ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 38 WIESBADEN

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1939

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.38 Wiesbaden


Schon die alten Römer kennen die Heilquellen am Neroberg; seit dem Jahre 11 v. Chr. sollen sich neben den Bädern auch Mattiaker angesiedelt haben (daher die lateinische Ortsbezeichnung „Aquae Mattiacae"). Die Siedlung dehnt sich aus, befestigt sich, gehört im 11. Jahrhundert den Grafen von Nassau und erhält 1242 Stadtrechte. Um 1550 brennt Wiesbaden mehrfach ab, wird im 30jährigen Krieg restlos zerstört, wieder aufgebaut und nach 18010 noch Residenz des Herzogtums Nassau, mit dem es 1856 in Preußen aufgeht. Nach dem Weltkrieg bleiben Franzosen und Engländer bis Ende Juni 1930 in der Stadt, die heute infolge umfassender Eingemeindungen (z. B. Biebrich, Schierstein) von den Taunustälern bis an das Rheinufer reicht und etwa 152 000 Einwohner zählt. Der mit den Heilquellen zusammenhängende Kur-, Bade- und Fremdenverkehrsbetrieb bildet das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt. 27 heiße Kochsalzquellen bringen täglich zwei Millionen Liter dampfenden Sprudel aus mehr als 2000 m Tiefe zu Tage. Am heißesten ist der berühmte Kochbrunnen mit 65,7° C., dann folgen Adlerbrunnen mit 64,4° C. und Schützenhofquelle mit ca. 50° C. Chemische Zusammensetzung und Temperaturen haben sich seit Jahren nicht verändert; wie seit altersher bringen Bade-, Trinkund Inhalationskuren auch heute noch Heilung bei Ischias, Gicht sowie Erkrankungen der Verdauungs- und Luftzufuhrorgane. Kurze Winter und denkbar geschützte Lage begünstigen die Heilerfolge. Mustergültige Kureinrichtungen befinden sich vor allem im städtischen Kaiser-Friedrich-Bad: Thermal-, Moor-, Kohlensäure-, Sauerstoff- und römisch-irische Bäder, Behandlung mit Heißluft, Wasser, Elektrizität und Luft, eigenartige Inhalationsmethoden u. a. m. Neben den öffentlichen Badehäusern besitzen zahlreiche Hotels eigene Quellen oder Thermalwasser-Zuleitungen in luxuriösen Hausbädern, so daß die Gäste ihre Kur so bequem wie möglich durchführen können. 1902 wurden rd. 133 000 Kurgäste gezählt, kurz vor dem Weltkrieg über 200 000 und 1929 etwa 152 000, darunter allein 42 000 Ausländer. Wiesbaden ist ein Weltbad von internationaler Bedeutung, in dem auch jetzt noch die Jahres-Fremdenziffer mit über 100000 registriert wird. Diese Rolle beeinflußt seit Jahrzehnten das Gesicht der Stadt. Außer der Heidenmauer (Rest einer um 300 n. Chr. erbauten römischen Befestigung) stammen fast alle wesentlichen Bauten aus den letzten 60-80 Jahren, wie das Kurhaus, die Kochbrunnen-Anlagen, der traditionelle Mittelpunkt des gesamten Kur- und Badelebens, ferner das Kaiser-Friedrich-Bad, das Staatstheater, die Stadthalle Paulinenschlößchen (für Tagungen und Kongresse) und das Neue Museum (Ausstellungen moderner Gemälde und Bildwerke). Besonders aber sei das in den letzten Jahren erstandene und weltberühmt gewordene Opelbad hervorgehoben. Ausgedehnte Promenaden, Plätze für alle Sportarten und weithin bekannte gesellschaftliche (Automobil-, Tanz- und Tennis-Turniere usw.) und kulturelle Veranstaltungen (die „Maifestwochen", Musikaufführungen u. a. m.) vervollständigen das Kurprogramm. 

Die Umgebung Wiesbadens birgt reiche Schätze an Naturschönheiten, die Stadt ist die Eingangspforte zum sonnendurchfluteten romantischen Rheingau, dem deutschen Weinparadies. Im eingemeindeten Biebrich erinnert das Schloß mit herrlichem Park an höfischen Glanz. Freunde des Mittelalters fahren nur 9 km nach Mainz (Einzelheiten beschrieben in SHELL-Stadtkarte Nr. 45) oder 35 km nach Frankfurt/M. (SHELL-Stadtkarte Nr. 9). Ausgesprochene „Landschaftler" durchstreifen den Taunus auf den romantischen Querstraßen wie z. B. Wiesbaden, über Bad Schwalbach bis Nassau 50 km; Wiesbaden - Limburg/Lahn = 43 km; Limburg-Königstein-Frankfurt/M. -- 63 km; Frankfurt/M. - Bad Homburg, Usingen, Weilnau,Weilburg = 57 km oder Frankfurt/M.-Bad-Nauheim-Wetzlar = 65 km. Diese Streifen verbinden landschaftliche Schönheiten mit geschichtlichen Erinnerungen zu unvergeßlichen Eindrücken. Die höchsten Erhebungen des Taunus sind Großer Feldberg (880 m), Altkönig (798 m), Pferdskopf (663 m), Kalte Herberge (620 m) und Hohe Wurzel (613 m). Dazwischen liegen wieder zahlreiche Reste aus der Römerzeit zerstreut, wie Wälle, Gräben, Wachttürme und Kastelle, die vor allem auf den „Limes" hinweisen, der das unter Römerherrschaft stehende Zehntland vom freien Germanien trennte. An diese Zeit erinnert auch die bei Homburg v. d. H. liegende Saalburg, die Kaiser Wilhelm II. ausgraben und im ursprünglichen Zustand wiederherstellen ließ. Nicht wenige Ruinen zeugen von bewegten Tagen des Mittelalters, wie der Falkenstein, Königstein, Eppstein, Idstein, Oberreifenberg, Neuweilnau, Wallrabenstein und Kronberg, dessen benachbartes Schloß Friedrichshof der Witwensitz der Kaiserin Friedrich wurde. Die Geologie des Taunusgebietes begünstigte das Aufblühen bekannter Badeorte mit heilkräftigen Quellen, wie Schwalbach, Soden, Selters, Nauheim, Homburg v. d. H. u. a. Die Nähe romantischer Flüsse lockt zu Fahrten in ihren Tälern, wie der Rhein (flußabwärts von Biebrich über Eltville, Rüdesheim, Lorch, Kaub usw. nach Oberlahnstein = 85 km; flußaufwärts von Mainz über Oppenheim, Worms, Ludwigshafen bis Heidelberg = 1010 km), die Lahn (von Oberlahnstein über Bad Ems, Nassau, Laurenburg, Holzappel, Hirschberg, Diez nach Limburg = ca. 75 km), die Nahe (von Bingen über Bad Kreuznach, Sobernheim bis Oberstein = ca. 60 km), die Mosel (von Koblenz über Cochem, Zell nach Bernkastel = 129 km).


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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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