ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 15 NÜRNBERG

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1934 oder 1935

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Nürnberg seit 1933, der nationalen Erhebung, die Stadt der Reichsparteitage, des Deutschen Reiches Schatzkästlein, ein Ehrenname, der keiner Begründung mehr bedarf, seit Richard Wagner mit den „Meistersingern" die beste und schönste Werbung für diese Stadt geschrieben hat. Es gibt wohl keine moderne Großstadt mehr, in der die Zeugen alter und großer Vergangenheit noch in gleicher Fülle erhalten geblieben sind. Schon 1050 wird der Name der Stadt genannt, die von 1219 bis 1806 Reichsstadt war, ein Zeitraum, in dem der Nürnberger Bürgerfleiß und Handelsgeist sich in Kriegs- und Friedenszeiten behauptete. Heute wie vor Jahrhunderten teilt die Pegnitz die Stadt in die Sebalder und Lorenzer Seite, nach den beiden prachtvollen Kirchen so genannt, heute wie in den Zeiten, als Hans Sachs lebte und dichtete, ist das alte Nürnberg in über fünf Kilometer Länge durch Gräben und Mauern eingeschlossen, die von zahllosen Türmen überragt sind, unter ihnen fünf besonders starke.

In der alten Stadt, der Sebalder Seite, überragt die alte Burg der Burggrafen und Kaiser - zu ihnen gehörten auch die Hohenzollern, ehe sie nach Brandenburg kamen - ein Gewirr von Straßen und Gassen, in denen man mit staunender Bewunderung vor den Häusern von Albrecht Dürer, Hans Sachs, Peter Vischer, Willibald Pirkheimer, Martin Behaim u. a. steht; hier lockt der Anblick der Sebalduskirche, das Wahrzeichen des Stadtbildes, das wunderbare geschlossene Bild des Hauptmarktes mit prächtigen Brunnen und der schönen Frauenkirche. Unter den vielen Patrizierhäusern, deren Pracht zum Verweilen anregt, mag man sich besonders das Haus „Zum goldenen Schild" ansehen, wo 1356 die „Goldene Bulle" mit der Ausschreibung des ersten Reichstages der deutschen Könige erlassen wurde. Hier steht auch das in der ganzen Welt bekannte und vielfach nachgeahmte „Bratwurstglöcklein", eine der ältesten deutschen Gaststätten. Die andere Seite der Pegnitz, die auch in der Literatur eine Rolle spielt (1644 wurde hier die Dichtergesellschaft „Blumenorden von der Pegnitz" gegründet, deren Mitglieder man spöttisch Pegnitzschäfer nannte), ist der Stadtteil der schönen Kirchen, unter denen man neben der Lorenzkirche vor allem der Katharinenkirche der „Meistersinger" seine Aufmerksamkeit schenken sollte. Auf dieser Seite liegen auch die modernen Geschäftsstraßen, die großen Museen, unter ihnen das Germanische Nationalmuseum, das in dieser so echt deutschen Stadt besonders beachtenswerte Schätze enthält. Hohe Domspitzen überragen das Gewirr der Dächer. Über allem aber erhebt sich auf verwittertem Fels die alte graue Kaiserburg. Mit ihren ungleichen Fensterreihen, mit Turm und Fachwerk ein bezaubernder Anblick. - Die Ausstattung der Patrizierhäuser hat manchen Meister zu Leistungen angeregt, die die Jahrhunderte überdauert haben und heute noch bewunderte Vorbilder sind. Die Inneneinrichtung der Kirchen und der öffentlichen Gebäude blieb nicht dahinter zurück. Herrliche Brunnenanlagen, in denen gewitzte Künstler aus manchmal unscheinbaren Motiven hervorragende Kunstwerke erstehen ließen, schmücken in reizender Anpassung die Stadt. -

Während weltabgeschieden die alten Häuser und ihre Höfe von der glorreichen Vergangenheit träumen, brandet in den Straßen lebhafter Verkehr. Nürnberg ist heute mit über 400000 Einwohnern eine moderne Stadt, einer der bedeutendsten Industrie- und Handelsplätze Süddeutschlands mit allen Vorzügen einer Großstadt auf künstlerischem, kulturellem und sportlichen Gebiet. Schöne Siedlungen und herrliche Grünanlagen, große Wälder, in deren Umgebung sich die Bienenweiden bergen, die Basis der berühmten Honig- und Lebkuchenindustrie.

Ein großartiger Tierpark, der sich den bekanntesten seiner Art an die Seite stellen kann, und ein Stadion, das auf der Olympiade 1928 als das schönste und zweckmäßigste der Welt anerkannt und deshalb mit der Goldenen Medaille prämiiert wurde, ein Planetarium usw. vervollständigen das Bild. Auch an großzügig angelegten Vergnügungs- und Erholungsstätten fehlt es nicht, und Dutzendteich, Schmausenbuck, Platnersberg haben nicht nur bei den Einheimischen guten Klang.

Nach allen Richtungen bieten sich vom Standquartier Nürnberg aus auf guten Straßen fesselnde Ausflugsmöglichkeiten. Zum Maintal nach Würzburg hin, der alten Bischofsstadt, im fränkischen Weinland, in die Fränkische Schweiz, zur Donau hin öffnet sich die Welt. Ein eigenes Erleben ist es, wenn wir durch die Gassen alter Reichsstädte schlendern, wie Weißenburg, Dinkelsbühl und Nördlingen, oder den geheimnisvollen Zauber genießen, der sich über Rothenburg oder Bamberg breitet. Die herrliche Silhouette Regensburgs von der alten Donaubrücke aus gesehen, die Walhalla, die weit ins Land sieht, oder das Mahnmal der Befreiungshalle oberhalb Kelheims, keines ist dem andern vergleichbar. Das gilt für den Steigerwald mit seinen Klöstern und Burgen, für das ernste Schweigen der Granit- und Waldwildnis des Fichtelgebirges, für die Rhön und den Frankenwald und erst recht für den Bayrischen Wald. Nicht zu reden von seinen Bädern, die Weltruf genießen. Nürnberg ist der geographische wie der kulturelle Mittelpunkt dieses fränkischbayrischen Landes.

 

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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