ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STRASSENKARTEN - 1918-1945 - SHELL - SHELL 1938/39

SHELL Straßenkarte Nr.9 Brandenburg

Maßstab 1:470.000

Hergestellt: 1939

Verlag: SHELL REISEDIENST

Kartographie und Druck: Wüsten & Co., Frankfurt a.M.

Originalpreis: k.A.

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SHELL Straßenkarte Nr.9 Brandenburg

Die Shell Straßenkarte Nr.9 beschäftigt sich mit dem alten Brandenburg. Städte wie Frankfurt an der Oder, Landsberg, Grünberg, Glogau und Cottbus (mit K geschrieben) sind in der Karte zu finden. Dieses Gebiet ist ein sehr grünes mit Wäldern durchzogene Region. Zwischen Cottbus und Liegnitz sowie von Berlin nach Frankfurt sind schon zwei Autobahnteilstücke für den Verkehr freigegeben.

Ortsregister: Bad Freienwalde - Crossen (Oder) - Forst - Frankfurt - Fürstenwalde - Glogau - Grünberg - Guben - Kottbus - Küstrin - Landsberg - Neusalz a. O. - Sagan - Senftenberg - Sommerfeld - Sorau - Spremberg - Sprottau - Weißwasser - Züllichau.


Von Land und Leute
Brandenburg

Von der Eiszeit her verbinden riesige Urstromtäler das Gebiet der heutigen Mark Brandenburg mit dem polnischen Osten. Wer aus den übrigen deutschen Gauen kommt, der fühlt sich hier im ersten Augenblick etwas Neuem gegenübergestellt.. Während Norddeutschland gar nicht so flach ist, wie der Bewohner der süddeutschen Berge es annimmt, bekommen wir in der Grenzmark den ersten Begriff von dem, was allen Reisenden seit dem Mittel
alter am polnischen und russischen Raum unheimlich erschien. Die Ebene verebbt zu unendlicher Weite, alle Farben werden blasser, selbst der Wald, der sich auf locker zusammengewehten Sandflächen mühsam behauptet, besitzt einen anderen Ausdruck als sonst. - Der Grenzmärker ist sich seiner besonderen Lage auch bewußt, und ähnlich, wie der Tiroler unglücklich ist, wenn ihm seine Berge fehlen, so hat ein Sohn der Grenzmark, der hier von niedersächsischen Eltern geborene Dichter Hermann. Löns, bekannt, daß er sich im Gebirge beengt fühle, und daß seine Seelenheimat die Heide sei, wo keine Bergkulissen den Horizont begrenzen. Der Grenzmärker bekennt sich mit leidenschaftlicher Liebe zu seiner Provinz, auch wenn er sich nicht darüber täuscht, daß es ihr an landläufiger Romantik fehlt. Wenn man das Gebiet näher kennen lernt, so macht man die Entdeckung, daß es ihm auch durchaus nicht an anmutigen Schönheiten fehlt. Zwischen Sumpf und Wald eingebettet, verfügt es über idyllische Winkel, welche der Photograph längst entdeckt hat und die es verdienen, daß endlich auch der Maler sie erkennt. Wir begegnen einzelnen Denkmälern der bis hierher ausgestrahlten Wirksamkeit der Kreuzritter, noch viel zahlreicher aber sind, durch ihren Um. fang auch den Unkundigen auffallend, die vorgeschichtlichen Ringwälle, die von uralten Völkerkämpfen Zeugnis ablegen. Wie überreich der Boden an Funden gerade aus der germanischen Wanderzeit ist, beweisen die in den Heimatmuseen treulich bewahrten Ausgrabungen, welche diesen Boden geradezu zu einem klassischen erheben. In den Dörfern fesselt uns gelegentlich der Anblick des gemütlichen Laubenhauses, das uns hier in seiner ostdeutschen Form entgegentritt. Schon die Römer bezeichneten diese Fachwerkhäuser mit dem Laubenvorbau, die ihnen am Rhein und an der Mosel auffielen, als eine besondere germanische Eigentümlichkeit. Wir wissen seither, daß unsere Vorfahren diese Bauart schon seit der Bronzezeit bevorzugten, aber es ist nicht zu erklären, warum dieses Bauernhaus sich gerade hier so getreulich erhalten hat, ob es hier geblieben ist, seit noch altgermanische Stämme hier ihre Ursitte hatten, oder ob es spätere Siedler wieder mitgebracht haben. Als ein sehr altes Andenken westdeutscher Siedlung hat sich hier bei dem Städtchen Bomst der nördlichste Weinbau Europas mit recht sehenswerten Anlagen erhalten und liefert Erzeugnisse, die viel besser sind, als meist bekannt. Was das ostdeutsche Kolonisten-Bürgertum zu schaffen imstande war, beobachten wir, ausgehend von der eine uralte Brücke des Handels nach dem Osten bildenden Stadt Landsberg, an den kleineren Landstädten. Und wie sich in schwerster Zeit der deutsche Selbstbehauptungswille aufgebäumt hat, zeigt uns die neue Entwicklung der Verwaltungshauptstadt Schneidemühl oder dieses Neu-Bentschen, das als Beamtenstadt aus dem Nichts heraus geschaffen worden ist. Das ist Geist von dem Geist, der die Melioration des Warthe- und Netzebruchs unter dem Alten Fritz ermöglicht hat, und nach ihm müssen wir die Grenzmark und ihre dauernd auf kulturellem Vorposten stehenden Bewohner bewerten. - Das Wappen der Mark Brandenburg ist der rote Adler im silbernen Schilde.

 

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(Original-Text und Bilder)


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