ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 27 GLADBACH-RHEYDT

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1934 oder 1935

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Diese beiden Städte M.-Gladbach mit 130 000 und Rheydt mit 75 000 Einwohnern liegen breit in das satte Grün der niederrheinischen Tiefebene zur Linken des ruhig und behäbig strömenden Rheins gebettet. Während das alte Städtchen Rheindahlen bereits auf eigenen Wunsch im Jahre 1921 zu M.-Gladbach eingemeindet wurde, fand im Jahre 1929 eine Vereinigung der Städte M.-Gladbach, Rheydt, Odenkirchen, Hardt und der Orte Giesenkirchen und Schelsen, die alle auf eine mehr als 1000-jährige Vergangenheit zurückblicken können, statt, mit dem Namen „Gladbach-Rheydt". Am 1. August 1933 erhielt jedoch Rheydt mit dem eingemeindeten Orte Odenkirchen seine Selbständigkeit wieder. In Fragen der Siedlung und Bebauung, ferner auch in Kulturfragen leisten die beiden Städte jedoch Gemeinschaftsarbeit.

Von der Geschichte dieser alten Ortschaften kann mancher moosüberwucherte Zeuge berichten: so das alte Rheydter Schloß, das früher einmal der Mittelpunkt alles politischen und wirtschaftlichen Geschehens in dieser Gegend war. Es war Zeuge der Kämpfe und Fehden der Feudalzeit sowie des blendenden Scheins und der grausigen Nacht eines Zeitalters der Renaissance. Ähnliches wissen die anderen alten Baulichkeiten zu erzählen: die Münsterkirche, die ehemalige Abteikirche der Benediktiner, die Abtei, das jetzige Rathaus, das ein Barockbau aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts ist, die spätgotische Pfarrkirche u. a. m. Aber was den Städten ihren eigentlichen und eigentümlichen Reiz gibt, den sie vor anderen dieser stark industrialisierten Gegend voraus haben, ist der landschaftlich schöne Charakter. Überall sind die Außenbezirke stark landwirtschaftlich durchsetzt, und nirgends findet man die charakteristischen Merkmale, die man sonst einer Industriestadt beizulegen gewohnt ist. Nirgends etwas von der bedrückenden Enge und den lastenden Steinblöcken, den qualmenden Schloßen und dem lärmenden Treiben anderer Industrie-Großstädte. Der trefflich gehegte Volksgarten mit Niers- und Elschenbruch, der idyllisch gelegene Rheydter Stadtwald, die für die fleißig arbeitende Stadtbevölkerung die Lunge bedeuten, bieten Erholungssuchenden angenehmsten Aufenthalt.

M.-Gladbach und Rheydt sind Mittelpunkte des Niederrheinischen Textilbezirkes und Hauptsitz der rheinischen Baumwollindustrie. Hier sorgt zugleich die Preußische höhere Fachschule für Textilindustrie für den Nachwuchs tüchtiger Fachleute. Daneben ist die Maschinen- und Eisenindustrie und die elektrotechnische Industrie mit zahlreichen Werken vertreten. Bedeutende Fabriken der Nahrungs- und Genußmittelindustrie, der chemischen Industrie, des Holz- und Schnitzstoffgewerbes, lithographische Anstalten von Weltruf und große Versicherungsgesellschaften haben hier ihren Sitz. M.-Gladbach und Rheydt sind weiter als der kulturelle Mittelpunkt des niederrheinischen Grenzgebietes anzusprechen. Darbietungen des eigens gut besetzten Stadttheaters, Konzertveranstaltungen großen Formates, ständig wechselnde Museumsausstellungen, ein auf den Grundsätzen der modernen Volksbildung basierendes Vortragswesen dienen der Unterhaltung und Bildung der geistig regen Bevölkerung. Die Kaiser-Friedrich-Halle (Stadthalle und -Theater) in M.-Gladbach mit ihrem herrlichen Kaiserpark und dem Rosengarten sei aber hier noch als Sehenswürdigkeit besonders hervorgehoben. Es ist beachtlich, wieviel Institutionen kultureller Art sich hier befinden: erwähnt seien vor allem das Kunst- und Gewerbemuseum, das Naturhistorische Museum, die Gemäldegalerie und die Stadtbibliothek, sowie die Heimatmuseen im Schloß Rheydt und im Rathaus Odenkirchen.


Vom verkehrspolitischen Gesichtspunkt gesehen sind M.-Gladbach und Rheydt wichtige Verkehrsknotenpunkte nicht nur für die Eisenbahn, sondern auch für den Auto- und Flugverkehr. Das beweist die umfangreiche Anlage des Flughafens, der, in der Nähe des Stadtkerns liegend, von den verschiedenen Bahnhöfen der Stadt aus in kürzester Zeit zu erreichen ist. Eine weitschauende Stadtplanung bietet Unternehmungen späterer Zeiten ein ausgedehntes durch Bahnanlagen vorzüglich erschlossenes Industrie- und Siedlungsgelände, ein Umstand, dessen Bedeutung vermehrt wird durch das Vorhandensein bedeutender Kohlenberqwerke und die kurzfristige Erreichbarkeit des nächsten Rheinhafens auf einer gut ausgebauten Autostraße. Als weiteres günstiges Moment für die künftige Entwicklung dieser Städte muß das Vorhandensein des Großkraftwerkes Frimmersdorf angesprochen werden, zu dem eine Braunkohlengrube gehört.

M.-Gladbach und Rheydt sind beliebte Ausgangspunkte für Wanderungen in die stille, liebreizende, beinahe beruhigend wirkende Landschaft des linken Niederrheins. Hier ist der Hardt-Wald mit seinen ausgedehnten Tannenforsten, hier das idyllische Schwalmtal mit seinen zahlreichen Mühlen und alten Gehöften. Lohnend ist ein Besuch des Stadtwaldes mit seinem großen Weiher, reizvoll der Weg nach Wickrath, Schloß Millendonk nach den Süchtelner Höhen, nach Dyck und Liedberg, von denen das erstere eins der größten und schönsten Schlösser nicht nur dieser Gegend, sondern in Deutschland überhaupt ist.

 

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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