
| SHELL STADTKARTE Nr. 33 KARLSRUHE | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1934 oder 1935 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
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Shell-Stadtkarte Nr.33 Karlsruhe 

Karlsruhe die Hauptstadt des badischen Landes, erfreut sich des unschätzbaren Vorzuges, gleichzeitig am Rhein, der Stätte lebhaften Verkehrs und der Quelle reichen Naturgenusses, zu liegen, wie auch im Angesicht des schönsten Gebirges Südwestdeutschlands, des herrlichen Schwarzwaldes. Schienenstränge laufen von hier nach allen Richtungen der Windrose, internationale Züge halten auf dem schönen Bahnhof, prachtvolle Verkehrsstraßen strahlen von hier aus und schneiden sich, der Flughafen ist der Brennpunkt zahlreicher Verbindungen, der großangelegte Rheinhafen zeigt als letzter deutscher Umschlagplatz am Oberrhein ein interessantes buntbewegtes Bild, das stundenlang zu fesseln vermag. 
Es ist noch eine junge Stadt, mitten im Hardtwald 1715 durch den Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach gegründet. Schon 35 Jahre später gibt es dort, dank dem generösen Kunstsinn der Herrscher, ein blühendes Theaterleben. 1811 wurde das große herzogliche Hoftheater, jetziges Staatstheater, errichtet, das eine glänzende Tradition hinter sich hat. In künstlerischer Hinsicht genießt die Stadt noch immer den besten Ruf, wenn gleich auch Karlsruhe als Industriestadt von beachtenswerter Bedeutung ist. Museen, vor allem die Kunsthalle mit dem Hans Thoma-Museum, Sammlungen, Bibliotheken bergen kostbare Schätze, die Musik steht in hoher Pflege. Ein Gang durch die Fächerstadt - von dem Schloß aus ziehen strahlenförmig die Straßen und Alleen nach allen Richtungen, so wie die ursprüngliche Stadtanlage es geplant hatte - läßt den Gast immer wieder bald da, bald dort vor einem schönen, stimmungsvollen Rokoko- oder Barockbau, einem hübschen Platz, einer entzückenden Anlage halten und beschaulich betrachten. Die moderne Stadt hat das Werk der ersten Planung organisch und stilbewußt fortgesetzt, und das ist es, was Karlsruhe einen eigenen Reiz, ein stolzes, selbstbewußtes Gepräge verleiht. Endpunkt jeder Fächerstraße ist aber immer der Bau des Schlosses. Es ist nicht schwer, sich hier zurechtzufinden. Der Hauptbahnhof liegt im Süden, das alte Residenzschloß im Norden, die Hauptverkehrsstraße, die Kaiserstraße, zieht von Westen nach Osten. Breite schöne Straßenzüge machen eine Fahrt zum Genuß. Wir sehen den Stadtgarten mit dem künstlich errichteten Lauterborg, von dem man das Panorama der Stadt und eine weite Fernsicht vor Augen hat, besuchen den Rosengarten und den Zoologischen Garten, fahren weiter nach dem Festplatz mit dem Städtischen Vierordtbad, sehen die Festhalle, das Konzerthaus, kommen dann zum Marktplatz mit der Pyramide und dem hochtürmigen, sehenswerten Rathaus, das auch innen einen Besuch lohnt. Unter der Pyramide ruht der Gründer der Stadt, Markgraf Karl Wilhelm. Nicht mehr weit ist es nun bis zum Schloß mit dem Badischen Landesmuseum, dem Deutschen Scheffel-Museum, und wir lassen uns daran erinnern, daß Josef Victor v. Scheffel auf dem Karlsruher Friedhof, dem „Campo Santo", zur letzten Ruhe gebettet wurde. Wir kommen zum Badischen Landestheater und treten dann in den Schloßgarten ein, einem Meisterwerk der Gartenbaukunst englischen Stils. Der Fasanengarten, ein Biber- und ein Wildpark schließen sich an, die Orangerie zeigt ein Fülle exotischer Pflanzen. Hat man sich satt gesehen - es wird nicht so bald sein, denn diese junge Stadt hat merkwürdig viel Interessantes zu zeigen-, dann lockt die Weite, die man nun schon ein paarmal vom Lauterberg im Stadtgarten oder vom Schloßturm aus betrachtet hat. 
Wollen Sie kleine Touren machen oder große Fahrten? Sie brauchen Karlsruhe als bequemes Standquartier nicht aufzugeben, denn man kann auch vom längsten Ausflug am Abend wieder zurückkehren. Nach Norden lockt in der Nähe der Hardtwald mit idyllisch gelegenen Waldschenken, dem Schützenhaus oder Jagdhaus Stutensee, mit Sportring und Stadion, nach Süden schöne, ländliche Vororte, den Baukundigen wird die moderne „Dammerstocksiedlung" besonders interessieren, und das alte Ettlingen. Im Westen glitzert das Band des Rheins mit den Bädern Maxau und Rappenwörth, letzteres ein Riesenstrandbad mit schauenswerter Vogelwarte, im Osten die alte Residenz Durlach. Auch Heidelberg, Mannheim, Baden-Baden sind bequem zu erreichen und genau so rasch ist man im Albtal, Herrenalb, Frauenalb im Murgtal, in Rastatt und Bruchsal, beides Städte mit interessanten alten Gebäuden; besonders berühmt ist das Bruchsaler Schloß, das schönste und besterhaltene Rokokoschloß Deutschlands. Die Gold- und Juwelenstadt Pforzheim lohnt sicher einen kleinen Ausflug. Die Berge der Pfalz gehören zum Weichbild dieser wunderbar gelegenen Stadt ebenso wie die Höhen und Täler des Schwarzwaldes. Auch der Wasserwanderer hat von Karlsruhe aus Gelegenheit zu wunderbaren Fahrten in idyllische Altrheinlandschaften. Über all dem Schönen, das die Ferne bietet, wird man aber den eigenen Zauber dieser jungen, lebendigen Stadt nicht vergessen, die in ihrem ganzen Aufbau so recht das Symbol des fleißigen, emporstrebenden und seiner Eigenart bewußten badischen Landes ist. 
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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |