ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 22 KÖNIGSBERG

Verlag: SHELL Reisedienst

Titelbild: Schloß

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.22 Königsberg

Der Deutsche Ritterorden erbaute 1225 auf den Trümmern einer alten Pruzzenfestung die Burg Königsberg, die ab 1457 Residenz des Hochmeisters wurde; der letzte Ordensfürst war Prinz Albrecht von Brandenburg, der 1525 zur Reformation übertrat, den Ordensstaat verweltlichte und 1544 die Albertina-Universität gründete. 1618 kam Preußen durch Erbschaft an Brandenburg, dessen Kurfürst sich 1701 Im Königsberger Schloß zum König von Preußen krönen ließ; bald ging der Name „Preußen" auch auf die altbrandenburgischen Gebietsteile über. 1724 wurde Immanuel Kant geboren, der sein ganzes Leben in Königsberg zubrachte und 1804 hier starb. Im Frühjahr 1813 war Königsberg der Stützpunkt der Patrioten wie York, Stein, Arndt usw„ die von hier aus den Aufstand gegen Napoleon einleiteten, Während des Weltkrieges war Königsberg noch Festung und konnte sich erst nach 5chleifung des Rayons wirtschaftlich voll entfalten.

Es zählt heute rund 300000 Einwohner, Ist Welthandelsplatz für Linsen und wichtiger Umschlagshafen für den Nord- und Osteuropahandel mit Getreide, Hülsenfrüchten, Holz und Flachs. Der in Pillau beginnende über 8 m tiefe Seekanal ermöglicht auch tiefgehenden Seeschiffen die Einfahrt in den Hafen, in dem sich die größten Getreidesilos des Festlands erheben. Seit 1920 ist die deutsche Ostmesse das Sprachrohr der durch den polnischen Korridor abgetrennten Provinz Ostpreußen.

Die älteren Sehenswürdigkeiten der Stadt hängen eng mit dem Ritterorden zusammen; vor allem das Schloß, zu dem in fast 700 Jahren alle Baustile beigetragen haben, mit Krönungskirche, Moskowilersaal, zahlreichen historischen Gemächern, Kunstsammlungen, Heimatmuseum und dem „Blutgericht", einer eigenartigen, aber sehr stimmungsvollen Weinstube; der Dom, ein typisch nordischer Backsteinbau, früher befestigt, die Grabstätte ganzer Ordensgenerationen; daneben die Stadtbibliothek, das frühere Universitätsgebäude, in dem Kant seine Vorlesungen abhielt. Aus der bis 1724 in die Einzelorte Kneiphof, Löbenicht und Königsberg Altstadt getrennten Stadtanlage haben sich noch erhalten: das Altstädtische Rathaus mit dem originellen „Sperlingsschlucker" und das Knelphöfische Rathaus (heute Museum für Stadtgeschichte), mit Stuckdecken aus der Barockzeit.

Die Umgebung Königsbergs und damit Ostpreußen offenbaren sich eigentlich erst dem Autofahrer in ihrer vollen Schönheit.

Ziele für kleinere Touren

1. Über Fischhausen nach Palmnicken (Bernsteinbergwerk).

2. Über Fischhausen nach Pillau, dem Seehafen Königsbergs, auf schmaler Landzunge gelegen.

3. Über Drugehnen an die samländische Steilküste mit den kleinen Badeorten Rauschen, Georgenwalde, Warnicken, Groß-, Klein- und Neukuhren.

4. Nach Ostseebad Kranz (1 km lange Strandpromenade, Gelegenheit zu Dampferfahrten auf dem Kurischen Halt oder zum Besuch der schmalen, 100 km langen Kurischen Nehrung - Dunenweg für Autos verboten - mit Ihren Wanderdünen, Elchen und bekannten Orten wie Rossitten (Vogelwarte des Prof. Thienemann; Segelfliegerschule) und Pillkoppen.

Vorschläge für ganztägige Autofahrten:

1. Ermlandfahrt: Königsberg, fast unmittelbar am Frischen Haft entlang - 59 km - Braunsberg (evtl. noch Abstecher nach Frauenburg, mit gut erhaltenem Dom, an dem Kopernikus eine Zelt Domherr war) - 66 km - Hellsbarg (Ordensrillerburg aus dem Jahre 1241, umfangreicher Bau mit zweigeschossigem Säulenhof, Arkadenhof usw.) - 24 km - Bartenstein - 58 km - Konigsberg (zusammen 207 km).

2. Tannenbergfahrt: Königsberg - 58 km - Bartenstein - 71 km - Allensfein (Ordensschloß von 1353) - 20 km - Hohenstein (Schlachten: 1410 Ordensritter gegen Polen-Litauen; 1914 Hindenburg gegen Russen, achttürmiges Nationaldenkmal mit Ehrenhof) - 30 km - Neidenburg - 57 km - Ortelsburg - 143 km - Königsberg (zusammen 379 km).

3. Masurenfahrt: Königsberg - 58 km - Bartenstein - 44 km - Raslenburg - 62 km - Rudczanny - 17 km - Johannisburg (nördlich der Spirdingsee, der größte der über 1000 masurischen Seen. auf den andern Seiten die Johannisburger Heide, eins der größten Forstgebiete Deutschlands) -25 km - Arys (Truppenübungsplatz, am gleichnamigen See zahlreiche Soldatenfriedhöfe) - 24 km - Lötzen (Ordensschloß; zwischen Löwentin- und Mauersee die Feste Boyen) - 25 km - Angerburg, über Gerdauen, Allenburg, Wehlau -- 122 km - Königsberg (zusammen 377 km),

4. Memelland und Rominter Heide: Königsberg - 116 km - Tilsit (evtl. Abstecher nach Ibenhorst, dem großen Elchrevier) - 69 km - Gumbinnen (etwas weiter östlich das berühmte ostpreußische Gestüt Trakehnen, vom Vater Friedrichs des Großen gegründet; Elchbrand schon seit 1787) - 36 km - Goldep (inmitten der hirschreichen Rominter Heide) - 49 km - Angerburg - 122 km - Königsberg (zusammen 392 km).

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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