SHELL Straßenkarte Nr. 2 Mecklenburg-Westpommern
In der Shell Straßenkarte
Nr.2 aus dem Zeitraum von 1939
sind Städte wie Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald,
Prenzlau, Schwerin und Wittenberge in der Karte dargestellt.
Schon zu diesem Zeitpunkt wurde eine Autobahn von Hamburg
nach Berlin durch das Gebiet geplant. Realisiert wurde diese
Autobahn erst 30 Jahre später.
Von Land und Leuten
Mecklenburg - Westpommern
(Original Text aus der Shell-Straßenkarte)
Mecklenburg und Westpommern bilden eine schon in ferner
Zeit bedingte Einheit, die sich trog einiger geologisch und
geschichtlich geschaffener Verschiedenheiten dem Reisenden
stark einprägt. An malerischen Reizen ist das Gebiet
überreich. Die mecklenburgische Seenplatte mit der
dichtesten Anhäufung von Binnenwässern, die wir auf
deutschem Boden besitzen, ist hei aller Gleichartigkeit der
von Schilf und Buchenwäldern umkränzten Ufer
unerschöpflich an unverbildeten Schönheiten. Die Müritz
führt ihren Namen als Binnenmeer mit vollem Recht, daran
zweifelt niemand, der ihre Brandung einmal vom Sturm
aufgepeitscht gesehen hat. Rügen, das sich mit seinen
lichtgrün eingerahmten silbernen Kreideklippen aus der
blauen Ostsee erhebt, birgt einen wundervollen Schab an
sagenumwobenen Denkmälern der Vergangenheit, Ringwälle und
Hünengräber.
Aber auch die scheinbar flache Ebenenlandschaft, welche
die Gletscherzeit so geformt hat, wie wir sie heute sehen,
ist trog ihrer geringen Höhenunterschiede durch die
Gegenwirkung des hochgespannten Himmelsbogens von so
bedeutender malerischer Kraft, daß hier zwei der größten
Entdecker der norddeutschen Landschaft, die Maler Kaspar
David Friedrich und Philipp Otto Runge, erwachsen konnten,
Dazu tritt die stolze Pracht der alten Hansa- und Ordensritterbauten
mit ihrer hier am reichsten ausgebildeten Backsteingotik:
Städte wie Wismar und Rostock. Greifswald und Güstrow. Fritz
Reuters Heimat Neu-Brandenburg mit einem wehrhaften Torbau,
der seinesgleichen nur in Lübeck hat, und dazu viele
kleinere, die kein Reiseführer mit einem Stern versehen hat
und die doch das überraschte Entzücken des Reisende»
erwecken. Sie alle überstrahlt freilich die Perle dieses
Gebietes, Stralsund, das zwischen Meer und Teichen geborgen
einem Wallenstein widerstehen konnte und drei mächtige Dome
emporreckt, deren jeder einzelne genügen würde, um den
unvergänglichen Ruhm eines tatkräftigen Bürgertums zu
verkünden. Aus anderem Geiste gewachsen sind die
fürstlichen Hauptstädte, die kleine Residenz Neu-Streliz
und das blanke, saubere Schwerin, das sich mit dem
türmereichen Schloß und dem ernsten Dom Heinrich. des
Löwen in seinem See spiegelt, der über 60 Quadratkilometer
groß ist. Aber es klafft doch eine weite Lücke zwischen
den Schöpfungen des Mittelalters und den Siedlungsdörfern,
in deren Anlage Mecklenburg in den letzten Jahren in mancher
Hinsicht führend geworden ist. Während früher noch der
Großgrundbesitz das Bild beherrschte, steht heute im
Vordergrund der Bauer und Siedler. Mecklenburg ist
ausgesprochenes Bauernland und germanisches Stammland. Hier
wurden die Versuche der slawichen Völkerschaften, mit
germanischer Bezeichnung „Wenden" genannt, Fuß zu
fassen, immer wieder erfolgreich zurückgeschlagen. Um 1200
riefen nach schweren Kriegszeiten einheimische Fürsten
deutsche Siedler aus Sachsen, Westfalen und vom Niederrhein
und nun begann ein planmäßiger Aufbau. 1419 wurde die
Universität Rostock gegründet, nun geistiger und
kultureller Mittelpunkt.
Der Dreißigjährige Krieg und die Franzosenzeit brachte
wieder viel Leid ins Land, doch um 1820 folgte die Zeit des
neuen Aufbaues, nachdem die Leibeohemschaft der Bauern
aufgehoben war. Bronzezeitliche Funde sind von gleicher Art
und Ausgestaltung wie die im südlichen Skandinavien. Die
schönsten Trachten des Gebietes weist die Halbinsel Mönchgut
auf Rügen auf. Auf der Insel Rügen ist auch das riesige
KdF.-Seebad, das übrigens für diejenigen Besucher
Deutschlands als Musterbeispiel dienen kann, welche moderne
deutsche Förderung der Gesundheitspflege und
Freizeitgestaltung studieren wollen. In Mecklenburg ist die
Wiederbelebung der alten Trachten in vollem Gange.