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 | SHELL STADTKARTE Nr.
10 DORTMUND |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
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Titelbild:
Marktbrunnen |
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Shell-Stadtkarte
Nr.10 Dortmund

Dortmund ist uralter Kulturboden. Schon
408 n. Chr. wurden in der dörflichen Siedlung römische
Goldmünzen vergraben. Der Kreuzungspunkt des Hellwegs mit
der großen Nord-Südstraße wurde die Ursache zu dem
bedeutenden Aufstieg der Stadt. Die Römer hatten ein großes
augustäisches Legionslager wenige Kilometer von Dortmund.
Karl der Große als Gründer der Stadt betrachtet, schützte
Dortmund nach der ersten Sachsenschlacht (775) durch Anlagen
und verlegte Burg und Königshof in die Befestigung. Markt-,
Münz und Zollstätte waren damit verbunden und förderten die
Entwicklung einer städtischen kaufmännischen Siedlung, die
im 11. Jahrhundert eine der wichtigsten Handelsplätze
flandrischer Kaufleute wurde. Die Stadt sah zahlreiche
Reichstage und Synoden in ihren Mauern. Dortmunder Recht
wurde berühmt und galt vielfach auch in Ostpreußen. Im 12.
und 13. Jahrhundert findet eine starke räumliche Ausdehnung
statt. Dortmund wurde freie Reichsstadt und schloß sich der
Hansa an. Die seefahrenden Kaufleute sind in allen
Handelskontoren der Welt zu treffen. Im 13. und 14.
Jahrhundert schaffen die Bürger mit den erworbenen
Reichtümern Rathaus, Brothaus, Kapellen und Kirchen mit
ihren reichen Kunstschätzen. Die englische Krone und die
Reichskleinodien mußten den Dortmunder Kaufleuten mehrfach
verpfändet werden. Im 14. Jahrhundert beginnen dann die
hartnäckigen Kämpfe um Dortmunds Reichsfreiheit. Zahlreiche
Fehden und lange Belagerungen bringen die Stadt fast an den
Bettelstab. Die Einwohnerzahl schmolz ganz erheblich
zusammen. In dieser Zeit der allgemeinen Unsicherheit
erlangten die Femgerichte ihre größte Bedeutung, von denen
der Dortmunder „Freistuhl" der einflußreichste und
angesehenste wurde. Man sieht ihn noch heute am Königswall.
Dortmund erlebte dann einen wirtschaftlichen Aufstieg und
einen weiteren tiefen Sturz durch den Dreißigjährigen Krieg.
Der Reichsdeputationshauptschluß nahm der Stadt die
Selbständigkeit. Nach verschiedenem Hin und Her kam Dortmund
1815 zu Preußen, das ihm durch den Fortfall der
Zollschranken und sonstigen wirtschaftlichen Hemmungen den
Weg zum abermaligen Wiederaufstieg freimachte. Die Eröffnung
der Köln-Mindener Eisenbahn (1847) und des
Dortmund-Ems-Kanals (1899) brachte der Kohlen-, Eisen-
und Brauindustrie einen ungeahnten Aufstieg. Heute zählt
Dortmund 534000 Einwohner und ist der Flächenausdehnung nach
mit mehr als 27 000 ha die zweitgrößte Stadt Deutschlands.

Dieses Dortmund ist ebenso betriebsam wie
das Dortmund von früher, drängt vorwärts, trägt aber auch
noch hier und da die Zeichen einer gewissen bodenständigen
Gemütlichkeit. Das Nebeneinander uralter Überlieferung und
modernster Baulichkeit, die Verschiedenartigkeit der
Linienführung an den anderen Jahrhunderten angehörigen
Bauwerken ist glücklich gelöst und eine Verbundenheit
geschaffen, die die neue Bauform hervorhebt, ohne die alten
schönen Gebäude zurückzudrängen. Im Süden beginnt sich die
Stadt in einem modernen, äußerst geschmackvollen Baustil neu
zu entwickeln. So ist gerade das Gebiet um die
Westfalenhalle herum mit dem Riesenbau dieser
Sporthalle, dem Arbeitsphysiologischen Institut,
der Pädagogischen Akademie und der Nikolaiklrche
zu einem imposanten Panorama geworden.
Aber nicht nur aus dem enormen Bauwillen, der zielbewußt,
künstlerisch und unter Vermeidung von Übertreibungen nach
neuer zweckmäßiger Ausdrucksform der Städtebildung strebt,
geht die Kultur hervor, sondern auch aus den intensiven
Bemühungen der Pflege von Kunst und Geisteswissenschaften.
Hierfür bieten sich Kunstschätze aus Dortmunds
mittelalterlicher Blütezeit, das alte Rathaus mit
seinen Kostbarkeiten und die Kirchen mit den berühmten
Werken eines Conrad von Soests, der Gebrüder
Dünwegge und anderer, die Museen mit ihren reichhaltigen
Schätzen aus bodenständiger und fremdländischer, in grauer
Frühzeit nach Dortmund und Westfalen getragenen Kultur und
den Gaben der Natur eine hervorragende Grundlage. Es seien
hier aber auch das Dortmunder Stadttheater mit seinen
glänzenden Aufführungen und die städtischen
Symphoniekonzerte erwähnt. Die wissenschaftlichen
Forschungsinstitute geben dem geistig-wissenschaftlichen
Leben sichtbaren Ausdruck. Die Westfalenhalle bietet nicht
nur für Sportzwecke, sondern auch für Massenveranstaltungen,
Ausstellungen und Messen alle Möglichkeiten.

Umgebung. Und dann die Landschaft
Berg und Tal, Wälder und Parks, Teiche und Stauseen,
Wasserburgen und alte Schlösser, üppige Felder und Gärten
wohin der Blick schweift. Vor den Toren Dortmunds aber,
südlich der zum gewaltigen Hengsteysee aufgestauten
Ruhr, das herrliche Sauerlandgebirge mit seinen
hundertfachen Erholungsmöglichkeiten. Dortmunds Lebensnerv
aber ist die Industrie, die gewaltige, werteschaffende
Arbeit in tausenderlei Gestalt, eine kaum wiederzugebende,
überwältigende, eindrucksvolle Graphik aus Stahl und Eisen.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |
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