VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Die Stadt Stettin ist bei weitem Pommerns größte Siedlung und die ganz unbestrittene Hauptstadt, mit ihrem Theater- und Musikleben, ihren Geschäftshäusern und ihren Museen; nur zwei Stunden Schnellzugfahrt von Berlin entfernt und durch den Großschiffahrtsweg seit zwei Jahrzehnten mit der Reichshauptstadt verbunden, dennoch von eigenem, pommerschen Wesen und selbständiger Haltung, die sie auch in den für sie schweren Jahren des industriellen Rückganges nach dem Kriege zu bewahren verstanden hat. Wer indessen das gesunde und um die deutsche Gesamtvolksernährung hochverdiente Agrarland Pommern ganz kennen lernen will, der muß auch die kleineren Städte und vor allem das Land mit seinen Gutshöfen und Dörfern besuchen. Mehr als 70 vom Hundert des gesamten Bodens wird landwirtschaftlich genutzt und ein Fünftel ist von Wald bedeckt, der namentlich um das von der Odermündung gebildete Haff und auf dem Höhenrücken vorherrscht. Die großen Oberschüsse an Getreide, Kartoffeln, Vieh und tierischen Erzeugnissen, welche die Provinz ausführt, werden dem übrigens sehr verschieden gestalteten und nicht einheitlich fruchtbaren Boden mit vorbildlich zähem Fleiß abgerungen. Jeder landwirtschaftliche Fortschritt, so die Grünlandwirtschaft auf Moor in der musterhaften Versuchswirtschaft der Landwirtschaftskammer in Neu-Hammerstein, findet hier angeregteste Förderung. In der Frühzeit war das Land von germanischen Stämmen besiedelt, die in der Völkerwanderung nur teilweise abgerückt sind und den Slawen knappen Raum zum Eindringen gegeben haben. Schon Karl der Große rückte vorübergehend wieder bis zur Peene vor, später versuchte Polen vergeblich das ganze Stück östlich der Oder an sich zu reißen. Im zwölften Jahrhundert schlossen sich die Pommernherzöge bereits an das Deutsche Reich an, und die Eindeutschung, gestützt von deutschen Siedlern aus verschiedenen Gauen, erfolgte rest- und reibungslos. Durch verwandtschaftliche Beziehungen und Erbverträge trat das Herrscherhaus in nahe Verbindung zu den Brandenburger Kurfürsten, die ihre Ansprüche aber erst nach langen Kämpfen gegen die Schweden und unter Widerstand des in die inneren deutschen Angelegenheiten eingreifenden Frankreich durchsetzen konnten.
Der Pommer selbst hat sich in allen Zeiten mit Recht als der kernhafte Vertreter eines preußischen und deutschen Stammlandes gefühlt, und er hat als Offizier und einfacher Soldat stets dem lob seiner Treue Ehre gemacht, welches ihm Friedrich der Große und Bismarck gespendet haben. Wenn man Pommern in erster Linie immer als Agrarland würdigen lernt, darf man doch den anderen Teil seiner Bewohner nicht vergessen, die Fischer und Schiffer. Nicht umsonst führt es seinen Namen po morn, „längs des Meeres", denn es verfügt über eine lange Küstenlinie, die mit einer Reihe unserer beliebtesten Seebäder wie Zinnowitz, Heringsdorf, Ahlbeck, Swinemünde, Misdroy usw. besetzt ist. Auf der Festlands-Küste entwickeln Kotberg, gleichzeitig durch seine Solbäder beliebt, und Rügenwalde, wo die pommersche Feimschmeckerei der geräucherten Gänsebrüste zu Hause ist, ei gut bürgerliches Badeleben. Ein vielseitiges Hafentreiben herrsch auf der Marinestation Swinemünde, ferner in Stettin, de großen Aus- und Einfallstor für den Seeverkehr mit Rügen Skandinavien und neuerdings mit Ostpreußen, Memel und de Baltikum. Neben den großen Personen-Frachtdampfern ist der Verkehr von Seglern aller Größen bemerkenswert, und ein Blick von Stettins eindrucksvoller Hakenterrasse auf den Mastenwal des Segelschiffhafens gehört ebenso zu den hier zu genießenden Sehenswürdigkeiten wie die kleinen Segelboote die ihre Rolle in der Marktversorgung der großen Verbraucherstadt spielen. Wer verführt durch die Überreste von slawischen Orts- und gelegentlich Familiennamen einen stark ostischen Einschlag im Antlitz und Wesen der Bevölkerung erwartet, ist schnell davon überzeugt, daß im Gegenteil hier bestes nordisches Blut vorherrscht.
In dem gesegneten, immer rein deutsch-besiedelten Pyritze Weizacker haben sich mit die schönsten deutschen trachten und wunderschöner alt-bäuerlicher Hausraterhalten. Seit einigen Jahren ist das pommersche Junglandvolk am Werke, sich eine neu standesbewußte Tracht zu schaffen, die infolge ihrer Kleidsamkeit und praktischen Brauchbarkeit schnell Eingang findet. Auch bei der Fischerbevölkerung trifft man noch gute alte Tracht. - Das Wappen Pommerns ist der rote Greif im silbernen Schilde.