ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 31 KREFELD - UERDINGEN

Verlag: SHELL Reisedienst

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT

Originalpreis: k.A. (War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.)

Titelbild: Rathaus

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Shell-Stadtkarte Nr.31 Krefeld - Uerdingen

Von Sage und Geschichte ist Krefeld nicht umrankt, von Fürstenglanz und Fürstenmacht weiß sein Entstehen nichts zu melden. An der Wiege dieser größten Stadt im linken deutschen Niederrhein stand der Bürgerfleiß. Krefeld-Uerdingen a. Rh. ist ein Kind der weiten grünen niederrheinischen Ebene und es trägt dieser Ebene Bild. Um einen Kern legt sich ein Schachbrett breiter, langgestreckter, baumbepflanzter Straßen. Und selbst der innere Kern, die ältere Stadt, die den Mittelpunkt des geschäftlichen Lebens bildet, hat nichts von mittelalterlicher Enge.

Die Hochstraße wurde zur großen Geschäftsstraße, elegante Läden nahm sie auf und die Auslagen zeugen von dem gewählten Geschmack, der in dieser Stadt des Samts und der Seide von altersher anzutreffen war. Als breites Ausfalltor zum Rhein quert die Adolf-Hitler-Straße die Hochstraße. Sie schlägt mit schönen Läden und vielem Leben die Brücke der inneren Stadt zu der Klarheit und Weit: der kilometerlangen Wälle.

Die vier Wälle sind ein Stolz der Stadt. Gradlinig, breit, baumbestanden, mit Rasen überzogen, von Blumen belebt und von Denkmälern und Brunnen geziert, sind sie voll vornehmer Sauberkeit, vo'l lachender Gartenkunst, sind sie ein grünes Band, das die Altstadt umschlingt und sich im Norden am Friedrichsplatz zum schönsten Schmuckplatz Krefelds schürzt. Die Friedrichstraße selbst, einst die Straße des Patriziats, mit den vornehm-gediegenen Wohnhäusern der großen Seidenkaufleute, die Krefelds Stammindustrie geschaffen haben, ist heute zur bedeutenden Geschäftsstraße geworden. Sie leitet über den Friedrichsplatz hinaus das Geschäftsleben in dito langgestreckten Straßen nordwärts der Wälle, die ins niederrheinische Land hinaus nach den Städten und Städtchen des Niederrheins, nach Geldern, Kevelar, Goch und Cleve, nach Xanten, Calcar und Wesel führen.

Die Stadt de:: Bürgerfleißes hat sich um ihren alten inneren Kern, um das geschlossene grüne Band ihrer Wälle, lichte, gerade und neue Stadtteile geschaffen, die in ihrer Einheitlichkeit und Sauberkeit freundlich wirken. Die Mietskasernen blieben fort. Typisch ist hier das Dreifensterhaus mit seinem schlichten fast gleichartigen Verputz. Die Mängel dieses Hauses seien nicht verkannt, aber in seiner Einheitlichkeit gibt es den Krefelder Straßen so etwas wie Stil, und die Sauberkeit der frischgestrichenen Schauseiten unterstreicht die Freundlichkeit des Stadtbildes und seines vielen Grüns, seiner Gärten und Parkanlagen, Spiel- und Sportplätze, mit denen es über die äußeren baumbestandenen Ringstraßen in die Ebene strebt.

Wer erkennen will, wie ungezwungen eine Stadt die Verbindung mit der freien Natur und ihren gegebenen Wald- und Wiesengürteln aufnehmen kann, der wandere von der Adolf-Hitler-Straße aus in das große östliche Villenviertel und lasse sich durch dessen breite Parkstraße zum großen Stadtwald mit seinen Weihern und Wiesen tragen, in dem auch die mustergültige Rennbahn liegt. Die Stadt Krefeld hat, als ihr die alte Samt- und Seidenindustrie allein das rechte Vorwärtskommen zu erschweren schien, aus sich heraus nach Hilfe umgeschaut und den Nachbarort Linn am Rheinufer mit einem Handels- und Industriehafen, die Bürgermeisterei Bockum, das industiiereiche Uerdingen, das landwirtschaftliche Traar, Gellep-Stratum und Ossum-Bösinghoven eingemeindet. Seine wirtschaftliche Bedeutung als Mittelpunkt des ganzen Gebietes geht damit weit hinaus über den Wert, den man der Stadt vielleicht bei verfehlter Schätzung lediglich nach ihrer Einwohnerzahl beilegen könnte. Trügen Einwohnerzahlen in ihrem Verhältnis zur kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung einer Stadt nur zu oft, so ist dies bei Krefeld erst recht der Fall, das seit langen Jahrzehnten zum Mittelpunkt des linken Niederrheins geworden ist, der, trotz all seiner alten, auf eine vielbewegte Vergangenheit zurückblickenden reichen Stätten nur diese eine Großstadt als wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt hervorgebracht hat.

Und Krefeld ist seiner Aufgabe gerecht geworden. Die Stadt ist nicht in materiellen Interessen stecken geblieben; sie hat der reichen, kulturellen und künstlerischen Vergangenheit des Niederrheins Rechnung getragen. Davon zeugt sein Theater, zeugt sein wissenschaftliches und musikalisches Leben, zeugen die Museen, von denen hier nur das Kaiser-Wilhelm-Museum genannt sein soll, und all die Bildungs- und Kulturstätten, die in dieser Großstadt des Niederrheins anzutreffen sind. Als ein Zeuge klassischer Baukunst sei an dieser Stelle noch das Rathaus hervorgehoben, während die Textilfachschule und Gewebesammlung Weltruf genießt. Krefeld wurde durch sich zur Großstadt und ist es nicht nur der Einwohnerzahl nach, obwohl es nicht an der großen Heerstraße liegt, auf der die Schönheiten und kulturellen Werte der deutschen Städte gesucht werden. Wie nur irgend eine andere Großstadt, empfiehlt sich Krefeld als Tagungsort großer Vereine und Verbände. Wo ernste Geistesarbeit geleistet wird, da ist Ruhe und Erholung willkommen. Wo könnten sie erfrischender gefunden werden, als in der Wohn- und Gartenstadt Krefeld, in der unendlichen sonnigen und doch schattigen Weite des Flachlandes zur Seite des geräuschlos, aber mächtig wallenden, breiten, deutschen Stromes.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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