
| SHELL STADTKARTE Nr. 16 STUTTGART | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1934 oder 1935 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
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Stuttgarts Name wird heute unter den deutschen Grossstädten mit besonderer Achtung genannt. Was man an dieser schmucken Stadt, der Hauptstadt des vielbesungenen Schwabenlandes, bewundert und rühmt, ist nicht allein die einzigartige, entzückend schöne Lage inmitten grüner Hügel und waldbedeckter Höhen, sondern vor allem ihre grosse Lebendigkeit, das kräftigfrische künstlerische und wirtschaftliche Leben, das in ihr pulsiert. Der rege Unternehmungsgeist ihrer jetzt 400 000 Einwohner hat das Gepräge der Stadt völlig geändert. Viel Altes und überlebtes ist gefallen und durch Besseres, Modernes ersetzt worden; sehr viel Wertvolles aus früheren Jahrhunderten aber wird auch jetzt noch sorgsam gehütet und gepflegt. Das Alte und das Neue verbindet sich wie selten irgendwo zu einem prächtigen harmonischen Ganzen. Stuttgart ist eine moderne, stark aufstrebende Großstadt geworden. Staunend steht man vor dem 1922 in Betrieb genommenen Hauptbahnhof, der mit seinen wuchtigen Zweckformen der einfachste, monumentalste und dabei schönste Bahnhof Europas genannt wird. Der Schloßplatz, den gärtnerischen Anlagen, grosse Fontänen und schöne Denkmäler zieren, darunter die 30 Meter hohe Jubiläumssäule, ist umsäumt von Monumental- und Prunkbauten aus den verschiedensten Bauperioden. Hier sehen wir das trotz aller Grösse elegante und ausgeglichen zierliche ehemalige Residenzschloss (1746/1806), Neues Schloß genannt, dem sich südwestlich die massigen Mauern des turmbewehrten Alten Schlosses (aus dem 16. Jahrhundert, ehemals Wasserburg) mit seinem weltberühmten, bei dem großen Schloßbrand im Dezember 1931 unversehrt gebliebenen Arkadenhof aus der deutschen Renaissance zugesellen, sodann nordwestlich den langgestreckten Königsbau (1856), der mit schweren jonischen Säulenreihen prunkt, und östlich das neue Kunstgebäude (1913) von Theodor Fischer. Im Osten entzücken im Sommer im „Rosengarten" prächtige Erzeugnisse der Stuttgarter Gartenkunst und Kunstgärtnerei. Stuttgart ist eine Gartenstadt. Wenige Schritte vom Schloßplatz entfernt steht der Doppelbau des Landestheaters, 1912 von Prof. Littmann-München erstellt. Vollendet schön und edel bietet er sich als ein Muster klassischer Baukunst dem Auge dar. Caruso bezeichnete das Stuttgarter Landestheater als das schönste der Welt. Den Eingang zu den Schloßgartenanlagen von 3 km Länge schmückt ein großes marmornes Denkmal, die „Eberhardsgruppe". 
Reich ist die Stadt an ausgedehnten Garten- und Parkanlagen. Es seien hier nur drei genannt: der inmitten des gewaltigen Häusermeeres gelegene Stadtgarten, sodann der 24 ha grosse Stadtpark in der unteren Stadt, in dessen Mitte das Schloß Villa Berg liegt, das die vornehm-prächtigen Repräsentationsräume der Stadtverwaltung und außerdem die städtische Gemäldesammlung enthält, und die lieblichen Anlagen um den Kursaal, in dem mit heilkräftigen Mineralquellen so reich gesegneten Stadtteil Cannstatt. 
Die nähere und die weitere Umgebung Stuttgarts bieten reiche Gelegenheit zu höchst lohnenden Ausflügen: Durch schöne Wälder gelangt man zu dem berühmten Rokoko-Jagdschloss Solitude, 1763/67 von Herzog Karl Eugen erbaut, bekannt durch den Aufenthalt Schillers in der damaligen Hohen Karlsschule. In einer halben Autostunde ist die Oberamisstadt Ludwigsburg zu erreichen, die die schönste und grösste Barock-Schlossanlage Deutschlands besitzt und in deren Nähe, an einem grossen See, das reizende Lustschloß Monrepos (1764) liegt. Weiter entfernt laden die aussichtsreiche Teck und das Schlößchen Lichtenstein, einer der meistbesuchten Punkte der Schwäbischen Alb, 817 Meter über dem Meere, in wundervoller Lage auf senkrecht abstürzendem Felsen erbaut, zum Besuche ein. Über die romantisch am Neckar gelegene Universitätsstadt Tübingen gelangt man zur Burg Hohenzollern, der Stammburg des früheren deutschen Kaiserhauses, und nach der im schönen Donautal gelegenen Stadt Sigmaringen. 
Im Schwarzwald bilden starke Anziehungspunkte die Städte Freudenstadt (Höhenluftkurort) und Wildbad (Thermalbäder). Überall, wohin das Auge blickt, hat der Wanderer eine wundervolle Aussicht. Schlösser, Burgen und Ruinen mit grosser Vergangenheit grüßen herüber; rebenreiche Täler in schönster Entfaltung zeigen sich: überall bekommt man Beweise für die Richtigkeit des Wortes, dass das Schwabenland „das schönste Land in deutschen Gauen" ist. 
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