ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 7 - Hannover

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Hannover, Braunschweig und Schaumburg-Lippe

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 7 - Hannover

In der Shell Straßenkarte Nr.7 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Wesermünde, Altona, Hamburg, Lübeck, Minden, Hannover und Braunschweig dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Das Kernland der Niedersachsen,von so entscheidender Bedeutung für unsere vaterländische Geschichte und namentlich auch für die Ostsiedlung bis an die Grenzen der baltischen Provinzen, zeigt in seiner Bevölkerungszusammensetzung eine Einheitlichkeit, wie sie wenige andere Gebiete besitzen. Nur an den Rändern begegnen wir, außer den längst zu einer geschichtlichen Erinnerung gewordenen Bewohnern des hannöverschen Wendlandes, friesischem, thüringischem und fränkischem Einschlag. Sonst scheint das Wesen des Stammes unverändert, wie er seit germanischer Heidenzeit die Giebel seiner Höfe mit Pferdeköpfen schmückt, und man merkt seiner Volkskroft nicht an, daß er jahrhundertelang die unternehmungslustigsten seiner Jungen als heiligen Lenz in fernes Neuland abgegeben hat.

Eher könnte es scheinen, als ob dieser Abstrom die Ausgeglichenheit des niedersächsischen Gehabens noch erhöht hat. Sie überbrückt auch die sehr beträchtlichen Unterschiede der hier herrschenden Landschafts- und Bodengestaltung. Denn wir finden hier alle Arten, Moor und Heide, Bergland und Küstengebiet, fetten Löß und mageren Sand, und doch wissen wir stets, daß wir in der Heimat der Niedersachsen sind. Dafür sorgt schon das niedersächsiche Haus, das in seiner Antage auf vorgeschichtliche Vorbilder zurückgeht. Aus ihm sind die herrlichsten Fachwerkbauten erwachsen, welche die Welt kennt, und die Braunschweig, Hildesheim, Goslar, die alten Viertel von Hannover und andere Städte zu Sehenswürdigkeiten machen, während auch das Badesteinhaus alter Prägung, wie wir es in Bremen finden, von dieser Wohnkultur beeinflußt ist. Dem Fremdling, der beim Betreten eines solchen Hauses fragt, ob das Wohnen hier nicht große Unbequemlichkeiten im Gefolge habe, hat Justus Möser in seinen Patriotischen Phantasien die treffende Antwort gegeben, daß kein Vitruv imstande sei, mehr Vorteile in einer Wohnstätte für Bauern zu vereinigen. 

In der Tat sind wir hier in einem Bauernlande, wo die Besitzverteilung dank der immer streng eingehaltenen Anerbenrechtsfolge besonders gesund geblieben ist. Während aber der niedersächsische Hausbau weit über sein ursprüngliches Gebiet nach Osten hin maßgebend geworden ist und das zäh festgehaltene germanische Erbrecht neuerdings in der Gesetzgebung ganz Preußens und des Reiches Richtlinien gegeben hat, ist durch verschiedene äußere Umstände der Reichtum der noch um die Mitte des 19.Jahrhundertsbestehenden niedersächsischen Volkstrachten fast völlig verloren gegangen. Örtliche Ausnahmen bilden das Amt Gifhorn und das linkselbische Alte Land, Braunschweig und besonders Büdkeburg mit seinen schönen, noch gegenwärtig auch zur Arbeit getragenen Frauentrachten. Einige kleinere Reste hoben sich allgemein erhalten, besonders der altertümliche Frauenmantel, die „Holke", die aber meist auch schon auf den Kirchgang und auf die Trauerkleidung beschränkt ist.

Oberaus reich dagegen ist das oltgermaniscte Brauchtum erhalten. Es weist eine örtlich sehr mannigfaltige Ausgestaltung auf und begleitet den Niedersachsen von der Wiege bis zum Grabe. Berühmt sind mit Recht die großen vielerorts üblichen Suppen hochzeiten, die sich zu Volksfesten für die gesamte Nachbarschaft ausdehnen, wobei aber jeder der massenhaft erscheinenden Gäste nach Maßgabe seines Vermögens und des Verwandtschafts- oder Freundschaftsgrades einen Unkostenbeitrag zusteuert. Das Anerbenrecht beläßt die nicht erbberechtigten Geschwister vielfach im Dienste bei dem erbenden Bruder und schafft so Familien betriebe. Auch das angenommene Gesinde wird meist so behandelt, als ob es zur Familie gehörte.

Saat und Erntegebräuche und die großen Jahresfeste werden nach genauem Herkommen eingehalten, Auch die Viehhaltung und selbst die trotz der allmählichen Verdrängung der Heide durch die neuzeitliche Technik noch immer blühende Heide und Wanderimkerei hat ebenso wie die Heidschnudkenschäferei ihre besonderen Oberlieferungen.

Das Niedersachsenroß bildet das heute noch ungeheuer volkstümliche Wappenwahn&dien dieser Gebiete. Sowohl Hannover wie Braunschweig führen das silberne Pferd im roten Schilde, nur mit dem Unterschied, daß es für Hannover In 8lterer Zeit springend, für Braunschweig mehr laufend dargestellt wird. Schaumburg-Lippe zeigt die rote Rose in Silber für Lippe, und das Wappen des Hauses Schaumburg, ein silbernes Nesselblatt in Rot.

 


 


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