ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 6 - Oldenburg

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Bremen, Oldenburg und Hannover

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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Von Land und Leuten

In der Shell Straßenkarte Nr.6 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Groningen (NL), Emden, Wesermünde, Bremen, Minden und Osnabrück dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Wenn man von Holland herkommend die Grenze an der unteren Ems überschreitet, bietet sich ein seltsamer, unvergeßlicher Eindruck dar. Aus dem mit fast spielerischer Freude am Zierat und Oberfluß ausgestatteten, dicht bewohnten Nachbarland, wo jeder Fußbreit sorgfältig genutzt ist, kommt man auf deutschem Gebiet zuerst in eine äußerst dünn besiedelte, einsam-ernste Gegend, die in meilenweiten Flächen eine Moorlandschaft in jungfräulichem Zustande zeigt. Namentlich der die unmittelbare Grenze gegen die Niederlande bildende breite Streifen, der unter dem Namen Bourtanger Moor bekannt ist, genießt eine doppelte Berühmtheit, einmal bei den Besuchern der Kunstausstellungen, da die Maler sich hier gern Motive holen, wie sie das deutsche Vaterland sonst nirgends bietet, zweitens aber als ein seit Jahrzehnten zu einem Losungswort in der Reihe der großen öffentlichen Meliorationspläne gewordener Name. Nachdem hier unmittelbar nach dem Kriege die ersten Vorarbeiten aufgenommen worden sind, wird dieses Gebiet jetzt zu einem der Hauptbetätigungsfelder des Arbeitsdienstes werden, da hier nicht weniger als hunderttausend Morgen bisheriges Odland in bäuerliche Siedlungen verwandelt werden sollen. In seinem bisherigen Zustande bietet dieses Unter-Emsland viele volkskundliche Merkwürdigkeiten. Die oft seit Jahrhunderten in unverändertem Besitz desselben Geschlechtes befindlichen Höfe sind zum Teil von einer räumlichen Ausdehnung, wie anderwärts stattliche Gutsbesitze, doch befinden sich entsprechend den bisherigen Boden und Grundwasserverhältnissen nur kleine geeignete Teile davon unterm Pflüge. In entlegeneren Strichen findet man noch die älteste Form des germanischen Hausbaues, das in Fachwerk errichtete Einraumhaus, bei welchem der Rauch des als offene Feuerstätte aus Feldsteinen gemauerten Herdes ohne Schornstein durch die „Uhlenflucht", die offene Luke unter mit hölzernen Pferdeköpfen geschmücktem Giebel, abzieht. Nur wenige Kilometer südlich, nach Osnabrück und Münster zu, ändert sich das Bild vollkommen, denn hier beginnt „die rote Erde" in aller ihrer Behäbigkeit, und wenden wir uns nach Osten, so gelangen wir nach Oldenburg. Obwohl das Land nur zu einem Fünftel aus fetter Marsch, zu vier Fünfteln aber aus ungleichartiger Geest besteht, werden alle Zweige der Landwirtschaft in beachtlicher Höhe gepflegt. Namentlich ist hier der Sinn für Pferdezucht in allen Kreisen der Bevölkerung Gemeingut. Von der bedächtigen Ruhe, mit der hier agrarische Höchstleistungen als etwas selbstverständliches geboten werden, ist etwas auf die ganz mittelstädtische Haupt- und Residenzstadt Oldenburg übergegangen. Nur an Waldungen ist Oldenburg, wie das ganze Kartengebiet, arm, dafür besitzt es bei dem durch seine Linoleum Erzeugung bekannten Städtchen Delmenhorst einen derwenigen Reste von echtem Urwald, die sich in Mitteleuropa erhalten haben. 

Auf eine stammesmäßig scharf ausgeprägte Weise haben sich an der Küste und auf den Inseln im Norden die Friesen allezeit als Menschen gezeigt, die den Lebenskampf zu bestehen verstanden. Lieber tot als Sklave! war ihr Wahlspruch gegen jeden Feind, der ihre Freiheit bedrohte, und gleichzeitig mußten sie ihr Land gegen das gierige Meer, den „blanken Hans", ständig durch Deiche sichern und diesem Gegner durch mühsam erbaute Kooge neuen Lebensraum abgewinnen. Nebenbei sind sie hervorragend zum Handel begabt; ihr Hauptort leer, wo die älteste christliche Kirche in ihrem Stammesgebiet gebaut wurde, ist der größte deutsche Viehumschlageplatz. Wilhelmshaven, eine großartige Kriegshafenschöpfung der Kaiserzeit, hatte an den Folgen des Weltkrieges besonders stark zu leiden. Es gewinnt jedoch, auch als beliebter Kur- und Badeplatz, wieder stärker an Bedeutung.

Bremen, einstmals mächtigste Beherrscherin der Nordsee, ist heute in seinem Stadtbilde überwiegend neuzeitlich-stattlich, weist aber hinter seinen älteren Hausmauern viel gepflegten, echten Hanse und Patriziersinn auf. Es ist ein verwandter Geist, der im althistorischen Osnabrück trotz späterer Industrieentwicklung so treulich die ererbten baulichen Schönheiten zu erhalten verstanden hat.

An Trachten finden wir in dem Kartenabschnitt neben den ernsten Frauengewändern im altmünsterischer Umkreis die oft von Künstlern gemalten und den Seebädergästen vertrauten Sonntagsgewänder der Bewohner der friesischen Inseln.-- Das Wappen von Bremen ist der schräg umgekehrt liegende silberne Schlüssel in Rot, Oldenburg zeigt im gevierteten Felde abwechselnd in Gold zwei rote Querbalken und in Blau ein goldenes Ankersteckkreuz, Hannover das silberne Sachsen roß im roten Schilde.


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