ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 12 HANNOVER

Verlag: SHELL Reisedienst

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT

Originalpreis: k.A. (War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.)

Titelbild: Marktkirche

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Shell-Stadtkarte Nr.12 HANNOVER

Mit dem Namen der Stadt Hannover an der Leine verbinden sich für den Nichthannoveraner die Begriffe einer vornehmen Großstadt im Grünen mit einer auserlesenen Tradition. Diesen Eindruck bestätigen Geschichte und Aussehen in überraschend schöner Harmonie.

Die Geschichte: 1163 wird zum ersten Mal urkundlich der Ort „Honovere", d. h. hohes Ufer (des Leineflusses) erwähnt, in dem damals Herzog Heinrich der Löwe einen glänzenden Hoftag mit Bischöfen, Äbten und Grafen des sächsischen Landes abhielt. 1386 trat die Stadt dem Hansabund bei, unter dessen glänzender kaufmännischer Politik sie sich nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch geistig entwickelte. 1636 erlebte sie einen neuen Auftrieb, als sie Residenz wurde. Hier lebten und wirkten der Philosoph Leibniz und Händel als Hofkapellmeister, die Dichter und Schriftsteller Boie, Hölty, Leisewitz und Freiherr von Knigge, der in der ganzen Welt bekannte Verfasser des „Umgangs mit Menschen". Der Komponist Marschner, der Maler Friedrich August Kaulbach, der Städtebauer Laves, sind nur einige der damals so angesehenen Namen.

Alt-Hannover, dessen pittoreske Straßenbilder immer wieder das künstlerische Auge anziehen und entzücken, zeugt noch heute vom Reichtum des Mittelalters. Wie prächtig wirkt z. B. der Blick auf die Marktkirche (um 1350 vollendet), außerdem in die typisch mittelalterlichen Straßenbilder. An weiter bedeutenden Gotteshäusern sind hier zu nennen die St. Aegidlenkirche (um 1350 begonnen), die Kreuzkirche (seit 1333), die St. Clemenskirche, die die einzige rein italienische Kirche im deutschen Norden darstellt, die Neustädterkirche, in der Leibniz begraben liegt. Ein Muster der Backstein-Gotik ist das 1480 vollendete Alte Rathaus. Unerschöpflich ist die Mannigfaltigkeit baulich hervorragender Bürgerhäuser in Backstein, Fachwerk und Sandstein; an dieser Stelle ist vor allem das Leibnizhaus, der Wohnsitz des großen Gelehrten, zu nennen. Der Beginenturm (1357) ist einer der mächtigsten Reste der mittelalterlichen Befestigung. Heute ist dieser Bau mit Zeugamt (1649 vollendet), das Leihhaus. Sehenswert außerdem sind die Alte Kanzlei, ein Giebelhaus in Gotik, mit Renaissance-Einschlag, und das Haus der Väter (1621 erbaut, 1852 abgebrochen und in veränderter Form wieder aufgebaut).

Aus der Residenzzeit stammen: das Alte Palais, das Geburtshaus der Königin Luise von Preußen, deren Vater damals Statthalter in Hannover war; das Leineschloß, das auch wegen seiner Architektur besondere Aufmerksamkeit verdient. Mit der Stadt durch eine 2 km lange, vierreihige Lindenallee, die größte des Kontinents, verbunden ist Schloß Herrenhausen. Die Anlagen enthalten heute noch die Orangerie, die alte Sonnenuhr, einen Goldfisch- und 4 Schwanenteiche, die 67 m hohe große Fontäne und die Kaskaden; daran grenzt eine andere fürstliche Parkanlage, der sog. Berggarten mit Palmenhaus und Mausoleum.
Aus der Neuzeit stammen: Technische Hochschule, Neues Rathaus, Opernhaus, Stadthalle, die Turmhausbücherei der Stadtbibliothek, das Hochhaus des Hannoverschen Anzeigers mit Planetarium im  Kuppelbau und die Elfenriede, ein riesiger Waldpark mit bekannter Autorennstrecke; beim Vorort Anderten am Mittelland-Kanal liegt die Hindenburg-Schleuse, die größte Binnenschleuse Europas. Reste der Vergangenheit bergen das Provinzialmuseum, das Vaterländische Museum und das Kestner-Museum. Man vergesse nicht, den Zoologischen Garten zu besuchen; er besteht schon seit 70 Jahren und ist einer der bestbesetzten Europas. Nicht zu vergessen an dieser Stelle ist der Tiergarten, der einen Bestand von ca. 250 Stück Damwild aufweist. Die Stadt zählt heute etwa 450 000 Einwohner und besitzt bedeutende Industrie-Anlagen. Die Umgebung Hannovers zeigt äußerst reizvolle Landschaftsbilder. Ferne und nahe Ziele locken mit herrlichen Eindrücken: die Lüneburger Heide, die Weserberge, der Teutoburger Wald, der Solling, der Harz. Außer Hannover wird keine andere norddeutsche Stadt in nächster Nähe von soviel sehenswerten Orten umgeben, u. a. Hildesheim (30 km), romanischer Dom mit 1000jährigem Rosenstock, Rathaus und vielen Privathäusern aus der Zeit bis 1600; Celle (39 km), Schloß (um 1600 erbaut), Rathaus (1519); Hameln (46 km), Rattenfängerhaus (1602), Hochzeitshaus, ein Prachtgebäude mit 43 m Front (1610 erbaut); Bückeburg (56 km), reizende Residenz, Schloß, Volkstrachten; Braunschweig (65 km), Burg Dankwarderode, altes Rathaus (schon um 1450 vollendet), viele alte Bürgerhäuser; Bad Pyrmont (69 km), Frauenheilbad, prächtiges Schloß, Hauptallee - heute noch Mittelpunkt des Badelebens - (bereits 1688 angelegt); Goslar (84 km), viele Fachwerkbauten, Rathaus (15.-16. Jahrhundert), historisch. Gasthof Kaiserswerth, (schon 1494 erbaut, später verändert), Haus Brusttuch (1526), die Kaiserpfalz ist der größte heute noch erhaltene Palast Deutschlands aus romanischer Zeit.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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