
| SHELL STADTKARTE Nr. 29 KASSEL | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1934 oder 1935 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
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Shell-Stadtkarte Nr.29 Kassel 
Kassel eine der schönsten Städte Mitteldeutschlands, ist durch ein geflügeltes Wort aus dem Kriege 1870/71 bekannt geworden. „Ab nach Kassel" hieß es, als der Franzosenkaiser Napoleon III. in Sedan gefangen genommen war und Schloß Wilhelmshöhe der Verbannungsort des entthronten Herrschers wurde. Sicher hat die Schönheit des Schlosses und seiner Umgebung ihm sehr geholfen sich über sein Mißgeschick hinwegzutrösten. Man könnte es wenigstens verstehen. Wie ein Märchen liegt die Köstlichkeit der Stadt zwischen unübersehbaren Bergen und Tälern, über die sich das Grün tiefer Wälder breitet, jener Wälder, die dem Vormarsch der Römer ins innere Germanien vor fast 2000 Jahren ein finsterdrohendes Halt geboten.
Seit dem 15. Jahrhundert war Kassel Residenz der hessischen Fürsten, die ihre Hauptstadt mit Kunstsinn zu einem der schönsten Höfe Europas ausbauten, so daß der lachende Spötter Karl Julius Weber, der Verfasser des „Demokritos", selbst urteilte, „ganz Deutschland, ja vielleicht ganz Europa, biete nichts Herrlicheres". Kein Wunder, daß Napoleon I. es 1806 seinem Bruder Jerome als Hauptstadt des westfälischen Königreichs bestimmte, wo der Roi „Immer lustik" ein fröhliches Regiment führte, indes um Napoleons Thron die Wolken schon gewitterschwer sich ballten. 1813 war es auch mit Jeromes Herrlichkeit, den schönen Tagen von Kassel, vorbei. Bis 1866 war die Stadt wieder kurhessische Residenz, und das gleiche Jahr entschied dann ihr Schicksal in preußischem Sinne, aber eine seltsame Fügung hat die alte Hessenresidenz im Jahre 1933 wieder zum Sitz eines hessischen Prinzen gemacht, der als Oberpräsident das Land seiner Väter verwaltet. Kassel vereint in seltener Harmonie die Vorzüge einer modernen Großstadt mit der Romantik des geschichtlichen Reizes, den alte malerische Bauten, Durchblicke in das Fachwerkgewinkel mittelalterlicher Gassen gewähren. Das genießt man in reichem Maße in der Altstadt an den Ufern der Fulda. Sehenswert ist hier vor allem der Druselturm, das Wahrzeichen der Altstadt. Die Oberneustadt ist dagegen der Brennpunkt des großstädtischen Verkehrs. Die Bellevue, eine der stilvollsten Straßen der Welt - allein der Blick auf den Naturpark der „Aue", eine Symphonie von Wald, Wasser und Wiese, ein Ausschnitt aus der kurhessischen Landschaft selbst, mit einem wundervollen Marmorbad, einer entzückenden Orangerie und dem Kleinod der Insel Siebenbergen, - ist den Gang über diese Straße wert. Die prachtvollen Schloßbauten am Friedrichsplatz, die in der ganzen Welt bekannte Gemäldegalerie mit ihren kostbaren Schätzen niederländischer Malerei, besonders Rembrandts, Museen (darunter das einzigartige Deutsche Tapetenmuseum), Bibliotheken, das auf einer dreihundertjährigen Tradition aufgebaute Staatstheater und das schöne neue Rathaus, sind Namen, die ebenso viele interessante wie genußreiche Stunden der Bewunderung bedeuten. Hier findet das Auge des Kunstfreundes, wie der sinnende Geist des Gelehrten seine Befriedigung, und wenn man weiter nach Westen wandert, da wo sich der Komplex der weiträumigen Stadthalle erhebt, erlebt man auch Einblicke in die modernste Entwicklung dieser vielseitigen Stadt, deren Industrie, u. a. Henschel & Sohn mit ihren Lokomotiven und Maschinen, Weltruf genießt. 
Immer aber wird man nach dem vielerlei dieser buntfarbigen Eindrücke dem Geist die Ruhe der landschaftlichen Erlebnisse gönnen, an denen Kassel besonders reich ist. Neben der Karlsaue ist der Bergpark der Wilhelmshöhe das, was Kassels Namen am meisten bekannt gemacht hat. Bis auf 600 Meter Höhe auf den Rücken des Habichtswaldes steigt hier eine Fülle von herrlichen Parkszenerien auf, deren Krönung das Achteck mit der kupfernen Herkulesstatue und den rauschenden Kaskaden bildet. Der Blick vom Oktogon, den 1000stufigen Sturz der Kaskaden hinunter, gehört zu den Wundern der deutschen Gartenkunst, die hier ihre gekünstelten französischen Vorbilder weit übertroffen hat. Die Schlösser Wilhelmshöhe mit dem Freundschaftstempel und das 2% Stunden Wegs auf schönster Rasenallee entfernte Wilhelmstal sind Kunstwerke der prunkliebenden Rokokozeit, deren Anblick froh und wehmütig zugleich stimmt. 
Hat das schönheitstrunkene Auge sich auf den herrlichen Aussichtspunkten Sehnsucht geholt, weiter einzudringen in die Geheimnisse der auf und ab wogenden Linien von bewaldeten Bergen und Kuppen, so weiß kundige Hand den Reisenden schnell und sicher zu leiten: etwa nach Melsungen, ebenfalls an der Fulda gelegen, einem reizenden Luftkurort mit einem 1556 erbauten interessanten Rathaus im Fachwerkstil und einer merkwürdigen historischen Uhr, nach Rotenburg a. d. Fulda, einem Gegenstück der Tauberstadt, ins Hessische übersetzt, zu den schroffen Steilwänden des Niedensteiner Kopfes, zum altertümlichen Spangenberg mit einem guterhaltenen mittelalterlichen Schloß und einer Fülle altertümlicher Gebäude, zur Wichtelkirche am Dörnberg oder zum Lutherhaus in Homberg. Alles Ziele leicht und rasch im schnellen Wagen auf guten Straßen zu erreichen, ohne daß man drum die Vorzüge der schönen Hauptstadt zu missen brauchte, nicht das große FuldaStrandbad noch die guten Gaststätten mit den berühmten Kasseler Spezialgerichten, beides notwendige Erquickung nach solchen Ausflügen. Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |