ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 28 OBERHAUSEN

Verlag: SHELL Reisedienst

Titelbild: Rathaus

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.28 Oberhausen

Oberhausen gehört zu jenen Orten, in denen die Landwirtschaft besonders schnell durch Industriebetriebe verdrängt wurde. Stadtrechte erhält der Ort erst 1874; damals zählt er schon 15 000 Einwohner, 1908 bereits 62000, 1911 sogar 90000, 1927 weit über 100 000 und 1929 nach Eingemeindung der Nachbarstädte Sterkrade und Osterfeld fast 200 000 Bewohner. Das wirtschaftliche Rückgrat für fast alle Oberhausener bildet die „Gute-Hoffnungs-Hütte", von deren Betriebsverhältnissen die früher deshalb vielfach als „G.H.H.Städte" bezeichneten Gemeinden in einer für Deutschland beispiellosen Weise abhängen.

Die G. H. H. entwickelte sich aus den schon 1864 bestehenden Anlagen der St. Antonie-Hütte; ihr Fabrikations-Programm umfaßt insbesondere Brückenbauten, Dockanlagen, Antriebswellen und Schrauben für Schiffe, sonstige Schmiede-Großstücke u. dergl. In die Augen fällt vor allem der 118 m hohe Hochofengasbehälter der G. H. H., der mit 68 m Durchmesser und 397 000 Kubikmeter Fassungsvermögen als der größte Gasometer Europas gilt. Dieser Riesenbau inmitten und über Schornsteinen, Fördertürmen. Hochöfen und sonstigen aufragenden Industrieanlagen bildet das zeitgemäße Wahrzeichen der Stadt. Neben der „Gute-Hoffnungs--Hütte A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb" gibt es in Oberhausen noch einige andere wichtige Betriebe wie z. B. die Ruhr-Chemie A.-G. mit ihren riesigen Anlagen, die fast die Ausmaße des Leuna-Werks bei Halle/Saale erreichen, ferner die Kali-Chemie, die Deutschen Babcock- und Wilcox-Dampfkesselwerke - bekannt durch ihren früher zeitweise riesigen Export - und die Oberhauser Glasfabrik. Einen sehr wichtigen Verkehrsweg, vor allem für die Kohleverfrachtung, bildet der 38 km lange Rhein-Herne-Kanai, der Oberhausen direkt berührt.

In der so rasch aus kleinsten Anfängen aufgewachsenen Industriestadt befinden sich naturgemäß nur sehr wenig Sehenswürdigkeiten aus der Vergangenheit, so z. B. die Reste des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters (1240) bei der Pfarrkirche St. Clemens und die alte Wasserburg der Grafen von Holten. Kloster und Burg sind die Siedlungskerne des heutigen Stadtteils Sterkrade; im Ortsteil Osterfeld liegt noch die aus dem 15. Jahrhundert stammende Burg Vondern.

Durch ihre Architektur haben sich einige Bauten der Neuzeit einen guten Namen gemacht, wie z. B. das Neue Rathaus, 1927,''28 von Düngerich erbaut, ein moderner Backsteinbau mit 34 m hohem Turm (Aussichts-Plattform), 2 Flügeln und einer 100 m langen Hauptfront, die breitgelagerte Terrassen und Freitreppe mit dem Grillo-Park verbinden; Gartenanlage und Gebäude bilden eine für Industriebezirke sehr seltene architektonische Einheit. Auffallen ferner das Hochhaus der „Ruhrwacht", sowie das Lagerhaus und Bürogebäude der Gute-Hoffnungs-Hütte, erbaut 1921-25 von dem bekannten Peter Behrens, Berlin.

Oberhausen wird im Osten, Süden und Westen von tiefgestaffelten Industriegebieten begrenzt; nur der Norden läßt den Autofahrer schnell ins Freie vordringen; Niederrhein und Münsterland sind daher die natürlichen Ausflugsgegenden.

Unter den niederrheinischen Orten glänzt Düsseldorf in jeder Weise (Beschreibung auf SHELL-Stadtkarte Nr. 11); in seiner nächsten Umgebung liegen zwei Sehenswürdigkeiten: Kaiserswerth, ursprünglich Insel (=werth), dann durch Damm mit dem Ufer verbunden; Anfänge der Kaiserpfalz schon im 9. Jahrhundert vorhanden, eigentlicher Ausbau von 1184-94, bei Belagerung 1702 zerstört; der Suitbertus-Dom ist sehr alte romanische Pfeilerbasilika, im 19. Jahrhundert vorbildlich erneuert; einige Daten aus der Stadtgeschichte haben allgemeines Interesse: 1062 Schauplatz der Entführung des 12jährigen Königs Heinrich IV. durch Erzbischof Hanno von Köln, 12. Jahrhundert Freie Reichsstadt, 1833 Gründung der bekannten Diakonissenanstalt. Das Düsseldorfer „Sanssouci" ist Schloß Benrath, zwischen Barock und Rokoko erbaut; im Haupthaus befinden sich 84, in den beiden vorgelagerten Flügeln 202 Räume; der 300 Morgen große Park entzückt durch die Stilreinheit seiner Teiche, Wasserspiele, Figuren, Tempelchen, Alleen und Gärten. An früheres Mittelalter erinnert dagegen auf dem gegenüberliegenden Ufer das Städtchen Zons mit seiner guterhaltenen Trutzburg Friedestrom. Im Münsterland bilden die zahlreichen Wasserburgen lohnende Ziele für Autoausflüge; die sehenswürdigsten sind u. a. Burg Gemen, mit bewegter Vergangenheit, eine der ältesten des Landes; Haus Hülshoff, 1797 Dichterin Annette v. Droste-H. geboren, deren Familie seit dem 14. Jahrhundert hier wohnt; Schloß Itlingen, Umbau 18. Jahrhundert durch J. K. Schlaun, den Barockmeister aus Münster; Schloß Lembeck, Herrenhaus und Vorburg getrennt in breitem Wasserring; Schloß Velen, älteste Teile 13. und 14. Jahrhundert, durch spätere Anbauten und Gärten zum „Märchenschloß" des Münsterlandes erweitert; Gebäude 1931 ausgebrannt, Park unversehrt; Burg Vischering, frühmittelalterliche Rundburg, seit 13. Jahrhundert Sitz der Droste zu Vischering, seit 1550 baulich unverändert; Schloß Westerwinkei, mächtiger Wehrbau mit Erdwällen, Gräben, Ecktürmen und Flügelbauten.

Die Stadt Münster hat in geradezu vorbildlicher Weise die Blüte ihrer Baukultur bewahren können (Einzelheiten auf SHELL-Stadtkarte Nr. 42).

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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