ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 39 MÜLHEIM-RUHR

Verlag: SHELL Reisedienst

Titelbild: Stadthalle

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.39 Mülheim-Ruhr

Mülheim Ruhr ist älter, als man gewöhnlich von einem westdeutschen Industrieplatz annimmt. Ursprünglich nur Gehöft mit Gerichtsbarkeit, wird „Mulenheim" schon in Urkunden aus dem Jahre 1093 als industriell bedeutender Ort genannt. In der Folgezeit gehört Mülheim zur Herrschaft Broich (die gleichnamige Burg ist noch erhalten) und hat oft unter Kriegswirren und Holländern, Franzosen oder Spaniern zu leiden, in den Jülich-Cleveschen Erbfolgestreitigkeiten, in der Gegenreformation, im 30jährigen Krieg und unter der Napoleonischen Herrschaft. Trotz dieser bewegten Vergangenheit erhält Mülheim erst 1808 Stadtrechte, kommt 1815 zu Preußen, Rathaus nimmt dann voll am wirtschaftlichen Aufschwung teil und zählt heute etwa 133000 Einwohner nach zahlreichen Um- und Eingemeindungen, die der Stadt das Gepräge einer ziemlich lockeren Groß-Siedlung geben.

Die reichen Bodenschätze bilden die Grundlage der Eisen-Verhüttung und Stahl-Industrie; für wirtschaftlichen Abtransport sorgt der 1927 vollendete, zwar nur 14 km lange, aber ungeheuer wichtige Ruhr Kanal, der Mülheim mit dem Rhein und dem Rhein-Herne-Kanal l! (Länge 38 km) verbindet. Erwähnenswert ist noch der 1925 in Betrieb genommene Hauptflughafen Essen-Mülheim. Die größten Industriebetriebe Mülheims sind: Vereinigte Stahlwerke (mit Thyssen-Werken, Friedrich-Wilhelms-Hütte u. a.), Demag (Fabrikations-Programm: Brücken, Kräne, Groß-Schmiedestücke usw.), Siemens & Schuckert, AEG-Teilbetriebe und eine ganze Reihe bekannter mittelgroßer Unternehmen. Namen von Industriekönigen wie Thyssen und Stinnes verewigen auch Mülheim als Ausgangspunkt ihrer Laufbahn in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. 

Die Vergangenheit spricht noch aus Schloß Brolch (linkes Ruhrufer), als Wehrbau um 1200 begonnen, Jugendaufenthalt der nachmaligen Königin Luise von Preußen, und Alt-Mülheim (rechtes Ufer der Ruhr) mit kleinstädtischer Straßenanlage, der Petri-Kirche (16. Jahrhundert erbaut, 1919 erneuert), der „Mausefalle"- dem ältesten Wirtshaus - und dem Wohnhaus von Gerhard Tersteegen (Dichter geistlicher Lieder, 1725) und dem Geburtshaus von Kortum (Dichters der „Jobsiade", 1745). In der Nähe des Hauptbahnhofs liegt Schloß Styrum, Sitz des berühmten gleichnamigen, aber bereits vor mehr als 100 Jahren ausgestorbenen Grafengeschlechts; 1289 als Wohnhaus errichtet, später mehrfach umgebaut und befestigt. Aus der Neuzeit stammen das Rathaus mit 65 m hohem Turm und die Stadthalle, die sich beide stark an südländische Stile anlehnen. Südlich der Schloßbrücke auf der Schleuseninsel der „Wasserbahnhof" 1 (Landebrücken-Restaurant der Mülheimer Ruhrschiffahrt, Umsteigestation in Richtung Solbad Raffelberg-Mülheimer Stadion bzw. Kahlenberg-Mintard-Kettwig). Auf dem Kahlenberq - ruhrabwärts - befindet sich das Bismarck-Denkmal mit Aussichtsturm und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohleforschung; unterhalb des Kahlenbergs breitet sich am Ruhrufer das gleichnamige Terrassen-Restaurant aus. Weiler ruhrabwärts die verschiedensten UfergastStätten mit Blick auf das Segelfluggelände am Auberg. Das Städtische Museum enthält u. a. seltene Stücke geistlicher und weltlicher Art aus dem niederrheinischen Kunstgewerbe des ausgehenden Mittelalters. Mülheim liegt fast am Nordwestrand des rheinisch-westfälischen Industriegebiets; abgesehen von kleineren Ausflügen in die dichtbewaldete nächste Umgebung der Stadt gibt es für den Kraftfahrer nur drei Richtungen, um schnell in die Landschaft einzutauchen:

nämlich rheinaufwärts, ins Nieder-Rheinische und ins Münsterland. Kraft und Ursprünglichkeit eines Landstrichs verdichten sich im deutschen Nordwesten in keiner Stadt stärker als in Münster (91 km über Essen, Bochum, Haltern; Einzelheiten auf SHELL-Stadtkarte Nr. 42). Die Landschaft selbst zeigt vielfach eine fast unlösbare Verbundenheit von Mensch und Boden in den zahlreichen, heute noch bewohnten Wasserburgen. Bei Lüdinghausen liegt Burg Vischering (13. Jahrhundert erbaut, seit 1550 nicht mehr verändert); bei Herbern die Schlösser Westerwinkei (Hauptteil mit 4 Ecktürmen und 4 Flügelbauten) und Itlingen (14. Jahrhundert gegründet; im Barock zeitgemäß erneuert); bei Freudenberg befindet sich Schloß Lembeck (Herrenhaus und Vorburg in doppeltem Wasserlauf); auf der Strecke Borken (über Coesfeld) und Münster befinden sich: Burg Gemen (eine der ältesten Burgen des Münsterlandes), Velen (älteste Teile noch 13.-14. Jahrhundert; durch spätere Anbauten zum „Märchenschloß" erweitert; 1931 Gebäude ausgebrannt, Park unversehrt erhalten), Burg Hamern und Haus Hülshoff (der Geburtsort der Dichterin Annette v. Droste-Hülshoff). Anlegestelle „Alte Schleuse"

Im Niederrheinischen liegen einige kleine, sehenswerte Orte wie i Kaiserswerth, ca. 28 km über Ratingen (berühmter Dom; Ruinen einer Pfalz des Kaisers Barbarossa; Mutterhaus der bekannten Diakonissinnen), Benrath, ca. 40 km über Düsseldorf (altes Schloß; Neubau um 1765 - im Rokokostil - besteht aus Haupthaus mit vorgelagerten 3eckigen Flügeln und wasserreichem Park), Wesel, 42 km (früher starke Festung; aus dem 14.-15. Jahrhundert sehenswertes Rathaus), Xanten, 51 km (alte Stadt; romanisch-gotischer Dom 1213 erbaut, Clever Tor 1393), Kevelaer, 65 km (berühmter Wallfahrtsort), Cleve, 78 km (frühere Residenzstadt). Rheinaufwärts, nur 30 km entfernt, liegt das prächtige Düsseldorf (Einzelheiten auf SHELL-Stadtkarte Nr. 11) und weitere 46 km oberhalb Köln (Stadtkarte Nr. 4). Von beiden Orten aus lassen sich herrliche Autofahrten unternehmen, von denen die SHELL-Tourenkarten einige näher beschreiben.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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