ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 31 KREFELD-UERDINGEN

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1937

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Wo sich die fruchtbare linksniederrheinische Ebene weitet, und der Rheinstrom von Kaiserswerth-Düsseldorf kommend sich nach Nordosten wendet, da liegt am Westrande des größten deutschen Wirtschaftsgebiets der kulturelle und wirtschaftliche Mittelpunkt des linken Niederrheins: Krefeld-Uerdingen. 

Im Jahre 1929 erfolgte die Vereinigung der Samt- und Seidenstadt Krefeld mit der alten Rheinstadt Uerdingen. Auch heute noch ist Krefeld der Mittelpunkt der deutschen Samt- und Seidenindustrie. Daneben haben Edelstahlwerke, chemische und Seifenfabriken, Waggonbau, Maschinen-, Bau- und Holzindustrie, Zuckerraffinerien, Mühlenwerke, nach Erweiterung des Stadtgebietes bis zum Rhein und nach Errichtung eines modernen, hochwasserfreien Rheinhafens, die Wirtschaftskraft der Stadt verstärkt. Als Mittelpunkt der niederrheinischen Landwirtschaft hat Krefeld besondere Bedeutung. Krefeld ist Sitz einer Industrie- und Handelskammer und bedeutender wirtschaftlicher Verbände. Es beherbergt eine Webeschule, die einzige Seidenfachschule Deutschlands, der eine wertvolle Gewebesammlung angegliedert ist, eine Färberei- und Appreturschule, sowie eine Flächenkunstschule.

Die Adolf-Hitler-Rheinbrücke ist ein Aufbauwerk der nationalsozialistischen Stadtverwaltung. Die Brücke, die in einer Länge von 857 m den Rheinstrom überquert, bedeutet für Krefeld-Uerdingen eine ausserordentliche Verbesserung der Verkehrsverbindungen. So ist z. B. eine direkte Verbindung mit dem Mittelpunkt des Ruhrgebietes geschaffen.

Als Industriestadt baut sich Krefeld auf einer jahrhundertelangen Entwicklung auf. Krefeld ist Sitz einer stetig gereiften Industriekultur, die es vermocht hat, auch den breiteren Schichten der Bevölkerung Wohlstand und Lebenswert zu vermitteln. Als Zeugnis dessen weicht das ruhig vornehme Stadtbild von dem Gesicht der rechtsrheinischen Industriegrossstädte des Kohlen- und Eisenbezirks wohltuend ab. Krefelds Entwicklung als Wohn- und Gartenstadt begann in den 90er Jahren. Durch Ankauf einer Reihe von Landsitzen, die die führenden Familien der Krefelder Stammindustrie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts vor den Toren der Stadt bauten, wurden die Kernpunkte des heutigen Grüngürtels geschaffen, ein zusammenhängender Zug öffentlicher Anlagen von besonderer Schönheit und Grösse.

Ein lohnendes, in einer knappen Wanderstunde zu erreichendes Ziel ist die Burg Linn. Sie war die grösste kurkölnische Wasserburg, von dem Kurfürsten Friedrich von Saarwerden (gest. 1414) erbaut. In den spanischen Erbfolgekriegen (1702) wurde das stolze gotische Hochschloß geschleift. Heute ist es eine efeuumsponnene, in der Grundanlage noch völlig erhaltene Ruine. In dem zum Heimatmuseum umgestalteten kurfürstlichen Jagdschloss unterrichten sorgfältig und kundig gesammelte Schätze über die bürgerliche Kultur der Seidenstadt und die gewerblichen Quellen ihres heutigen Wohlstandes. Von der Vorgeschichte und der Römerzeit zeugen die Grabfunde des nahen Heidberges und des Kastells Gelduba, des heutigen Gellep. Bei einem weiteren Spaziergang dem Rheine zu erlebt man die geniale Schöpfung des Düsseldorfer Hofgartendirektors Weyhe, den Greiffenhorst-Park, der vor 100 Jahren im Geschmack der englischen Gartenbaukunst angelegt wurde. Ein Lustschlößchen im Schinkelstil, Haus Greiffenhorst, bietet Gelegenheit zu gemütlicher Rast. 

Alter Weberfleiss und gesunde kaufmännische Einsicht haben die kulturelle Entwicklunq Krefelds gefördert Das Stadtbild paßt sich in künstlerisch-beredter, architektonischer Form der Landschaft an. Bedeutende Kulturinstitute entstanden. Theater, Musik, Bild- und Dichtkunst erfuhren verständnisvolle Förderung. Das Theater steht an führender Stelle neben den rheinischen Bühnen. Ein städtisches Orchester, ein Konservatorium und eine Volksmusikschule nehmen sich des künstlerischen Nachwuchses und der Hausmusik an. Das Kaiser-Wilhelm-Museum nennt eine reichhaltige Sammlung von Kunstwerken des Niederrheins aus allen Zeiten neben prächtigen Stücken verschiedener Malerschulen sein eigen. Die Gewebesammlung in der Webeschule gehört zu den umfassendsten und reichhaltigsten Schauen dieser Art. Im grossen Sitzungssaal des Rathauses befinden sich berühmte Wandgemälde aus der deutschen Vorgeschichte von Prof. Dr. Janssen, Düsseldorf. Das Andenken an Hermann den Cherusker, an die Varusschlacht im Teutoburger Walde, an Thusneldens heldenmütige Treue und an Segests Verrat ist in den Schiort monumental wirkenden Bildern festgehalten. 

Mustergültig angelegte zahlreiche Spiel- und Sportplätze sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. Besonders erwähnt sei die Kampfbahn Grotenburg und die Stadtwaldwiese wo die bekannten Pferderennen stattfinden, ferner das im Stadtinnern im Anschluss an die Stadtbäder errichtete Freibad. Weiterhin sind vorhanden eine Radrennbahn, ein Golfplatz, ein Platz für Reitturniere, eine Reitbahn, Reitwege, Turnhallen, Schiessstände, ein Eisstadion usw. 

Der Weg zu den verschwiegenen Schönheiten des Niederrheins mit seinen weiten Feldern und Wiesen, seinen stillen Winkeln und Burgen führt über Krefeld. Von hier aus lassen sich eindrucksvolle Fahrten in das niederrheinische Land machen, die ihren Abschluss im herrlichen Xanten mit dem Viktorsdom oder in Bad Kleve mit der Schwanenburg finden.

 

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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