ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 5 - Ostpreußen

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Ostpreußen

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 5 - Ostpreußen

In der Shell Straßenkarte Nr.5 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Königsberg, Tilsit, Insterburg, Gumbinnen, Rastenburg, Allenstein, Osterode, Ortelsburg dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)


Ostpreußen, ein Land, das innerhalb der deutschen Gaue eine ganz besondere Eigenart aufweist und danach seine Bewohner gestaltet hat. Herrliche, urwaldhafte Wälder, - wer könnte je den Zauber von Rudczanny vergessen! wildreiche Heiden, für die Romfinten ein königlich-weidmännischer Begriff geworden ist, fischreiche Seen, die in den Krebsmonaten das leckere Krustentier scheffelweise als Volksnahrung liefern, eine hockentwickelte Tierzucht, für welche das Gestüt Trakehnen und die Palmnicker Rekordkuh Quappe bürgen. Dazu die malerische samländische Bäder- und Bernsteinküste, die Nehrung mit ihren Wanderdünen und dem letzten Vorkommen des urzeitlichen Elches, das sind Vorstellungen, die sich bei der Erinnerung an Ostpreußen vordrängen.

Aber daß Ostpreußen ein so bedeutendes und für das ganze Reich wichtiges landwirtschaftliches Erzeugungsland geworden ist, verdankt es mehr der Tüchtigkeit seiner Bewohner als der Gunst der Vorbedingungen. Bei stärkstem Hinstreben zum Reich, bei einem vorbildlich entwickelten Verantwortungsgefühl gegenüber der Nation, hat der Ostpreuße durch seine Geschichte doch längst gelernt, daß er vor allem sich aus eigener Kraft helfen und sich so behaupten muß. Hier bildete sich in der Bronzezeit der Kern des Ostgermanentums aus, aber es erfolgte während der Völkerwanderung ein Abzug in solchem Umfange, daß die eindringende ostbaltisch-nordische Mischbevölkerung und die von der Weichset her einziehenden Slawen eine ziemlich menschenleere Gegend vorgefunden haben müssen.

Die mittelalterliche Rückwanderung deutscher Siedler wurde seit dem dreizehnten Jahrhundert von dem Deutschen Ritterorden in staatsmännischer Überlegenheit so geleitet, daß zunächst das an die Weichselniederung anschließende Gebiet, die Haffküste und das Memeldreieck eingedeutscht wurden, während der Orden die Absicht hatte, das Niederungsland um die Seenplatte unbesiedelt und ungangbar als Schutz gegen die immer drohenden polnischen Einfälle zu belassen. Hier hat die deutsche Besiedlung und die Urbarmachung am spätesten begonnen, was sich im Wesen von Landschaft und Menschen auch deutlich wiederspiegelt. Planmäßig hat der Orden Kriegsmänner, Kaufleute, Handwerker, und nach Möglichkeit Bauern herangezogen. Der Herkunft nach war die überwiegende Menge der Siedler Niedersachsen, zu ihnen kamen Niederländer, im Erm- und Kulmer-Lande Thüringer und Franken; auch Oberdeutsche wirkten mit. Lange Kämpfe und Kriege hatten diese schnell zu einem einheitlichen Stamme zusammengewachsene Bevölkerung stark zusammenschmelzen lassen, als zu ihnen die aus ihrer Heimat vertriebenen evangelischen Salzburger kamen, deren blutsmäßiger Anteil an der Gesamtzusammensetzung gar nicht gering zu veranschlagen ist.

Entgegen weit verbreiteten Anschauungen überwiegt in der Besitzverteilung durchaus die bäuerliche Wirtschaft, nicht der Großgrundbesitz. Doch hat auch er hier hervorragende Leistungen vollbracht und führende Männer erzogen. Man denke nur an seinen Anteil bei der Erhebung von 1813 und an Hindenburg, der gemeinsamn mit Ludendorff den Namen Tannenberg zum höchsten Ruhme erhoben hat. Ostpreußen hat aus sich heraus eine Gattung von Kleinstadt geschaffen, die oft nach außen wenig Sehenswertes zeigt, in der es sich aber wohl leben läßt. Das gerade, kernige, dabei doch gemütliche Wesen hat auch die Hauptstadt Königsberg, die als Sitz eines aufgeweckten Bildungstriebes seines größten Sohnes Kant immer wert und eingedenk geblieben ist. Als eine so große Handels- und Industriestätte mit regem Durchgangsverkehr, hat sich Ostpreußens Hauptstadt erstaunlich viel innere Sauberkeit und geradlinige Zielstrebigkeit bewahrt. Was in Ostpreußen an Trachten erhalten ist, geht mehr nach praktischem Wert als malerischer Wirkung, und in gewissem Sinne darf man sogar den unentbehrlichen Winterpelz als ein hier zuständiges Trachtenstück bezeichnen. - Das Wappen Ostpreußens ist der schwarze Adler mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln im silbernen Felde.

 


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