Stettin ist eine bedeutende Stadt im deutschen Ostseegebiet, und mit ihren Verkehrsverbindungen, landein auf Flüssen und Kanälen, zur See nach allen Ostseeländern und westwärts über die Ostsee hinaus, behauptet die Oderstadt die erste Steile unter den deutschen Ostseehäfen. Sie blickt auf eine 800 Jahre alte Geschichte zurück, als Wendenort, als junge Deutschensiedlung, als herzogliche Residenz, als Hauptstadt Pommerns, als werdende und wachsende Großstadt, Der Blick des Fremden, der den engen, noch unter dem Zwange der Festungszeit entstandenen Stettiner Hauptbahnhof verläßt, fällt sofort auf die Oder Jahrhundertelang war sie allein der Hafen für die Stadt, die sich westwärts, eng und winklig, als Altstadt um Herzogsschloß und Kirchen, die Höhen empor, aufbaute, teils drüben in der Niederung aus bescheideneren Behausungen, Speichern und Arbeitsstätten - die Stadtteile Silberwiese und Lastadie - zusammenwuchs, Und so stehen denn auch zwischen Hansabrücke und Baumbrücke und drüben, jenseits des Stromes, noch einige der ganz alten Speicher, die Jahrhunderte im bunten Reigen an sich vorüberziehen sahen, Heute liegen auf der Oder selbst nur noch wenige große Fahrzeuge, Kohlen-, Erz- und Frachtverkehr wickeln sich im Freihafen und in den Industriehäfen ab. Hier erhebt sich mit Kränen davor und mit riesigen fahrbaren Ladebrücken auf dem Dach der größte Kaischuppen Europas. Außerdem sind noch zu erwähnen die im Reiherwerderhafen vorhandenen Ladebrücken von 35 m Länge, die einen mächtigen Erzdampfer in einem Tag zu entladen vermögen. Und das alles offenbart sich dem Besucher Stettins bei einer „Hafenrundfahrt".

Die Dampfer der Hafenrundfahrt, vor allem aber die meisten Bäderdampfer, haben ihren Liegeplatz am Fuße der hoch auf ehemaligem Festungsgelände gelegenen Hakenterrasse; einer Monumentalanlage aus weiten Rasenabhängen, gewaltigen Ouadermauern, Treppenanlagen, Sandsteintempeln und öffentlichen Bauten. Stettins Altstadt, von der Oder her zu einzelnen Hügelkuppen ansteigend, wirkt mehr durch das Malerische enger Gassen, Ecken und Winkel, als durch das Alter und den Denkmalswert ihrer Bauten. Zu oft sind Krieg und Zerstörung darüber hinweggegangen. Ein „Altes Rathaus", dessen unter Renaissance-Mörtel versteckter gotischer Kern seltsamerweise an einem gut erhaltenen Fenster deutlich wird; auf einem Hofe die Front eines spätgotischen Patrizierhauses mit Treppenturm, einige prächtige Renaissance Giebel und schwere Barockportale; ein Türklopfer und manches andere noch, sollte man gesehen haben. Stattlichen Umfang hat das allerdings viel verbaute Schloß der Pommernherzöge mit der eines Besuches werten Schloßkirche, den beiden Schloßhöfen, einer berühmten mittelalterlichen Uhr und sonstigen Seltsamkeiten aus vergangenen Tagen. Bis zu 91 m reckt sich das Dach, bis 120 m der Turm der St. Jakobikirche über die Dächer der Altstadt empor, während sich das Innere des gotischen Gotteshauses einer überreichen Barockausstattung erfreut. Feine Bauten aus friderizianischer Zeit zieren den Roßmarkt, den Parade- und Königsplatz (Berliner- und Königstor, Provinzialmuseum, Kommandantur) und bilden die Überleitung zum neuen und neuesten Stettin. Im Mittelpunkt der Hakenterrasse liegt das mit stadteigenen Sammlungen gut ausgestattete Städtische Museum, von dem man einen wunderbaren Blick über Hafen und Landschaft genießt. Schließlich sei noch das Provinzial-Museum für pommersche Altertümer im ,.Alten Landeshaus" erwähnt und nicht zuletzt sind das Stadttheater und das Konzerthaus besuchenswerte Bildungsstätten.

Und wenn wir uns schon versagen müssen, auf die zum Teil recht sehenswerten baulichen Gestaltungen des neuen Stettin - vom Manzelbrunnen vorm Neuen Rathaus bis zum allermodernsten Kirchenbau im Bereiche der Quistorpaue - näher einzugehen, eines wird jedem Fremden auffallen: die Fülle des Grüns innerhalb dieser seit der Entfestigung von 1873 entstandenen jüngeren Stadtteile, die noch weiter hinaus in einen Kranz von Landhaussiedlungen übergehen. So schließen sich an die Hakenterrasse landein prächtige Parkanlagen an, die zum Teil im Bereiche einer vor 130 Jahren begründeten Friedhofsanlage mit wertvollen Empiremälern entstanden sind. Die prächtige Kaiser-Wilhelm-Straße leitet hinaus über die weiträumige Quistorpaue zum wundervoll über hügeliges Gelände gelagerten Quistorppark, deren Höhen eine weite Ausschau über Berge und Täler und über den idyllischen Westendsee bis zu lernen blauen Waldhöhen vermitteln. Einzigartig aber und einer der schönsten in Deutschland ist Stettins Hauptfriedhof. 60 km Fußsteige erschließen einen Landschaftspark von wunderbarer Schönheit und eine Stätte feinsinnigster Grabmalkultur, Die Umgebung Stettins bietet reizvolle Partien zu Ausflügen in das Odertat und in das weit ausgedehnte Gebiet der Buchheide mit seinen herrlichen Waldbeständen, die den Autofahrer zu besonders lohnenden Tages- und Wochenendtouren einladen. Eine Fahrt nach Swinemünde ist von interessanter Vielfältigkeit dei Uferbilder und Eindrücke.
Die Wallensteinstadt Stralsund und die übrigen zahlreichen Städte Westpommerns, wie Stargard, Anklam, Greifswald, versprechen mit ihren schönen Denkmälern aus dem Mittelalter interessante Städtebilder, Und nun sei hier noch die Ostpommersche Bäderküste erwähnt, durch die das Land am weitesten bekannt geworden ist, sowie die Bäder auf Usedom und Wollin und Rügen, Deutschlands schönste Insel.