ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 11 DÜSSELDORF

Verlag: SHELL Reisedienst

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT

Originalpreis: k.A. (War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.)

Titelbild: Wilhelm-Marx-Haus

Direkt zum Stadtplan

Shell-Stadtkarte Nr.11 DÜSSELDORF

Unergründlich wie die strömenden Wasser des Rheins, an dem sie liegt, ist das Gesicht dieser Stadt. Bald eine übersonnte Landschaft, oder ein altertümliches Schmuckkästlein: das ist die Garten- und Kunststadt, das die Altstadt Düsseldorf; bald eine rauchüberwallte Werkstatt, eine schaffende Schreibstube; das ist die Handels- und Industriemetropole des deutschen Niederrheins; Düsseldorf, die Stadt des Eisens und des Stahls, die Stadt der großen Konzerne und Syndikate, Sitz der Regierung und der Provinzialverwaltung. Trotz dieser Zwiespältigkeit eines ländlichen und industriellen Charakters wächst aus beiden, dem heiteren alten und dem ernsten neuen Düsseldorf ein geschlossenes Stadtbild von jener einprägsamen Eigenart, die immer da ist, ganz gleich, ob man im Stadtinnern zwischen den hochgiebligen Häusern der einstigen kleinen Residenz einherwandelt, oder ob man im Auto durch die modernen breiten Alleen der Innenstadt und der Vororte flitzt. Düsseldorf entstand um das Jahr 1159 aus einer kleinen Pfahlrostsiedlung, die an der Mündungsstelle des Düsselbaches in den dazumal vielarmigen Rhein lag. 1288 bereits wurden dem Ort Stadtrechte verliehen. 1348 wurde sie Residenz der damaligen Grafschaft Berg, um dann Jahrhunderte hindurch in die beschauliche Vergessenheit eines Landstädtchens zu versinken, bis sie nach einer im 18. Jahrhundert an Unglück und Ränken reichen Geschichte 1815 in preußischen Besitz überging. Ihrem Wesen nach wurde die Stadt jedoch nicht preußisch, vielmehr hat sie sich ihren typisch niederrheinischen Charakter bis zum heutigen Tage bewahrt.

An den hervorragendsten Vertreter jenes mittelalterlichen Düsseldorf erinnert heute Grupellos berühmtes Reiterstandbild des volksbeliebten Herzogs Jan Weilern. Es steht auf dem altertümlichen Marktplatz mitten in der sich wie ein schmales buntes Band längs des Rheinufers erstreckenden Altstadt mit dem schiefen Lambertusturm und der Andreaskirche, und jener winkligen Bolkerstraße, in der Heinrich Heine geboren wurde, und die Zeit seines Lebens seines Dichtertums ewige Sehnsucht war.

Wer die moderne Kunst- und Gartenstadt Düsseldorf kennen lernen will, der würdige das Stadttheater mit seinen Erinnerungen an Grabbe, Immermann, Mendelssohn, Schumann und Brahms eines Besuches. Der begebe sich weiter zum Hindenburgwall und der Ratinger Straße mit dem abschließenden Turmbau des Wilhelm-Marx-Hauses. Hier liegt auch, ein wenig versteckt, die weit über Düsseldorf hinaus bekannte Kunsthalle mit den Schöpfungen eines Cornelius und Schadow, eines Feuerbach, Rethel, Böcklin und Athenbach. Hier dehnt sich der Hofgarten, ein schöner, großzügig angelegter Park, der, früher einmal sich vor dem Stadttor breitend, heute mitten in der Stadt liegt und mitten unter Beton- und Stahlgebilden auch heute noch den Ehrennamen Düsseldorfs als der deutschen Gartenstadt rechtfertigt. Am Ende des Hofgartens liegt Schloß Jägerhof und der weltbekannte Düsseldorfer Malkasten, ein äußerlich recht unscheinbares, innen aber reich ausgestattetes Gebäude, das Vereinshaus der Düsseldorfer Künstlerschaft.

Und wer endlich den Pulsschlag dieser Stadt der denkenden Hirne und der werkenden Fäuste fühlen will, in der Namen von Industriellen wie Ehrhardt, Poensgen, Haniel, Lueg, Schiess, Mannesmann, Stumm, Heye und Henkel gewissermaßen zu Hause sind, der besichtige das monumentale Verwaltungsgebäude der Vereinigten Stahlwerke A.-G., die großen Düsseldorfer Hafenanlagen mit ihren Lagerhäusern und Werften, - das Reichsmuseum für Gesellschafts- und Wirtschaftskunde -, der werfe einen Blick auf die großen Kontorhäuser der heutigen Industriekapitäne und Großhanseaten, - alle gebaut in jener sicheren, schwingenden Eleganz, die einmalig unter den deutschen Städten nur Düsseldorf hervorzubringen vermag. Hier überall fiebert der neue Rhythmus einer neuen Zeit, der rasch sich aus sich selbst erneuernd, immer und stets in den Adern dieser kühnen Stadt kreist und ihr junges Leben gibt. Und nicht zuletzt werfe man, auf der mächtig sich über den Strom spannenden Rheinbrücke stehend, flußabwärts einen Blick auf das werdende neueste Düsseldorf mit seinen Ausstellungsbauten und dem berühmten Planetarium, der Kunstakademie, dem Rheinterrassen-Restaurant, dem Rheinpark, dem Rheinstadion, sowie dem Albert-Leo-Schlageter-Denkmal und dem ewigen Flammzeichen am Rhein an der Ruine der Kaiserpfalz.

Schön wie diese Stadt Düsseldorf ist ihre Umgebung, die weite, niederrheinische Landschaft flußaufwärts nach Benrath zu mit seinem alten kurfürstlichen Schloß und dem Schloßpark, nach dem ursprünglich-mittelalterlichen Zons und flußabwärts nach Kaiserswerth zu mit der alten Pfalz, nach Duisburg-Ruhrort mit dem gewaltigen Binnenhafen, nach Wesel, Xanten und Emmerich. Besonders hervorgehoben sei hier noch das wildromantische bergische Hinterland mit den Stahl-Städten Remscheid und Solingen mit dem Stammschloß Burg der früheren Grafen von Berg, mit jener unvergleichlich kühn sich über das Tal der Wupper wie ein feines Filigrangebilde spannenden Müngstener Eisenbahnbrücke, die ihres qleichen in der Welt sucht.

Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. 

 

(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


© 2005-2008 - Landkartenarchiv.de  - Michael Ritz - Mönchengladbach - Made in Germany
Kopieren der Inhalte strengstens verboten - Verlinkung der Webseiten ist erlaubt.
Optimiert auf 1024x768 Pixel