ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr. 8 - Brandenburg - Mecklenburg

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Brandenburg, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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Von Land und Leuten

In der Shell Straßenkarte Nr.8 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Berlin, Spandau, Potsdam, Brandenburg, Neu-Ruppin, Schwerin und Neu-Brandenburg dargestellt.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Das Gebiet der Karte umfaßt die durch die Reichshauptstadt bedingte größte Einwohneranhäufung im ganzen Reiche und zugleich eine der größten Sandablagerungen aus der Eiszeit, denen die Mark Brandenburg den alten Namen der „Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches" verdankt. Gleichwohl ergeben die als Reste der alten Urstromtäler verbliebenen zahlreichen Seen und von breiten Wiesentälern eingesäumten Flußeinschnitte in Verbindung mit den ausgedehnten, nur durch menschlichen Fleiß aus der früheren Heide geschaffenen Kiefernforsten eigenartig schöne Landschaftsbilder, deren Reiz erst von den Malern des ausgehenden 19. Jahrhunderts entdeckt worden ist, seither aber Weltruf erlangt hat.

Das Wesen des Gebietes wird mehr äußerlich als innerlich erdrückt von der in beispielloser Schnelligkeit in den letzten50 Jahren von einem Umfang von etwa 60 auf fast 900 Quadratkilometer angeschwollenen Riesensiedlung Berlin, die ihre Häusermassen wie eine Walze über Gärten, Felder, Großgüter und zuletzt sogar über viel ältere Städte wie den Fischer- und Wäschereiort Köpenick und den Waffenplatz Spandau hinwegschob, jedoch so, daß zwischen den mit Mietskasernen und Reihensiedlungen besetzten Ausfallstraßen bis nahe an das Weichbild von Berlin Oberbleibsel der altmärkischen Dorfidylle in all ihrer herben Schlichtheit dem Auge des Reisenden begegnen. Berlin selbst hat sich von den Eigenarten, die sein selbstbewußtes und geistig regsames Bürgertum im 18. Jahrhundert und während des Biedermeiers auszeichneten, nur wenige Spuren, wie etwa den herkömmlichen Weihnachtsmarkt und den als Volksfest wieder neu belebten Stralauer Fischzug bewahrt.

Die Zahl der echten, mit Spreewasser getauften Berliner verschwindet fast vor dem Massenzuzug aus allen Teilen des Reiches, wobei aber die Landschaft eine unwiderstehliche Einschmelzungskraft ausübt. Die Berliner Mundart ist ihrer Grundlage nach die niederdeutsche des märkischen flachen Landes. Auch auf diesem hat sich eine dauernde Angleichung vollzogen.

Die Mark war ursprünglich der Sitz der germanischen Semnonen, deren Stammesheiligtum wahrscheinlich auf den Müggelbergen bei Friedrichshagen gestanden hat. Bei ihrem Wegzug in der Völkerwanderung müssen erhebliche Volksreste zurückgeblieben sein, die dann die vollkommene und rasche Eindeutschung der später eingewanderten slawischen Wenden mit ermöglicht haben. Die planmäßige Siedlungspolitik der askanischen Markgrafen und besonders der Hohenzollernkönige führten Niedersachsen und Thüringer, Franken, Pfälzer und französische Hugenotten, und in den Luchgebieten namentlich auch Friesen, Holländer und Flamen ins Land. Das ganze Deutschland soll es sein, war also der unbewußt befolgte Grundsatz bei der Besiedlung der Mark. Dennoch hat dieses nord-, mittel- und süddeutsche Blutsamt den fremden Zusätzen einen ganz einheitlichen, tüchtigen und mit einem starken Tatsachensinn ausgestatteten Menschenschlag ergeben, der sich seines Wertes bewußt ist. Einen Menschenschlag, der es sich auch in der Stille seiner Dörfer und der Einsamkeit jener schlichten Gutshöfe, in denen die Offiziersgeschlechter aufgewachsen sind, die für ihren König jederzeit zu sterben bereit waren, genug sein läßt. Hier ist auch altes Brauchtum, etwa beim Erntefest, erhalten geblieben. Der Hausbau ist niederdeutsch, nur das Laubenhaus verrät gelegentlich den süddeutschen Einschlag. Die Trachten sind allerdings längst der Kleidung der Großstadt gewichen.

Brandenburg führt bereits seit der Markgrafenzeit den im Volksliedebesungenen roten Adler, unter welchem die Kämpfe gegen das Slawentum siegreich ausgefochten wurden. Er ist auch der älteste Bestandteil des preußischen Staatswappens, wenn auch später der schwarze preußische Adler in den Vordergrundtrat. Mecklenburg führt ebenfalls seit uralter Zeit den gekrönten schwarzen Stier- (Auerochsen-) Kopf im goldenen Felde; daneben die Wappenschilde der übrigen Staatsbestandteile.


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