
| SHELL STADTKARTE Nr.
19 BOCHUM |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Titelbild: Hochofenanlage | Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag: SHELL
Deutschland Holding GmbH | Originalpreis: k.A. | | Direkt
zum Stadtplan |
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Shell-Stadtkarte
Nr.19 Bochum 
Bochum erstand am Kreuzungspunkt zweier
uralter Heerstraßen (Hellwege) und hat schon im frühen
Mittelalter einen großen Ruf gehabt. Er bestand darin, daß
die Stadt mit ihrem Reichshof zugleich der Verwaltungsmittelpunkt
der Grafschaft Bochum war und somit einem ausgedehnten
Gebiet wirtschaftlich und kulturell die Richtung gab. Der
Gebietsumfang dieser Graftschaft entsprach dem jetzigen
zwischen Ruhr und Emscher gelegenen mittleren
Industriebezirk, zu dem außer Bochum die Stadtkreise
Wattenscheid, Gelsenkirchen, Wanne-Eickel, Herne,
Castrop-Rauxel, Witten und Hattingen gehören. Die erst in
den letzten 50 Jahren erfolgte Verselbständigung dieser
Städte hat die früheren Verwaltungszusammenhänge mit
Bochum nicht gelöst. Bochum ist auch heute noch der Sitz
wichtiger Behörden, die für diese Städte zuständig sind.
Das gilt auch für eine Reihe von Organisationen der
privaten Wirtschaft.

Aus den durch die geographische Lage und durch die
natürliche Beschaffenheit gegebenen
Entwicklungsmöglichkeiten heraus hat I sich Bochum vor
allen anderen Nachbarstädten in nur acht Jahrzehnten von
einer Ackerstadt zu einer wirtschafts- und kulturfördernden
Großstadt emporgeschwungen. Bochums machtvolles
Wirtschaftsleben veranschaulicht seine gewaltige Steinkohlen-,
Eisen- und Stahlindustrie. Als Kohlenstadt besitzt es
die modernsten Bergwerksanlagen, die erste Bergschule
Europas und die größte Versicherungsanstalt der
Welt in der Ruhrknappschaft. Weltbekannte Eisen- und
Hüttenwerke, die modernsten Röhrenwalzwerke Deutschlands,
Maschinen- und Fahrzeugfabriken von Ruf, chemische Werke und
eine mannigfaltige Klein- und Mittelindustrie bereichern das
industrielle Leben der Stadt. Für die Umgebung hat Bochum
Bedeutung als Handelsstadt. Das beweist der ständige
Zustrom von Käufern aus den Nachbarstädten. Mit seinem
engmaschigen Eisenbahn-, Straßenbahn- und Kraftverkehrsnetz
ist Bochum ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt
Westdeutschlands. Mit dem Wachstum der Wirtschaft und
des Verkehrs hat eine Modernisierung der kommunalen
Versorgungsbetriebe Schritt gehalten. Auch in städtebaulicher
Hinsicht hat Bochum in den letzten Jahren ein neues
Gesicht erhalten. Neben der Altstadt mit ihren malerischen
Fachwerkhäuschen sind in einer vom bunten Großstadtleben
erfüllten Geschäftsstadt neue öffentliche und private
Bauten entstanden, die Ausdruck eines neuen, eigenartigen
Baustils sind. Besonders zu nennen sind das Rathaus, die
Kommunalbank und das neue Hauptpost- und
Telegraphenamt. Wohnviertel und zahlreiche neue
Siedlungen vervollständigen das städtebauliche Bild.

Bochums Bedeutung für den Ruhrkohlenbezirk ergibt sich
nicht nur aus der privaten und kommunalen Wirtschaft,
sondern auch aus dem regen geistigen Leben, das der Stadt
eigen ist. Als Mittelpunkte einer Kunstgemeinde, die auch
die Nachbarstädte umfaßt, sind das Stadttheater und das Städtische
Orchester zu nennen. An anderen bildungsfördernden
Einrichtungen ist in Bochum kein Mangel. Die allmonatlich
wechselnden Ausstellungen der Städtischen
Gemäldegalerie finden stärksten Zuspruch aus der
Umgebung. Als Gegenstück befindet sich in dem alten
Rittersitze Haus Rechen das Städtische Heimatmuseum, das
durch die an den westfälischen Heimat- und Jobsiadendichter
Hofrat Dr. Arnold Kortum erinnernden Originalsammlungen mehr
als lokale Bedeutung hat. Ganz besonders sehenswert sind 2
Industriemuseen, das Geschichtliche Bergbaumuseum und
das Geologische Museum der Westfälischen
Berggewerkschaftskasse, die zu Lehranstalten von Weltruf
geworden sind. Als Stadt der Schulen verfügt Bochum
über sämtliche Systeme der höheren Schulen. Das Berufs-
und Fachschulwesen ist seiner Bedeutung für die
Industriejugend entsprechend ausgebaut. An besonderen
Fachschulen sind die Landwirtschaftsschule, die Höhere
Handelsschule, die Märkische Verwaltungsschule, die Schule
für Wirtschaft und Verwaltung, die Bäckerfachschule, die größte
Bergschule der Erde und die Verwaltungsakademie zu
nennen.

Wohl selten ist in einer Industriestadt
eine so glückliche Verbindung mit der Landschaft gegeben, wie
in Bochum. Bochum besitzt den größten Stadtpark des
Ruhrgebietes und grenzt mit seinen südlichen Stadtteilen
an die Ruhr, deren wasser-, wald- und burgenreiche Landschaft
die Aufmerksamkeit eines jeden Naturfreundes auf sich lenkt.
Die Eingliederung von Erholungsstätten in die Arbeitsstadt
hat Bochum durch den Ankauf des Rittersitzes Haus Kemnade und
der vielbesuchten Burg Blankenstein vorbereitet. Auch
der Sport in allen seinen Erscheinungsformen genießt in
Bochum eine zielbewußte Pflege.

Großstädtische Entwicklungen aller Art erkennt man im
heutigen Bochum. Es ist die Stadt, in der man die
wirtschaftlichen und kulturellen Lebensbedingungen des
größten und wichtigsten deutschen Wirtschaftsgebietes, des
Ruhrgebietes, in idealer Weise kennenlernen kann. Im
Mittelpunkt dieses Industriegebiets gelegen, ist Bochum der Ausgangspunkt
für Exkursionen deutscher und ausländischer
Studiengesellschaften. Modern eingerichtete Hotels und
Gaststätten, darunter Westdeutschlands neuester Hotelbau,
das Parkhotel Haus Rechen, schaffen den Fremden jede
Bequemlichkeit. Alle diese Faktoren haben bedingt, daß
Bochum in den letzten Jahren vielfach als Tagungsort von
zahlreichen Organisationen und Vereinen gewählt worden ist. 
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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |