Land und Leute
Ostpreussen - Memelland
(Original Text aus der
Shell-Straßenkarte)
Ostpreußen! Erlebnis und Sinnbild zugleich! Unermeßlich ist die Tiefe der wildreichen Wälder, märchenfroh leuchten Seen hervor, düster lagert das Moor, gewalttätig umklammern wandernde Dünenwüsten das Leben, wundersam
blau dehnt sich die Ostsee, und Ackerland, Wiesen erstrecken sich in fruchtbarer Weite. Ostpreußen und mit ihm das Memelland ist Land der starken Fäuste und der klaren Hirne, wie es die Natur fordert. Immer schon verteidigte sich die Bevölkerung, die von überwiegend niederdeutscher Art ist, gegen
fremde Einflüsse. Und mit der staatsschöpferischen Leistung des Deutschen Ordens, mit der Kantischen Idee, mit dem Umsturz durch Kopernikus begann sich die große preußische Sendung zu gestalten. Dieses Land besaß eine Kultur - weit vor der neuen Kolonisation. Dafür zeugen die wertvollen vorgeschichtlichen Sammlungen im Königsberger Prussia-Museum. Reich ist Ostpreußen an geistigen Führern: von Kopernikus, Kant, Schopenhauer bis zu Schenkendorf und Agnes Miegel. Im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens stehen neben Fischerei die Landwirtschaft und die Viehhaltung - die Leistungsherden genießen ebenso
Weltruf wie die berühmten Warmblütpferde. Zellstoffabriken finden sich. Bei Palmnicken an der Küste wird Bernstein gewonnen und - wie Braunkohle - bergmännisch verarbeitet.
Umfassend ist von der Führung die Zauber einer reinen Natur liegt, ist Grenzland. Erst 1914, als östliche Völker in deutsches Land einfielen, haben viele Deutsche plötzlich wieder erfaßt, was es heißt: täglich, stündlich die Wacht zu halten für Deutschland, lebendiger Wall zu sein gegen fremde Einfälle. Noch im Weltkriege wurden 35 Städte,1500 Ortschaften, unzählige Gebäude zerstört, niedergebrannt. Die samländische Bäderküste, die eigenartig herbe Nehrung mit ihren Wanderdünen und den urzeitlichen Elchen
gehören neben dem Masurischen Seengebiet zu den verlockendsten Zielen Ostpreußens; ein herrlicher Sommer und ein milder langer Herbst begünstigen den Aufenthalt. Im Winter wird mehr und mehr Eis-Segelsport u. a, m. betrieben, oft Anlaß zu interessantem Ferienaufenthalt.
Die vorbildliche Disziplin der überwiegend niederdeutschen Bevölkerung, die der Deutsche Ritterorden durch Soldaten, Handwerker und Siedler aus anderen deutschen Gauen ergänzte, schuf eine hohe
landwirtschaftliche Kultur. Die zahlreichen ostpreußischen Kleinstädte wurden in ihren typischen wehrhaften Anlagen vom Deutschen Orden bestimmt und zeigen manche wertvolle alte Profanbauten und Kirchen, die von einer eigenen ostdeutschen Romantik erfüllt sind. Marienburg und Tannenberg wurden zu den zwei Symbolen dieser Landschaft, zu erhabenen Mahnmalen des deutschen Geistes, der deutschen Sendung, während Königsberg als moderne Großstadt, als Hafen, als Industrie, und Handelsplatz der wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt des Ostlandes ist. Die Geschichte dieser Stadt ist zugleich - wenigstens seit der Ordenszeit - die Geschichte Ostpreußens. Schloß und gotischer Backsteindom überragen als bedeutsam Zeugen einer reichen Geschichte schützend die Stadt. Im März 1939 kehrte auch das nördlichste deutsche Gebiet wieder ins Reich zurück: das Memelland. 175 000 Deutsche leben in diesem uralten deutschen Siedlungsgebiet mit seinen weiten, ebenen, fruchtbaren Ländereien, seinen Mooren und teils noch ungangbaren wildreichen Wäldern. Fischer in Dorfgemeinschaften, Kleinbauern auf verstreuten Einzelhöfen bestimmen den Hauptteil der Bevölkerung. Die Landwirtschaft herrscht vor, daneben die Fischerei und die Holzindustrie. Der Reichsarbeitsdienst stellt gerade in diesem Gebiet zur Erntezeit und anschließend bei Kultivierungsarbeiten seine Organisation in den Dienst des Bauern. - Die Hauptstadt Memel mit etwa 43 000 Einwohnern besitzt etliche Industriewerke und ist als Hafenstadt einwertvoller Handelsplatz.