ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 40 HINDENBURG

Verlag: SHELL Reisedienst

Titelbild: Kriegerdenkmal

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH

Originalpreis: k.A.

Direkt zum Stadtplan

Shell-Stadtkarte Nr.40 Hindenburg

Jahrzehnte, Jahrhunderte hindurch schlief diese Stadt, die bei ihrer Gründung im Jahre 1022 den Namen Ujest trug, den eintönigen Schlaf eines in nichts sich von seinen Nachbarn unterscheidenden Gutshofes, der vielleicht nur das Vorrecht besaß, auf Grund eines durch Herzog Kasimir von Oppeln dem Bischof Lorenz von Breslau erteilten Privilegs, daß sich auf ihm Deutsche nach deutschem Recht ansiedeln durften. Gerade dieser Umstand war vielleicht die Ursache der später mehr und mehr sich vollziehenden Aufwärtsentwicklung dieser anfänglichen Siedlung zu einem Grubendorf, aus der die heute im Anfangsstadium befindliche Großstadt wurde. Ausgelöst und vollends zur Entfaltung gebracht wurden die Kräfte dieser Siedlung, die allgemein unter dem Namen „Ujester Halt" bekannt war, mit der Eroberung Schlesiens durch Friedrich den Großen. Der Beginn der preußischen Herrschaft ist zugleich der Beginn einer neuen Kolonisation. Nach 1774 sind zum Teil mit königlicher Hilfe eine Reihe dem alten Ujest umliegender Kolonien neu gegründet worden, die dann später dem Stammgut - modern ausgedrückt - eingemeindet wurden. Damals lebten nach heute noch erhaltenen Aufzeichnungen 305 Einwohner in der Gemeinde, der heute eine Zahl von rund 132000 Menschen gegenübersteht. Ein schlagender Beweis für die fördernde und belebende Kraft der beiden Faktoren Bergbau und Industrie in einer an sich armen Gegend! Der Bergbau beginnt in Hindenburg mit der Anlage der Königin-Luise-Grube, der sich im Laufe der Zeit viele andere zugesellt haben.

Die Entwicklung der Bergarbeiterstadt schritt fort bis zum Beginn des Weltkrieges 1914. Das Ende dieses Ringens, das Versailler Friedensdiktat, die nachfolgende Opfer heischende Abstimmungszeit, die Zerreißung des oberschlesischen Industriegebietes, die Neufestsetzung der Landes- und Reichsgrenze, die heute hart an die Stadtgrenze stößt, haben dem Wirtschaftsleben der Stadt schwere Wunden geschlagen. 1915 nahm das damals als „Zabrze" bezeichnete Ortschaftenkonglomerat des früheren Ujester Halts den Namen "Hindenburg" an. 1922 erhielt es Stadtrechte. Bereits am 1. April 1927 konnte Hindenburg das Fest seiner Großstadtwendung begehen.

Das ehemalige Grubendorf bietet das Bild einer nach amerikanischem Muster gewordenen Stadt: hier noch das kleine und manchmal einfache Industriedorf, das für die bescheidenen Ansprüche der unter Tag arbeitenden Kumpels genügte, und demgegenüber, dicht anschließend, beinahe übergangslos große Industriepaläste. Ein Bebauungs- und Regulierungsplan der Stadt wurde erst unter dem Druck der neu erwachsenen Aufgaben einer großen Stadt in unseren Tagen geschaffen. Auf diese Weise entstanden eine neue Mittelschule, eine Oberrealschule, eine Siedlungs-Waldschule, ein Rathaus, ein Stadtbad, große neumodische Mietbauten in allen Stadtteilen, 3 neue große Kirchen und 2 Notkirchen, ein Polizeigebäude, ein Reichsbankgebäude u. a. m. So wurden neue Straßen, Wasserleitungen, Schmutz- und Regenwasserkanäle gebaut. Großzügig wurde der Kamillianerplatz am neuen Stadtpark angelegt. Wesentlich für diese Stadt der rauchenden Schlote und Fördertürme wurde die Schaffung von Grünanlagen, die beides. einen sozialen und einen ästhetischen Zweck, zu erfüllung haben. Beachtlich ist hier der Hüttenpark der Donnersmarckhütte und der Steinhoffpark der Preußaq, ebenso die vortrefflich und weitsichtig angelegten Sportplätze. Die Wohnungsnot, die seinerzeit durch die deutsch-polnischen Rückwanderer verursacht wurde, ließ in den letzten 6 Jahren ganze Stadtviertel mit schönen Grün- und Blumenflächen mit Hilfe von Gemeinde und Reich neu erstehen.

Hand in Hand mit der äußeren ging die innere Neugestaltungs- und Aufbauarbeit. Der Förderung und dem Ausbau des Schulwesens wurde unter den bisher amtierenden 3 Oberbürgermeistern die größte Aufmerksamkeit zugewendet, ebenso der Jugend- und Gesundheitsfürsorge, der hier eine überragende Bedeutung zuzumessen ist. Trotz der gebotenen Einschränkungen auf kulturellen Gebieten dürfen Theater und Volkshochschulen beachtliche Leistungen verzeichnen.

Der zähe Wille der Einwohner dieses letzten Winkels deutschen Landes vor der polnischen Grenze. ihre Liebe zu deutscher Art und ihre trotz aller Not beiahende Lebenseinstellunq müssen und werden aller Schwierigkeiten irgendwie, wenn auch langsam und allmählich Herr werden im Geiste des Großen Paten, der ihrer Stadt den Namen lieh. In diesem Sinne soll der Fremde, der nach Hindenburg kommt, auch die Baulichkeiten und Anlasen betrachten, die ganz gewiß nicht wie andere glücklichere Städte mit einer großen historischen Vergangenheit Zeugen eines traditionsgebundenen „Es war einmal" sind, sondern das unwiderruflich und irgendwie zum Ausdruck gebrachte Versprechen einer neuen, im Werden noch begriffenen Zeit: „So und darum soll es einmal sein!"

Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. 

 

(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


© 2005-2008 - Landkartenarchiv.de  - Michael Ritz - Mönchengladbach - Made in Germany
Kopieren der Inhalte strengstens verboten - Verlinkung der Webseiten ist erlaubt.
Optimiert auf 1024x768 Pixel