SHELL Straßenkarte Nr.
5 - Ostpreußen
In der Shell Straßenkarte Nr.5 aus dem Zeitraum
von 1934 und 1935 sind Städte wie Königsberg, Tilsit, Insterburg, Gumbinnen,
Rastenburg, Allenstein, Osterode, Ortelsburg dargestellt.
VON LAND UND LEUTEN (Original Text)
Ostpreußen, ein Land, das innerhalb der deutschen Gaue eine ganz besondere
Eigenart aufweist und danach seine Bewohner gestaltet hat. Herrliche,
urwaldhafte Wälder, - wer könnte je den Zauber von Rudczanny vergessen!
wildreiche Heiden, für die Romfinten ein königlich-weidmännischer Begriff
geworden ist, fischreiche Seen, die in den Krebsmonaten das leckere
Krustentier scheffelweise als Volksnahrung liefern, eine hockentwickelte
Tierzucht, für welche das Gestüt Trakehnen und die Palmnicker Rekordkuh
Quappe bürgen. Dazu die malerische samländische Bäder- und Bernsteinküste,
die Nehrung mit ihren Wanderdünen und dem letzten Vorkommen des urzeitlichen
Elches, das sind Vorstellungen, die sich bei der Erinnerung an Ostpreußen
vordrängen.
Aber daß Ostpreußen ein so bedeutendes und für das ganze Reich wichtiges
landwirtschaftliches Erzeugungsland geworden ist, verdankt es mehr der
Tüchtigkeit seiner Bewohner als der Gunst der Vorbedingungen. Bei stärkstem
Hinstreben zum Reich, bei einem vorbildlich entwickelten
Verantwortungsgefühl gegenüber der Nation, hat der Ostpreuße durch seine
Geschichte doch längst gelernt, daß er vor allem sich aus eigener Kraft
helfen und sich so behaupten muß. Hier bildete sich in der Bronzezeit der
Kern des Ostgermanentums aus, aber es erfolgte während der Völkerwanderung
ein Abzug in solchem Umfange, daß die eindringende ostbaltisch-nordische
Mischbevölkerung und die von der Weichset her einziehenden Slawen eine
ziemlich menschenleere Gegend vorgefunden haben müssen.
Die mittelalterliche Rückwanderung deutscher Siedler wurde seit dem
dreizehnten Jahrhundert von dem Deutschen Ritterorden in staatsmännischer
Überlegenheit so geleitet, daß zunächst das an die Weichselniederung
anschließende Gebiet, die Haffküste und das Memeldreieck eingedeutscht
wurden, während der Orden die Absicht hatte, das Niederungsland um die
Seenplatte unbesiedelt und ungangbar als Schutz gegen die immer drohenden
polnischen Einfälle zu belassen. Hier hat die deutsche Besiedlung und die
Urbarmachung am spätesten begonnen, was sich im Wesen von Landschaft und
Menschen auch deutlich wiederspiegelt. Planmäßig hat der Orden Kriegsmänner,
Kaufleute, Handwerker, und nach Möglichkeit Bauern herangezogen. Der
Herkunft nach war die überwiegende Menge der Siedler Niedersachsen, zu ihnen
kamen Niederländer, im Erm- und Kulmer-Lande Thüringer und Franken; auch
Oberdeutsche wirkten mit. Lange Kämpfe und Kriege hatten diese schnell zu
einem einheitlichen Stamme zusammengewachsene Bevölkerung stark
zusammenschmelzen lassen, als zu ihnen die aus ihrer Heimat vertriebenen
evangelischen Salzburger kamen, deren blutsmäßiger Anteil an der
Gesamtzusammensetzung gar nicht gering zu veranschlagen ist.
Entgegen weit verbreiteten Anschauungen überwiegt in der Besitzverteilung
durchaus die bäuerliche Wirtschaft, nicht der Großgrundbesitz. Doch hat auch
er hier hervorragende Leistungen vollbracht und führende Männer erzogen. Man
denke nur an seinen Anteil bei der Erhebung von 1813 und an Hindenburg, der
gemeinsamn mit Ludendorff den Namen Tannenberg zum höchsten Ruhme erhoben
hat. Ostpreußen hat aus sich heraus eine Gattung von Kleinstadt geschaffen,
die oft nach außen wenig Sehenswertes zeigt, in der es sich aber wohl leben
läßt. Das gerade, kernige, dabei doch gemütliche Wesen hat auch die
Hauptstadt Königsberg, die als Sitz eines aufgeweckten Bildungstriebes
seines größten Sohnes Kant immer wert und eingedenk geblieben ist. Als eine
so große Handels- und Industriestätte mit regem Durchgangsverkehr, hat sich
Ostpreußens Hauptstadt erstaunlich viel innere Sauberkeit und geradlinige
Zielstrebigkeit bewahrt. Was in Ostpreußen an Trachten erhalten ist, geht
mehr nach praktischem Wert als malerischer Wirkung, und in gewissem Sinne
darf man sogar den unentbehrlichen Winterpelz als ein hier zuständiges
Trachtenstück bezeichnen. - Das Wappen Ostpreußens ist der schwarze Adler
mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln im silbernen Felde.