ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 20 BREMEN

Verlag: SHELL Reisedienst

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT

Originalpreis: k.A. (War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.)

Titelbild: Roland

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Shell-Stadtkarte Nr.20 Bremen

Bremen eine altgermanische Gründung, 788 durch Karl den Großen zum Bistum erhoben, 965 Marktrecht, im 11. Jahrhundert erste Blüte als Handelsstadt, 1158 Riga von Bremer Kaufleuten gegründet. 1278 Beitritt zur Hansa, später mehrfach ausgeschlossen, 1402 Roland der Riese am Rathaus errichtet, 1646 noch Freie Reichsstadt, 1827 Bremerhaven von Bürgermeister Johann Smidt gegründet, 1857 Geburt des „Norddeutschen Lloyd". 1933 zählte Bremen 323000 Einwohner. Handel und Schiffahrt bildeten schon seit Jahrhunderten das Hauptarbeitsgebiet der Bevölkerung; durch seine Stellung als Einfuhrhafen wurde es in der Neuzeit noch der Sitz wichtiger Verarbeitungsstätten für importierte Rohstoffe, Die größten und bekanntesten Betriebe aus Handel, Schiffahrt und Industrie sind: der „Norddeutsche Lloyd" (am 1. 1. 30 489 Fahrzeuge mit 955000 Br.-R.-T., darunter „Europa" und „Bremen"), Deschimag-Schiffbau, Bremer Vulkan (Vegesack), Hansa-Lloyd Automobile, Goliath-Eilwagen, Kaffee Hag, Brinkmann-Tabak, Vogelsang-Tabak, Norddeutsche Wollkämmerei (N. W. K.), Focke-Wulff-Flugzeuge; weitere Industrien erzeugen Maschinen oder verarbeiten Getreide, Holz, Jute und Reis; außerdem ist Bremen bedeutend als Stapelplatz und Börse für Schaf- und Baumwolle.

Der Reichtum der Stadt drückte sich schon im Mittelalter in ihren Bauten aus: anerkannte Sehenswürdigkeiten sind: das alte Rathaus, 1405-1409 in gotischem Stil errichtet, 1609-1612 durch Renaissance Fassade mit niederländischem Einschlag erweitert, 1909-1913 weiterer Anbau hinzugefügt. Der Ratskeller mit Weinen aus dem 17. Jahrhundert, in der Neuzeit bemalt von Max Slevogt mit Fresken zu Wilh. Hauffs Novelle: „Phantasien aus dem Bremer Ratskeller". Der St. Petri-Dom, 1003 begonnen, Ende 19. Jahrhunderts Türme stark erneuert, in einem Anbau des Domes der Bleikeller mit mumifizierten Leichen (z. T. noch aus dem 15. und 16. Jahrhundert), die Liebfrauenkirche, der schiefe Turm aus dem 11. Jahrhundert, das Kirchenschiff aus dem 13. Jahrhundert, in ihm befindet sich die sogenannte „Trese" (Tressor), die Schatzkammer der Bürger. Die Ansgarikirche, mit dem höchsten - 102 m hohen - Turm der Stadt, Baubeginn 13. Jahrhundert. Der Schütting als Gildehaus für die Kaufleute von 1537-1594 gebaut (Ende 19. Jahrhundert renoviert), über dem Portal der alte Wahlspruch: „Buten und Binnen, Wagen und Winnen". Die Stadtwaage, Baujahr 1587. Das Essighaus, erbaut 1591, das schönste Bremer Patrizierhaus. Das Kornhaus, erbaut 1591, das Amtsfischerhaus aus dem Jahre 1759, zuerst Gildehaus, heute historische Gaststätte. Das Gewerbehaus, 1619 als Gildehaus errichtet und stark erneuert. Die Böttcherstraße, eine alte Handwerkergasse beim Marktplatz mit Altbremer Traditionen. Besonders sehenswert: das Paula-Becker-Modersohnhaus und das Roseliushaus. Das Weserwehr, Stauwerk mit Schiffsschleuse und Fischstiegen zur Oberweser. Der Osterdeich, Rest der früheren Befestigungswälle. Museen: das Focke-Museum (Bremer Kultur und Kunstgewerbe), die Kunsthalle am Ostertor (berühmte Meister aus dem 17. Jahrhundert, Franzosen, moderne Plastiken und Kupferstiche), das Städt. Museum (für Natur-, Völker- und Handelskunde).

Eine besondere Rolle spielt der Hafen; er umfaßt mit Bremerhaven zusammen 22 Hafenbecken für tiefgehende Seeschiffe mit 43 km Liegeplätzen, 300 Kräne von 1,5 bis 125 Tonnen Tragfähigkeit, 40 Kaischuppen von 200 bis 400 m Länge mit 365000 qm Lagerfläche, der gleiche Lagerraum erstreckt sich außerdem in den städtischen und privaten Speichern. 170 regelmäßige Schiffahrtslinien führen von Bremen nach allen bedeutenden Seehäfen der Erde.
Die Umgebung Bremens setzt sich zusammen aus Wasser, Geest (sandige Heideflächen), Marsch und Moor und enthält die charakteristischen niedersächsischen Bauernhäuser.

Vorschläge für Auto-Ausflüge;

  1. Weserabwärts: Bremen - 18 km - Vegesack (Schiffswerften) - 55 km - Bremerhaven (seine Häfen dienen hauptsächlich dem überseeischen Passagierverkehr; an der sogenannten „Columbus-Kaje" legen Riesendampfer wie „Europa" und „Bremen" an) - auf der Heidestraße zurück - 56 km - Bremen (zusammen 129 km).
     
  2. Weseraufwärts: Bremen - 33 - Verden/Aller - 43 - Walsrode Luftkurgebiet am Böhmetal; evtl. Abstecher nach Fallingsbostel, in der Nähe die „Sieben Stelnhäuser" (eine altgermanische Kultstätte) - 15 - Visselhövede - 20 - Rotenburg - 40 - Bremen (zusammen 151 km).
     
  3. Nach Worpswede: Bremen - St. Magnus - Osterholz - Worpswede (Künstlerkolonie, 1895 gegründet von Mackensen, Modersohn, Overbeck, Hans am Ende, Vogeler u. a.) - Trupermoor - Lilienthal - Horn - Bremen (Kilometerzahl richtet sich nach Zustand der Landwege und Nebenstraßen).
     
  4. Ins Oldenburgische: Bremen -13- Delmenhorst -31- Oldenburg (Schloß) - 34 - Varel - Varelerbusch (Urwaldbestände) - Rastede mit großherzogl. Schloß und Pelztierfarmen -27- Wilhelmshaven/Rüstringen (Kriegshafen der Nordseestreitkräfte - 41 -- Westerstede (zwischen Westerstede und Oldenburg das Zwischenahner Meer) - 28 - Oldenburg - 44 - Bremen (zusammen 218 km).

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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