 | SHELL STADTKARTE Nr.
38 WIESBADEN |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
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Titelbild: Kochbrunnen |
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Shell-Stadtkarte
Nr.38 Wiesbaden

Schon die alten Römer kennen die Heilquellen am Neroberg;
seit dem Jahre 11 v. Chr. sollen sich neben den Bädern auch
Mattiaker angesiedelt haben (daher die lateinische
Ortsbezeichnung „Aquae Mattiacae"). Die Siedlung dehnt sich
aus, befestigt sich, gehört im 11. Jahrhundert den Grafen
von Nassau und erhält 1242 Stadtrechte. Um 1550 brennt
Wiesbaden mehrfach ab, wird im 30jährigen Krieg restlos
zerstört, wieder aufgebaut und nach 1800 noch Residenz des
Herzogtums Nassau, mit dem es 1866 in Preußen aufgeht. Nach
dem Weltkrieg bleiben Franzosen und Engländer bis Ende Juni
1930 in der Stadt, die heute infolge umfassender
Eingemeindungen (z. B. Biebrich, Schierstein) von den
Taunustälern bis an das Rheinufer reicht und etwa 152 000
Einwohner zählt.

Der mit den Heilquellen zusammenhängende Kur-, Bade- und
Fremdenverkehrsbetrieb bildet das wirtschaftliche Rückgrat
der Stadt. 27 heiße Kochsalzquellen bringen täglich zwei
Millionen dampfenden Sprudel aus mehr als 2000 m Tiefe zu
Tage. Am heißesten ist der berühmte Kochbrunnen mit 65,7"C.,
dann folgen Adlerbrunnen mit 64,4"C. und Schützenhofquelle
mit ca. 50"C. Chemische Zusammensetzung und Temperaturen
haben sich seit Jahren nicht verändert; wie seit altersher
bringen Bade-, Trink und Inhalationskuren auch heute noch
Heilung bei Ischias, Gicht sowie Erkrankungen der
Verdauungs- und Luftzufuhrorgane. Kurze Winter und denkbar
geschützte Lage begünstigen die Heilerfolge. Mustergültige
Kureinrichtungen befinden sich vor allem im städtischen
Kaiser-Friedrich-Bad: Thermal-, Moor-, Kohlensäure-,
Sauerstoff- und römisch-irische Bäder, Behandlung mit
Heißluft, Wasser, Elektrizität und Luft, eigenartige
Inhalationsmethoden u. a. m. Neben den öffentlichen
Badehäusern besitzen zahlreiche Hotels eigene Quellen oder
Thermalwasser-Zuleitungen in luxuriösen Hausbädern, so daß
die Gäste ihre Kur so bequem wie möglich durchführen können.
1902 werden rd. 133 000 Kurgäste gezählt, kurz vor dem
Weltkrieg über 200 000 und 1929 etwa 152000, darunter allein
42 000 Ausländer. Wiesbaden ist ein Weltbad von
internationaler Bedeutung, in dem auch jetzt noch die
Jahres-Fremdenziffer mit über 100 000 registriert wird.
Diese Rolle beeinflußt seit Jahrzehnten das Gesicht der
Stadt. Außer der Heidenmauer (Rest einer um 300 n.
Chr. erbauten römischen Befestigung) stammen fast alle
wesentlichen Bauten aus den letzten 60-80 Jahren, wie: das
Kurhaus, die Kochbrunnen-Anlagen, der
traditionelle Mittelpunkt des gesamten Kur- und Badelebens,
ferner das Kaiser-Friedrich-Bad, das
Staats-Theater, die Stadthalle Paulinenschlößchen
(für Tagungen und Kongresse) und das Neue Museum
(Ausstellungen moderner Gemälde und Bildwerke). Ausgedehnte
Promenaden, Plätze für alle Sportarten und weithin bekannte
gesellschaftliche (Automobil-, Tanz- und Tennis^-Turniere
usw.) und kulturelle Veranstaltungen (die „Maifestwochen",
Musikaufführungen u. a. m.) vervollständigen das
Kurprogramm.

Die Umgebung Wiesbadens birgt reiche Schätze an
Naturschönheiten, die Stadt ist die Eingangspforte zum
sonnendurchfluteten romantischen Rheingau, dem
deutschen Weinparadies. Im eingemeindeten Biebrich
erinnert das Schloß mit herrlichem Park an höfischen Glanz.
Freunde des Mittelalters fahren nur 9 km nach Mainz
(Einzelheiten beschrieben in SHELL-Stadtkarte Nr. 45) oder
35 km nach Frankfurt/M. (SHELL-Stadtkarte Nr. 9).
Ausgesprochene „Landschafter" durchstreifen den Taunus
auf den romantischen Querstraßen wie z. B. Wiesbaden,
über Bad Schwalbach bis Nassau 50 km; Wiesbaden-Limburg/Lahn
= 43 km; Limburg-Königstein-Frankfurt/M. = 63 km; Frankfurt/M.-Bad
Homburg, Usingen, Weilnau, Weilburg = 57 km; oder
Frankfurt/M.- Bad-Nauheim- Wetzlar = 65 km. Diese Streifen
verbinden landschaftliche Schönheiten mit geschichtlichen
Erinnerungen zu unvergeßlichen Eindrücken. Die höchsten
Erhebungen des Taunus sind Großer Feldberg (880 m),
Altkönig (798 m), Pferdskopf (663 m), Kalte Herberge (620 m)
und Hohe Wurzel (613 m). Dazwischen liegen wieder zahlreiche
Reste aus der Römerzeit zerstreut, wie Wälle, Gräben,
Wachtürme und Kastelle, die vor allem auf den "Limes"
hinweisen, der das unter Römerherrschaft stehende Zehntland
vom freien Germanien trennte. An diese Zeit erinnert auch
die bei Homburg v. d. H. liegende Saalburg, die
Kaiser Wilhelm II. ausgraben und im ursprünglichen Zustand
wiederherstellen ließ. Nicht wenige Ruinen zeugen von
bewegten Tagen des Mittelalters, wie der Falkenstein,
Königstein, Eppstein, Idstein, Oberreifenberg, Neuweilnau,
Wallrabenstein und Cronberg, dessen benachbartes Schloß
Friedrichshof der Witwensitz der Kaiserin Friedrich wurde.
Die Geologie des Taunusgebietes begünstigte das
Aufblühen bekannter Badeorte mit heilkräftigen Quellen, wie
Schwalbach, Soden, Selters, Nauheim, Homburg v. d. H. u. a.
Die Nähe romantischer Flüsse lockt zu Fahrten in
ihren Tälern, wie der Rhein (flußabwärts von Biebrich
über Eltville, Rüdesheim, Lorch, Caub usw. nach
Oberlahnstein 85 km; flußaufwärts von Mainz über Oppenheim,
Worms, Ludwigshafen bis Heidelberg 100 km), die Lahn
(von Oberlahnstein über Bad Ems, Nassau, Laurenburg,
Holzappel, Hirschberg, Diez nach Limburg = ca. 75 km), die
Nahe (von Bingen über Bad Kreuznach, Sobernheim bis
Oberstein = ca. 60 km), die Mosel (von Koblenz über
Kochern, Zell nach Berncastel = 129 km).

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |