
| SHELL STADTKARTE Nr. 1 BERLIN | | Verlag: SHELL Reisedienst | Titelbild: Brandenburger Tor: Siegesgöttin | Erscheinungsjahr: 1935/36 | Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
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Shell Stadtkarte Nr.1 Berlin

(Original Texte und Bilder aus der Shell-Stadtkarte) Nicht mit geschlossenen Augen soll der Fremde durch die Stadt wandern, sondern nach Möglichkeit alles sehen und erleben, was er an Sehenswertem in der Hauptstadt erreichen kann. Zu groß ist die Fülle des Gebotenen, nur das Markanteste kann hier angeführt werden. Wie könnte man auch in dem kurzen zur Verfügung stehenden Raum alles aufzählen, was Berlin, nach London, New York und Tokio die viertgrößte Stadt der Welt, mit ihren 41/s Millionen Einwohnern an versteckten Sehenswürdigkeiten und Erinnerungen aus vergangener Zeit sowie an modernen Werten der Gegenwart zu bieten vermag? Auf dem Boden der einstigen „märkischen Sandstreubüchse" ist eine Großstadt entstanden, die wie keine andere Stadt des Deutschen Reiches der Brennpunkt des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens geworden ist. Aus den beiden Fischerdörfern Kölln und Berlin hervorgegangen, die sich 1307 vereinigt haben, stand Berlin im 13. Jahrhundert an der Spitze des märkischen Städtebundes. Später als Mitglied der Hanse wurde Berlin durch Kurfürst Johann Cicero 1486 zur Residenzstadt erhoben und unter dem Großen Kurfürsten und den späteren Hohenzollernkönigen eine Stadt von immer größeren Ausmaßen. Als Berlin 1871 nach dem deutschfranzösischen Krieg zur Reichshauptstadt erwählt wurde, war ihr das Kleid zu eng, das sie trug. Immer mehr breitete sie sich aus und umfaßt heute mit allen eingegliederten Städten und Gemeinden einen Raumumfang von 885 qkm. Berlin ist der wichtigste Sammelpunkt aller wirkenden Kräfte im Wirtschaftsleben von ganz Deutschland, führend in Kunst und Literatur, Standort der bedeutendsten wissenschaftlichen Institute. Mittelpunkt des deutschen Eisenbahnnetzes, eine bedeutende Hafenstadt seit Anlegung der Großschiffahrtswege, auf denen Schiffe mit 600 bis 1000 Tonnen verkehren können und selbstverständlich auch durch Anlage des Zentralflughafens Mittelpunkt des deutschen Flugverkehrs. Die landschaftliche Lage der Stadt ist sehr reizvoll, bedingt durch den großen Kranz der Waldungen und Forste, die die Stadt umgeben und durch das überreiche Seengebiet der Havel und Spree. Eine unendliche Kette von Seen, die sich an Lieblichkeit überbieten, umgibt die ganze Stadt und an deren Ufern erstanden die bekannten und bevorzugten Villenorte wie Wannsee, Tegel, Friedrichshagen, Erkner usw. Und nun einen Bummel durch die Stadt.
 Übersichtskarte von Berlin
Männer von unsterblichem Ruf schufen Bauten und Denkmäler und formten dadurch Berlin zu der architektonisch an Kunstschätzen so reichen Stadt. Andreas Schlüter, Eosander von Goethe, Gontard, Erdmannsdorff, Naht, Karl Gotthard Langhans, Nehring von Knobelsdorff sind nur einige derjenigen, die durch ihre Arbeit innen- und außenarchitektonisch unschätzbare Werte hinterlassen haben. Eines der Wahrzeichen Berlins das Berliner Schloß, ein ragendes Monument des Barocks mit ungeheuer reichen Schätzen in seinem Innern, die im Schloßmuseum vereinigt sind. Die Kunst der französischen Renaissance wie des französischen und des deutschen Barocks fesselt überall das Auge. Weiter ist zu nennen Schloß Monbijou mit dem Hohenzollernmuseum, den Sammlungen von Erinnerungsstücken an die brandenburgisch-preußischen Herrscher, Kronjuwelen, Gemälden und Skulpturen, ferner Schloß Bellevue mit einer städtischen Sammlung für deutsche Volkskunde, deutsche Volkskunst, Hausmodelle und Trachten, sowie Schloß Charlottenburg mit der Goldenen Galerie, eines der großartigsten Werke der Interieurkunst des Rokoko. Hinter dem Schloß das Mausoleum mit den Grabstätten Friedrich Wilhelms III. und Kaiser Wilhelms I. Die Berliner Museen haben einen Umfang erreicht, der dem des weltberühmten Louvre oder Britischen Museums gleichkommt. Sie enthalten Schätze aller Zeiten, Völker und Kulturen. Die ägyptische, griechische und römische Antike beherbergt das Alte Museum. Monumental das Pergamon-Museum, das zahlreiche Ausgrabungen griechischer und römischer Architektur enthält. Die Aufstellung des Milet-Tores und des Zeusaltars aus Pergamon sind Sehenswürdigkeiten ersten Ranges, Wilhelm v. Bode hat im Kaiser-Friedrich-Museum unschätzbare Werte zusammengetragen. Die Schätze der Islamischen Kunstabteilung, das Münzkabinett und hauptsächlich der große Reichtum an Werken der Malerei und der Plastik von der altchristlichen Zeit bis zum Rokoko aus aller Herren Länder, ferner die Sammlungen italienischer Bildwerke und Gemälde der holländischen und der flämischen Malerei sind hier vertreten. Die künstlerischen Werte Ostasiens beherbergt das Museum für Völkerkunde, die Sammlungen aller Waffenzweige vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart mit ungeheuer vielen historischen Andenken und Fahnen das Zeughaus, ein Werk Schinkels. Das Märkische Museum der Stadt Berlin vereinigt in sich die Kulturgeschichte der Stadt, sowie das Werden und Wesen der weiteren Heimat der Berliner. Das Reichspostmuseum hingegen gibt eine ungemein interessante Darstellung des Verkehrswesens aller Zeiten und Völker. In allen Museen spiegelt sich die große Tradition preußischer Geschichte und der Kulturwille des deutschen Volkes wider, In der berühmtesten 60 Meter breiten Straße Berlins Unter den Linden wechseln Schiffsagenturen für den Überseeverkehr, moderne Läden, diplomatische Vertretungen, Hotels von internationalem Ruf und Sehenswürdigkeiten miteinander ab. Das Palais Kaiser Wilhelms I. mit dem historischen Eckfenster, das Preußische Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges, die Nationalgalerie im früheren Kronprinzenpalais mit Sammlungen von Gemälden und Plastiken neuerer Meister, während die Sammlungen älterer Meister in der zweiten Nationalgalerie vereinigt sind. Am Eingang der Linden das Brandenburger Tor, 1788-91 von Langhans erbaut, das einen prachtvollen Abschluß der breiten Straße zum Eingang in den großartigen Park, auf den Berlin stolz ist, den Tiergarten bildet. Die auf unserem Titelbild wiedergegebene Quadriga von Schadow krönt den Aufsatz des Brandenburger Tores. Um und im Tiergarten Bauten und Denkmäler in reicher Fülle. Das im Stil der italienischen Hochrenaissance von Wallot erbaute Reichstagsgebäude, vor diesem die Denkmäler des Fürsten von Bismarck und von Moltke, die wuchtige 61 Meter hohe Siegessäule, die Siegesallee mit den 32 Standbildern der brandenburgisch-preußischen Herrscher und ihrer Paladine und der Rolandbrunnen.

Der Zoologische Garten in Berlin oder „Zoo" wie er im Berliner Volksmund kurz genannt wird, ist eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Von Jahr zu Jahr geht man hier immer mehr dazu über, die Anlagen in einen Naturschutzpark umzuwandeln, d. h. die Gitter zu entfernen und den einzelnen Tieren Freianlagen je nach ihren Daseinsbedürfnissen zu schaffen- So hat Professor Dr. Heck eine der großartigsten Anlagen durch Einführung des Kindergartens geschaffen, wo alles Jungtier, selbst der Raubtiere, frei herumläuft und zu den Menschen zutraulich wird. Der vorbildlich angelegte Brunnenkurbetrieb im Zoo verdient besondere Erwähnung. - Immer mehr hat sich im Laufe der Jahre das weltstädtische Getriebe nach dem Westen verlegt, wo in unzähligen Gast- und Vergnügungsstätten sich das Leben der Weltstadt widerspiegelt. Für den, der einmal in Berlin gewesen ist, bedeuten Namen wie Tauentzienstraße, Kurfürstendamm, Gedächtniskirche, Adolf-Hitler-Platz, Funkturm, Ausstellungshallen, Deutschlandhalle, Avus eine unlösliche Verbindung mit dem Begriff des Berliner Westens.
An den Grenzen der Stadt haben alle Sportbetriebe ihr Heim. Die großen Rennbahnen, wie Grunewald, Hoppegarten, Karlshorst, Ruhleben und Mariendorf, das Reichssportfeld, wo die Olympischen Spiele 1936 stattfanden, die großen Tennisplätze Rot-Weiß und Blau-Weiß, wo manchmal die Entscheidungen um den Davis Cup fallen, die Ruder-, Segel- und Bootshäuser der Wassersportvereine und vor allem Dingen die Strandbäder, an ihrer Spitze das Strandbad Wannsee, eine Riesenanlage, in der Hunderttausende von Menschen auf einem Strand von ungewöhnlichen Ausmaßen in Luft, Licht, Sonne und Wasser Erholung finden. Dies nur ein kleiner Ausschnitt. Es wird niemand enttäuscht sein von einem Besuch der deutschen Hauptstadt, darum kommt und seht! In Berlin steht Ihnen der Berliner Verkehrsverein Mühlendamm 1 mit seinen Auskunftsstellen „Berlin und Brandenburg" Unter den Linden 1 (werktags 9-19 Uhr, sonntags 8-13 Uhr) und Potsdamer Platz 1 Columbushaus (werktags 9-19 Uhr) zur Verfügung.
 Stadtplan von Berlin
Rundfahrt durch Berlin: Die in dem umseitigen Plan rot eingezeichnete Rundfahrt findet ihre Fortsetzung von der Berliner Straße in Charlottenburg ab durch ein kurzes Stück der Spandauer Straße bis zum Charlottenburger Schloß, hier dann links abbiegend durch die Schloßstraße zum Sophie-Charlotte-Platz und Kaiserdamm, von hier weiter zum Adolf-Hitler-Platz und dann zurück durch die MasurenAllee zum Ausstellungsgelände am Funkturm, alsdann durch die neue Kantstraße und links abbiegend am Litzensee-Ufer entlang (von dort hübscher Blick auf ein vornehmes Wohnviertel), durch die Witzleben-Straße zurück zur Kantstraße. An der Ecke Kantstraße Wilmersdorfer Straße wird rechts abgebogen bis zum Kurfürstendamm, dann geht die Fahrt weiter links den Kurfürstendamm entlang. Von hier ab läßt sich die Rundfahrt wieder an Hand der Karte verfolgen. Ausflug nach Potsdam letztere Straße eine ganz neue breite Autostraße. Über die Wannseebrücke hinweg, durch das Villenviertel, vorbei lins am Golf- und Landklub zur Glienickerbrücke, wo linkerhand in prachtvoller wald- und seenreicher Umgebung das Schloß Neu Babelsberg sichtbar wird. Wir fahren in Potsdam ein, der Stadt Friedrichs des Großen, der Stadt ruhmvoller preußischer Geschichte. Eine feste Norm zur Durchfahrt durch Potsdam läßt sich nicht geben, jedes Viertel atmet Geschichte, Kunst und Natur. Die oberen 600 Häuserstehen noch in der gleichen Form wie zur Zeit Friedrichs des Großen. Bei einer Durchfahrt durch die Stadt und einer Schleifenfahrt um dieselbe wird man folgende Punktebesichtigen müssen: Nikolaikirche, ein antiker Kirchenbau von Schinkel, die Garnisonkirche von Gerlach mit dem berühmten Glockenspiel, im Innern die Gruft Friedrichs des Großen und seines Vaters Friedrich Wilhelms 1., das Stadtschloß, der Wintersitz des Alten Fritz, die Bittschriftenlinde an der Hauptstraße, der lange Stall und der Paradeplatz. Nunmehr wendet man sein Augenmerk auf die herrlichen Garten- und Parkanlagen in Potsdam, in denen die großartigen Bauten friderizianischer Zeit liegen, wie Schloß Charlottenhof, der Wohnsitz Friedr. Wilhelms IV. als Kronprinz, das Japanische Haus, die größte Schloßanlage des Alten Fritz, das Neue Palais mit reichem bildnerischen Schmuck an der Außenfront und prachtvoller Inneneinrichtung, der Wohnsitz Kaiser Wilhelms 1I., der antike Tempel mit dem Grabmal der letzten Kaiserin Auguste Viktoria, das Orangerieschloß mit den berühmten großen Wintergärten für seltene exotische Pflanzen, die Historische Mühle und das schönste aller Schlösser, das Weinbergshaus Friedrichs d.Großen, das Schloß Sanssouci, in dem er 40 Jahre gelebt hat und gestorben ist. Das Schloß wurde nach seinen eigenhändigen Skizzen im Rokokostil erbaut und beherbergt sehenswerte Räumlichkeiten. Die Ausfahrt nimmt man durch das Nauener Tor, durchfährt auf prachtvollen Straßen die ungemein wald- und seenreiche Umgebung, durcheilt Glienicke, erreicht schließlich die große Döberitzer Heerstraße, die Türme von Spandau werden sichtbar, biegt auf der Heerstraße rechts ab, überquert die Havel auf einer großen herrlichen Brücke und kommt auf schnurgerader Straße über den Adolf n Hitler: Platz, Kaiserdamm, Tiergarten, Großer Stern zum Brandenburger Tor. Wenn auch die ganze Rundfahrt nur annähernd 70 km beträgt, so muß man für eine eindrucksvolle Besichtigung von Potsdam schon einen Tag opfern.
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