ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1934/35

SHELL Straßenkarte Nr.  9 - Grenzmark - Pommern

Maßstab 1:725.000

Titelbild: Wappen von Oberschlesien

Hergestellt: 1934 / 1935

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Georg Westermann, Braunschweig

Originalpreis: k.A. (vermutlich Kostenlos)

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SHELL Straßenkarte Nr. 9 - Grenzmark - Pommern

In der Shell Straßenkarte Nr.9 aus dem Zeitraum von 1934 und 1935 sind Städte wie Stettin, Stargard, Küstrin, Frankfurt, Landsberg und Schneidemühl zu finden.


VON LAND UND LEUTEN (Original Text)

Von der Eiszeit her verbinden riesige Urstromtäler das Gebiet der heutigen Mark Brandenburg mit dem polnischen Osten. Das hervortretendste dieser auf der Landkarte von Europa deutlich abgezeichneten Gebilde streicht in der Richtung von Berlin nach Warschau und hat von diesen beiden Hauptstädten den Namen bekommen. Es bedeutet gleichzeitig ein Einfalltor östlicher Landschaft nach Deutschland hin. Wer aus den übrigen deutschen Gauen kommt, der fühlt sich hier im ersten Augenblick etwas Neuem gegenüber gestellt. Während Norddeutschland gar nicht so flach ist, wie der Bewohner der süddeutschen Berge es annimmt, und während sonst der norddeutsche Himmel selbst mit seinen wechselnden, klaren Lichtern Ausdruck über die Ferne breitet, bekommen wir in der Grenzmark den ersten Begriff von dem, was allen Reisenden seit dem Mittelalter und was zuletzt unseren Feldgrauen im Weltkriege am polnischen und russischen Raum unheimlich erschien. Die Ebene verebbt zu unendlicher Weite, alle Farben werden blasser, selbst der Wald, der sich auf locker zusammengewehten Sandflächen mühsam behauptet, besitzt einen anderen Ausdruck als sonst. So ist die Provinz mit dem Traditionsnamen Grenzmark - Posen - Westpreußen auf den ersten Anblick ein für den Auswärtigen fremdgeartetes Gebiet, zumal sie zwischen Gegenden eingeschoben ist, deren Böden erheblich frucht
barer sind, und die größeren Städte, welche mit ihrem Namen bedeutende geschichtliche Erinnerungen verbinden, jenseits der in Versailles gezogenen Grenzen liegen, so Thorn und Graudenz, Dirschau und Kulm, Bromberg und Posen. Der Grenzmärker ist sich seiner besonderen Lage auch bewußt, und ähnlich, wie der Tiroler unglücklich ist, wenn ihm seine Berge fehlen, so hat ein Sohn der Grenzmark, der hier von niedersächsischen Eltern geborene Dichter Hermann Löns, bekannt, daß er sich im Gebirge beengt fühle, und daß seine Seelenheimat die Heide sei, wo keine Bergkulissen den Horizont begrenzen. Der Grenzmärker bekennt sich mit leidenschaftlicher Liebe zu seiner Provinz, auch wenn er sich nicht darüber täuscht, daß es ihr an landläufiger Romantik fehlt und sich darüber in manchem launigen Spottvers lustig macht. Wenn man das Gebiet näher kennen lernt, so macht man die Entdeckung, daß es ihm auch durchaus nicht an anmutigen Schönheiten fehlt. wischen Sumpf und Wald eingebettet, verfügt es über idyllische Winkel, welche der Photograph längst entdeckt hat und die es verdienen, daß endlich auch der Maler sie erkennt. Wir begegnen einzelnen Denkmälern der bis hierher ausgestrahlten Wirksamkeit der Kreuzritter, noch viel zahlreicher aber sind, durch ihren Umfang auch den Unkundigen auffallend, die vorgeschichtlichen Ringwälle, die von uralten Völkerkämpfen Zeugnis ablegen. Wie überreich der Boden an Funden gerade aus der germanischen Wanderzeit ist, beweisen die in den Heimatmuseen treulich bewahrten Ausgrabungen, welche diesen Boden geradezu zu einem klassischen erheben. In den Dörfern fesselt uns gelegentlich der Anblick des gemütlichen Laubenhauses, das uns hier in seiner ostdeutschen Form entgegentritt. Schon die Römer bezeichneten diese Fachwerkhäuser mit dem Laubenvorbau, die ihnen am Rhein und an der Mosel auffielen, als eine besondere germanische Eigentümlichkeit. Wir wissen seither, daß unsere Vorfahren diese Bauart schon seit der Bronzezeit bevorzugten, aber es ist nicht zu erklären, warum dieses Bauernhaus sich gerade hier so getreulich erhalten hat, ob es hier geblieben ist, seit noch altgermanische Stämme hier ihre Ursitze hatten, oder ob es spätere Siedler wieder mitgebracht haben. Als ein sehr altes Andenken westdeutscher Siedlung hat sich hier bei dem Städtchen Bomst der nördlichste Weinbau Europas mit recht sehenswerten Anlagen erhalten und liefert Erzeugnisse, die viel besser sind, als meist bekannt. Was das ostdeutsche Kolonisten-Bürgertum zu schaffen imstande war, beobachten wir, ausgehend von der eine uralte Brücke des Handels nach dem Osten bildenden Stadt Landsberg, an den kleineren Landstädten. Und wie sich in schwerster Zeit der deutsche Selbstbehauptungswille aufgebäumt hat, zeigt uns die neue Entwicklung der Verwaltungshauptstadt Schneidemühl oder dieses Neu-Bentschen, das als Beamtenstadt aus dem Nichts heraus geschaffen worden ist. Das ist Geist von dem Geist, der die Melioration des Warthe und Netzebruchs unter dem Alten Fritz ermöglicht hat, und nach ihm müssen wir die Grenzmark und ihre dauernd auf kulturellem Vorposten stehenden Bewohner bewerten.

Das Wappen der Mark Brandenburg ist der rote Adler im silbernen Schilde, dasjenige von Pommern der rote Greif im silbernen Felde,


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