bürgertum, welches die Türme der Stadttore und Hochkirchen aufgerichtet hat, von den großgrundbesitzenden Standesherren fast ganz überschattet, deren Kämpfe um ihre Vorrechte jahrhundertelang die Blätter der Landesgeschichte annähernd ausschließlich gefüllt haben. Viele, die etwas werden wollten, sind zu der Zeit in die Fremde gegangen, und das war auch das Schicksal Ernst Moritz Arndts, des Sängers der Freiheit, dessen Vater noch als leibeigener geboren war und der sein Leben lang für die Bauernbefreiung gekämpft hat, die jetzt endlich von der nationalen Regierung vollendet worden ist. Die schönsten Trachten des Gebietes weist die Halbinsel Mönchgut auf Rügen auf. In Mecklenburg ist die Wiederbelebung der alten Trachten heute in vollem Gange. - Das Grundwappen der beiden jetzt vereinigten Mecklenburg ist der schwarze Stier- (Auerochsen-) Kopf im goldenen Felde. Pommern führt den roten Greifen im silbernen Schilde.


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