
| SHELL STADTKARTE Nr.
26 HALLE |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Titelbild: Roter
Turm | Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag: SHELL
Deutschland Holding GmbH | Originalpreis: k.A. | | Direkt
zum Stadtplan |
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Shell-Stadtkarte
Nr.26 Halle 
Halle trägt seinen Namen mit Stolz als
eine der ältesten deutschen Städte. Es ist die Stadt der
Halloren, die durch ihren alljährlichen Besuch beim
Oberhaupt des Deutschen Reiches bekannt geworden sind, jenes
Bevölkerungsteils, dessen altertümliche Kleidung und
Gebräuche auf die Zunft der alten Salinenarbeiter
zurückgehen. Als Salzstadt erscheint Halle 806 unter Karl
dem Großen zum ersten Mal in der deutschen Geschichte, da
hier zum Schutze der begehrten Solquellen vor den Slawen ein
Kastell angelegt wurde. Aber die Zeugen im Provinzialmuseum
am Wettiner Platz lehren uns, daß schon in
vorgeschichtlicher Zeit, wohl schon seit 3 Jahrtausenden,
hier die Sole gesotten und Salz verkauft worden ist. Auf dem
unentbehrlichen Gewürz fußte also schon immer das
Wohlergehen der Stadt, und die sog. Pfänner, die zum Sieden
berechtigten Bürger, bildeten das Patriziertum der
Saalestadt, die im 14. und 15. Jahrhundert ihre höchste
Blüte erlebte. Herrliche Kirchen und der Rote
Turm, einer der wenigen alleinstehenden Glockentürme
Deutschlands, sind in dieser Zeit entstanden und künden
noch heute von der Macht eines seiner Kraft bewußten
Bürgertums. Jahrhundertelang kämpfte die Bürgerschaft mit
wechselndem Glück für die Freiheit und Unabhängigkeit des
Gemeinwesens, bis schließlich die Magdeburger Erzbischöfe
um die Wende des 16. Jahrhunderts siegreich blieben, weil
die innere Zerrissenheit und der Hader zwischen den Ständen
die Kraft zur Selbstverteidigung schwächten. Der siegreiche
Erzbischof Ernst erbaute als Zwingburg gegen die Stadt die Moritzburg,
deren malerische Bastionen und Mauern von der Macht der
Kirche im Mittelalter ein ebenso beredtes Zeugnis ablegen,
wie der Palast der Päpste in Avignon.

Der berühmte Kardinal Albrecht von
Brandenburg residierte lange als Erzbischof in Halle. Er
schmückte die Stadt mit kostbaren Bauten. Baumeister
Nickel-Hoffmann vereinigte zwei auf dem Markt unmittelbar
hintereinander stehende Kirchen zu der wunderbaren
spätgotischen Hallenkirche Unserer Lieben Frauen. Er
schuf auch den eigenartigen der Frührenaissance
angehörenden Giebelkranz am Dom.
In der Marktkirche werden die
Original-Totenmaske von Dr. Martin Luther und noch manche
andere Andenken an die Reformation aufbewahrt.

Noch ist Halle die Stadt des Salzes, aber
noch mehr die der Schulen. Nachdem das Messerecht an Leipzig
verloren gegangen war und schlimme Seuchen in der Zeit vor
und nach dem 30jährigen Kriege die Stadt entvölkert
hatten, folgte mit der Einwanderung der Hugenotten und
Pfälzer eine neue Blütezeit auf geistigem Gebiet: 1692 entstanden
die berühmten Stiftungen Hermann Frankes (Schulen, Waisen-,
Missions- und Bibelanstalt), 1694 die Gründung der Universität,
die vom 18. Jahrhundert ab ein Zentrum deutscher Bildung
wurde.
Erst das 19. Jahrhundert brachte der
Stadt auch einen wirtschaftlichen Aufschwung mit der
Erschließung der Braunkohlenschätze im Tagbau; damit
gliederte sich auch diese Stadt in die Industrialisierung
Mitteldeutschlands ein.
Zum Glück - für den Besucher wie für die Stadt selbst
- hatten ihr aber die voraufgegangenen Jahrhunderte so viel
Tradition und Selbstbewußtsein verliehen, daß sie damit
nicht ihr Gesicht verloren hat, sondern ihre
Eigentümlichkeit behielt.

Das bestätigt ein Gang durch die Straßen,
ein Besuch der schönsten Sehenswürdigkeiten, an denen Halle
so reich ist. Immer noch wie einst beherrschen die Moritzburg
und der noch ältere Giebichenstein das Stadtbild,
beides Ruinen, aber in vielen Teilen doch der kulturellen
Förderung der Bürgerschaft dienstbar. In dem riesigen
Viereck der Moritzburg mit ihren gewaltigen Ecktürmen,
Innenhof und Burggraben sind das Museum der Stadt Halle, die
Universitäts-Turnhalle und Fechtsäle untergebracht. Der
Giebichenstein, dessen mächtige Bastion das romantische
Saaletal beherrscht, ist so recht eine Stätte der Träumerei.
Bis in die Zeiten des Wodanskultes geht ihr Ursprung zurück.
Heute bergen die Räume der Unterburg die Werkstätten der
Kunstgewerbeschule. In unmittelbarer Nähe befindet sich
der Zoologische Garten am Reilsberg und das Städtische
Solbad Wittekind.
Den Kunstfreund wird auch interessieren,
daß Halle die Geburtsstadt des Komponisten Georg
Friedrich Händel ist, dem auf dem Markt 1859 ein
eindrucksvolles Denkmal errichtet wurde.

Halle ist eine derjenigen Städte, die mit dem Automobil
erst noch zu entdecken sind. Die eigenartige Lage der Stadt
auf den Porphyrfelsen des Ostufers der Saale, die einen
weiten Blick über die Wiesen des Westufers und des dahinter
liegenden Stadtwaldes, der Heide ermöglichen, seine
gepflegten Naturparkanlagen auf der Peißnitz und im Kessel
des Galgenberges sind von der Eisenbahn aus überhaupt nicht
zu sehen. Es lohnt sich, die Durchfahrt zu unterbrechen und
einige beschauliche Stunden zu Füßen der sagenumwobenen
Burgruinen zu verweilen. Als Standquartier für große und
kleine Ausflüge bietet Halle gute Gaststätten und seine
weitbekannten Küchenspezialitäten. Merseburg, die
Stadt der Industrie, die Lutherstadt Eisleben, Dornburg,
Weißenfels, die Rudelsburg zeigen die Romantik
des vielbesungenen Saaletales, und auch Dessau und Naumburg
sind sehenswerte alte Städte im Bereich solcher
Ausflüge.
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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |