 | SHELL STADTKARTE Nr.
25 KIEL |
|
Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1935/36 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
|
Titelbild: Marine-Ehrenmal in
Laboe |
|
| Direkt
zum Stadtplan |
|
|
Shell-Stadtkarte
Nr.25 Kiel

Kiel hat sehr wechselvolle Zeiten durchgemacht; 1240 vom
Holsteiner Grafen gegründet; Mitglied der Hansa; im 15.
Jahrhundert an Lübeck verpfändet; im 30jährigen Krieg schwer
heimgesucht; 1665 Stiftung der Universität; um 1700 Residenz
der Landesherzöge; unter Zarin Katharina fl. durch Erbschaft
ein Nebenland des Russischen Reiches; dann an Dänemark
eingetauscht; Nationalitäten Konflikte; 1840 offene
Feldschlacht Kieler Studenten und Turner gegen Dänen; seit
1867 mit Schleswig-Holstein bei Preußen/Deutschland; bis
1913 Hauptkriegshafen; schwere wirtschaftliche Schäden durch
Versailler Vertrag; Erstarkung durch Wiederaufleben der
Kriegsmarine und der Luftwaffe; heute 220000 Einwohner,
darunter 57 000 Arbeiter.
Das Wesen des jetzigen Kiel prägt die Förde: an
diesem einzigartigen Naturhafen liegen die Werften,
in sie mündet der Kaiser-Wilhelm-Kanal, in der Förde
ankern auch heute wieder zahlreiche Schiffe der
Kriegsmarine.
Bedeutende Werften sind: Germania-Werft
(Krupp-Filiale), Spezialgebiet der U-Boots-Bau vor und
während des Weltkrieges, heute auch Luxusyachten; die
Deutsche Werft (Hauptteil der früheren Kaiserlichen
Werft), in letzter Zeit hervorgetreten durch den Bau von
Panzerschiff „Deutschland" und Kreuzer „Karlsruhe"; das
Marine-Arsenal (Rest der Kaiserl. Werft), für Reparatur- und
Ausrüstungsarbeiten an Kriegsschiffen; die Howaldts-Werke,
hauptsächlich für Schiffsreparaturen. Erwähnung verdient
auch die Firma Anschütz & Co., die Kreisel-Kompasse
und Selbststeuer-Apparate für Schiffe herstellt.

Der Kaiser-Wilhelm-Kanal verbindet Nordsee mit
Ostsee und mündet bei Holtenau in die Förde; er wurde 1895
eröffnet und schon 1909/14 erheblich ausgebaut; seine Länge
beträgt 98 km, die Breite im Wasserspiegel 102 m und in der
Sohle 33 m, die Tiefe über 11 m und die Fahrtersparnis
gegenüber dem seitherigen Weg um Skagen bis zu 425 Seemeilen
(rund 785 km), d. h. durchschnittlich 2 Reisetage. Die
Tonnage der durchfahrenden Schiffe ist fast die gleiche wie
beim Suez- oder Panamakanal, die Zahl der Schiffe jedoch
fast 10mal so groß; 1931 passierten 48286 Fahrzeuge den
Kaiser-Wilhelm-Kanal, jeden Tag also durchschnittlich 132,
das heißt ungefähr alle 10 Minuten ein Schiff. Hochbrücken
führen in der Nähe der Stadt bei Levensau und Holtenau über
den Kanal; die letztere, die Prinz-Heinrich-Brücke, ist 480
m lang, die Hauptdurchfahrt hat eine Spannweite von 164 m,
die lichte Durchfahrtshöhe beträgt 41 m. Den Wasserstand
regulieren u. a. die riesigen Holtenauer Doppelschleusen
(Länge 330 m, Breite 45 m, Drempeltiefe 14 m), deren
Schiebetore (je 8 m stark, 47 m lang, 18 m hoch) beim Öffnen
in seitliche Nischen verschwinden.
Schiffe und Einrichtungen der Kriegsmarine machen
auch heute wieder starken Eindruck auf jeden Fremden, der
Kiel besucht. Der Hafen ist der Standort der Linienschiffe
„Schleswig-Holstein" und „Hessen", der Kreuzer „Königsberg"
und „Karlsruhe" sowie kleinerer Fahrzeuge
(Artillerieschulboote, Minensucher usw.). Täglich ist immer
ein Schiff zum Besuch freigegeben; Besuchszeit:
Sonntags von 13-19 Uhr, werktags gewöhnlich von 17-19 Uhr.
Auskunft erteilt die Nachrichten-Abteilung des
Stations-Kommandos (Fernruf 1900). Borderlaubnis erteilt der
wachhabende Offizier.
Von den sonstigen Sehenswürdigkeiten, die mit der
Kriegsmarine zusammenhängen, liegt die Marine-Akademie
im Zentrum, die Kasernen in Kiel-Wik und in
Friedrichsort. An die gefallenen Seeleute erinnern das 65 m
hohe Marine-Ehrenmal Laboe (an klaren Tagen Ausblick
bis zu den dänischen Inseln), das U-Boot-Ehrenmal vor
Möltenort, das Ehrenmal der gefallenen Seesoldaten
bei Bellevue und das Flandern-Denkmal auf dem
Flandernsportplatz im Stadtteil Wik. Wie vor dem Kriege
haben die großen Segelregatten der „Kieler Woche"
wieder internationale Bedeutung erlangt. Erwähnung verdient
noch der Seeflughafen, ferner der Landflughafen in
Kiel-Holtenau.

Werften, Kanal, Marine - dieser mächtige Dreiklang
übertönt leicht die geringen Reste mittelalterlicher Bauten
wie: Nikolalkirche, gegründet 1240, Orgel von 1543,
im 19. Jahrhundert stilwidrig restauriert; Altes Rathaus,
Gewölbe noch 14. Jahrhundert, Umbau 1845, heute Lesehalle;
Schloß, auf Grundmauern der alten Grafenburg um 1580
in Renaissance begonnen, 1776 im Auftrage der Kaiserin
Katharina von Rußland umgebaut; die Persianischen Häuser,
um 1635 als Spezial-Pack- und Lagerhäuser für persische
Seidenwaren erbaut, später aufgestockt, heute Wohnungen; der
Warleberger Hof, Adelshaus mit schönem Portal, heute
Hebbel-Museum.
Kunst und Wissenschaft finden Pflegestätten in:
Universität, Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr,
Kunsthalle mit Kupferstichkabinett, Historische
Landeshelle, Schleswig-Holsteinisches Heimat-Museum mit
Nydamer Boot und Runensteinen, Thaulow-Museum, mit
kulturgeschichtlichen Sammlungen; außerdem Stadttheater und
Schauspielhaus (in beiden gemischter Spielplan).
Rund um Kiel reizen zu Ausflügen mit Wagen oder Motorrad
herrliche Landschaften wie: die nördlichen Ostseebuchten
(Eckernförder Bucht, bei Schleswig die Schlei, Flensburger
Förde), die Holsteinische Schweiz (mit Orten wie Preetz,
Plön, Eutin, Malente, Gremsmühlen u. a.) und noch etwas
weiter östlich die sog. Neustädter Bucht der Ostsee mit sehr
bekannten Badeorten (Grömitz, Neustadt, Haffkrug,
Scharbeutz, Timmendorfer Strand, Travemünde).

Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken.
(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |