ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 34 BRAUNSCHWEIG

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1934 oder 1935

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.34 Braunschweig


Vor über 1000 Jahren erbaute 861 Dankward die Burg Dankwarderode, die spätere Residenz Heinrichs des Löwen, und legte damit den Grundstock zu einer Stadt, die im Mittelalter zu den fünf Großstädten gehörte, im 18. Jahrhundert die älteste Technische Hochschule schuf, 1838 die erste deutsche Staatseisenbahn, 1904 die erste deutsche Postomnibuslinie und 1929 Mittelpunkt der deutschen Pilotenausbildung mit der deutschen Verkehrsfliegerschule wurde.

Mitten im Herzen der Stadt ist der Burgplatz, noch ganz in seiner alten Art erhalten. Im Osten der Pallas, die Burg Dankwarderode, im Süden der Blasius-Dom, 1173 von Heinrich dem Löwen erbaut, die Grabstätte Heinrichs und 48 Angehöriger des Welfenhauses. Mitten auf dem Platze, mit dem Blick gen Osten, als Symbol, daß vor 800 Jahren Braunschweig Wiege der deutschen Ostkolonisation war, steht der Burglöwe, von Herzog Heinrich 1166 errichtet. Im Dom ist besonders sehenswert die prächtige Wand- und Deckenbemalung aus dem 13. Jahrhundert, die nach der Bilderstürmerei ungefähr 300 Jahre unter der Kalktünche schlummerte. Aus der Zeit Heinrichs des Löwen stammen der wundervolle siebenarmige 4% m hohe Bronzeleuchter und der Marienaltar (1188). Eigenartig ist der Christus des Imervard (vermutlich 11. Jahrhundert), prächtig das Orgelwerk und das Geläut. - So wandert man in dieser wundervoll mittelalterlichen Stadt, die voller versteckter malerischer Winkel ist, stets auf den Spuren uralter rein deutscher Geschichte. Ein paar Schritte abseits von den Verkehrsstraßen, die der brausende Lärm der großen Stadt erfüllt, steht man gebannt und wie verzaubert in einer Welt, die ein paar Jahrhunderte hinter uns liegt, ein Eindruck, den keine andere Stadt so leicht gewährt. Uber 800 Fachwerkbauten, darunter die Handwerkskammer, mit Treppenfriesen, Arabesken, Laubgewinden, Figuren und Sprüchen haben dem Stadtkern das Gepräge des Mittelalters bewahrt. Man braucht nicht in ein Museum zu gehen, sondern nur in diesen Winkeln zu schauen und zu staunen, um köstliche Stunden zu verleben. Am Ziegenmarkt, an den Kattreppeln, in der Stecherstraße, der Südstraße, am Südklint, am Bäckerklint, wo der Eulenspiegelbrunnen steht, der Sonnen- und der Schöppenstedterstraße lernt man in wenigen Minuten mehr vom Geist jener verklungenen Zeiten kennen als in Wochen aus Büchern und Sammlungen. Damit soll den prachtvollen Schätzen des Vaterländischen Museums in der St. Aegidienkirche, der Kirche des Benediktinerklosters aus dem 15. Jahrhundert, nicht zu nahe getreten werden; schon des Raumes und des schönen Kreuzganges wegen sollte man sie sehen. Braunschweigs schönster Platz, in der deutschen Kunstgeschichte rühmlichst genannt, ist der gotische Altstadtmarkt mit dem herrlichen Dreiklang der St. Martinikirche, des Altstadtrathauses und des Brunnens. Die Martinikirche wurde gotisch erweitert, noch erkennt man an den Türmen das romanische Grundelement. An der Laubenfront des Altstadtrathauses hat Hans Hesse die Fürsten und Kaiser aus dem Welfenhause eingemeißelt, eine stattliche Anzahl. Am 2. Pfeiler sieht man auch heute noch die alte Elle und

auf dem Bleiband des Brunnens, in dessen Wetterfahne der Löwe auf den großen Welfen deutet, sind Wappen, verschiedene Fürsten und niederdeutsche Texte abgebildet. Die Südseite des Platzes nimmt das langgestreckte Gebäude des Gewandhauses ein, dessen Vorderfront eine der prächtigsten Giebelfronten aus der Renaissancezeit ist. Geheimnisvolle Tonnengewölbe, aufstrebende Renaissancesäulchen, Butzenscheiben, erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock, dann ein grandioser Giebelaufsatz, ein mathematisch einwandfreies gleichseitiges Dreieck, und auf schwindelnder Höhe erhaben über nächtliche Gelage im alten Keller des Gewandhauses Butzenscheibenromantik, Stadtwappen und Trabanten, die Göttin der Gerechtigkeit, die Spitze des Richterschwertes zum Himmel erhoben. Ungemein reizvoll ist der Blick von der Andreaskirche, einem wundervollen Gotikbau auf romanischem Sockel, auf dieses Meer der roten Dächer. Im Schatten der ältesten Kirche (vor 900 Jahren gebaut), der St. Magnikirche, erinnert der 1931, zum 100. Geburtstag, enthüllte Gedenkbrunnen an den guten Geist Braunschweigs, den lachenden Philosophen Wilhelm Raabe, der mit Lessing - auch an ihn erinnert ein Denkmal - zu den Geistesheroen der Stadt gehört. - Es wäre ein Unrecht, ganz an dem modernen Braunschweig vorüberzugehen, dessen Industrien Weltruf genießen. Herrliche Grünanlagen vor den geschleiften Festungswerken locken zu Fahrten im Weichbild der Stadt und darüber hinaus zu ferneren Zielen voll köstlicher Reize zwischen Harz und Heide. Hildesheim ist nicht weit mit seinem Dom, Goslar die alte Kaiserpfalz, Bad Harzburg und Wernigerode sind die Eingangstore zum Harz, Wolfenbüttel, Helmstedt und Halberstadt versprechen interessante Städtebilder. Im Norden kann man in die romantische Einsamkeit der Lüneburger Heide eintauchen und sich doch wieder am Abend in der schönen Stadt daheim fühlen.


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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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