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 | SHELL STADTKARTE Nr.
19 BOCHUM |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
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Titelbild: Rathaus, Ratshof |
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zum Stadtplan |
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Shell-Stadtkarte
Nr.19 Bochum

ist eine der wirtschaftlich und kulturell bedeutendsten
westdeutschen Industriegroßstädte. Erst um 1850 begann das
Tempo der rastlosen Entwicklung. Noch im Anfang des 19.
Jahrhunderts, zu Lebzeiten Kortums, des hier verstorbenen
Dichters der Jobsiade, zählte Bochum erst 2000, um die
Jahrhundertwende aber bereits 65 000 Einwohner. Jetzige
Einwohnerzahl: 320000. Der Name Bochum ist gleichbedeutend
mit dem mittelalterlichen Bokhem oder Buch-Heim, einer
Siedlung bei oder unter Buchen.

Bergbau, Eisen-, Stahl- und Maschinenindustrie und
Brauereien sind heute die Hauptfaktoren der Bochumer
Wirtschaft. Besonders erwähnt sei die älteste deutsche
Gußstahlglocken-Fabrik des Bochumer Vereins. Bochumer
Glocken erklingen in aller Welt. Eine Bochumer Glocke wird
auch das größte internationale Ereignis des Jahres 1936, die
Olympiade, im Deutschen Olympia-Stadion in Berlin einläuten.
Nach der Bergbaustatistik werden im Bochumer
Wirtschaftsbezirk jährlich über 38 Millionen Tonnen
Steinkohlen gefördert, das sind rund 31 Prozent der
Steinkohlenförderung des rheinisch-westfälischen
Industriegebietes. 67,5 Prozent der Bevölkerung finden
Arbeit und Brot in Industrie und Handwerk, 14,1 Prozent im
Handel und Verkehrswesen. Trotz dieses industriellen
Charakters hat sich ein bodenständiges Bauerntum erhalten,
das nach Westfalenart fest und zäh an der heimischen Scholle
festhält. Im Zeichen der Zechen und Hüttenwerke wird die für
eine Industriestadt bemerkenswerte Zahl von 220 Erbhöfen
bewirtschaftet.
Eine wichtige Stellung hat Bochum im politischen Leben
durch den Sitz des Gaues Westfalen-Süd der NSDAP. Ferner
sind zahlreiche Behörden, wirtschafts- und sozialpolitische
Körperschaften und Verbände in Bochum ansässig. Erwähnt
seien u. a. die Reichsbetriebsgemeinschaft Bergbau der
Deutschen Arbeitsfront, die alle Erwerbstätigen des
deutschen Bergbaues erfaßt, die Ruhrknappschaft, der größte
deutsche soziale Versicherungsträger und die
Knappschaftsberufsgenossenschaft, die Westfälische
Berggewerkschaftskasse mit ihren wissenschaftlichen
Einrichtungen und Lehranstalten, die Deutsche
Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung, der Westdeutsche
Zementverband usw.

Ein Ausgleich zu dem industriellen Charakter der Stadt
sind ihre kulturellen Bestrebungen. Zu den führenden
deutschen Bühnen gehört das Stadttheater. Den Ruf als
Musikstadt hat das ausgezeichnete Städtische Orchester
begründet. Bildende Kunst pflegen die Städtische
Gemäldegalerie, Heimat- und Volkstumskunde das Heimatmuseum.
Anerkannte deutsche Sehenswürdigkeiten sind das
Bergbaumuseum, eine umfassende Schau der Entwicklung des
Bergbaues von der Frühzeit bis zur Gegenwart und das
Geologische Museum mit seinen reichhaltigen mineralischen
und vorgeschichtlichen Sammlungen. Geistige, insbesondere
fachliche Bildung vermitteln zahlreiche höhere und
Fachschulen und wissenschaftliche und künstlerische
Vereinigungen (u. a. Verwaltungsakademie, Hochschule für
Politik).
Längst ist auch das Vorurteil gegen Bochum als eine
vermeintlich düstere, rauchgeschwärzte Industrielandschaft
überwunden. Sehenswert sind die in den letzten Jahren
entstandenen öffentlichen und privaten Großbauten. Als
besondere Sehenswürdigkeiten seien erwähnt: Das neue Rathaus
mit beachtenswerten Kunstwerken und klangvollem
Glockenspiel, die Kommunalbank„ das Parkhotel Haus Rechen.
Eine umsichtige Stadtplanung fördert r;ie städtebauliche
Entwicklung durch Schaffung vorbildlicher Wohnviertel und
Siedlungen. Was das Stadtbild ferner auszeichnet, sind die
in einer Industriegroßstadt nicht vermuteten ausgedehnten
Grünflächen, wie der 140 Morgen große herrliche Stadtpark,
der Südpark und in den südlichen Randteilen das schöne
Ruhrtal mit seinen zahlreichen Ausflugszielen, der alten
Wasserburg Haus Kemnade und der mittelalterlichen Burg
Blankenstein, wo im 14. Jahrhundert der damalige Landesherr
aus dem Geschlechte von der Mark der Bauernschaft Bochum die
Stadtrechte verlieh. So bietet Bochum in ausgezeichneter
Weise Gelegenheit, die Eigenart des Ruhrgebietes und die
Lebensweise des schaffenden Industriemenschen kennenzulernen.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |
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