
| SHELL STADTKARTE Nr.
42 MÜNSTER |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Titelbild: Der
Dom | Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag: SHELL
Deutschland Holding GmbH | Originalpreis: k.A. | | Direkt
zum Stadtplan |
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Shell-Stadtkarte
Nr.42 Münster 
Münster entsteht um das Jahr 800 als
Bischofssitz auf Befehl Karls des Großen, erhält Ende des
12. Jahrhunderts Stadtrechte, blüht als Mitglied der Hansa
auf und entwickelt eine ausgedehnte Baukultur; zur Zeit
Luthers tobt hier die Bewegung der Wiedertäufer am
ärgsten; 1648 beendet der Westfälische Friede im
sogenannten „Friedens-Saal" des Rathauses den
30jährigen Krieg; im 18. Jahrhundert wird der Grundstein
zur heutigen Landes-Universität gelegt und die Stadt 1802
nach der Säkularisation des Fürstbistums von Preußen
übernommen. Münster zählt heute etwa 122 000 Einwohner
und ist der ausgesprochene geistige und kulturelle
Mittelpunkt des Münsterlandes; größere Industrien fehlen;
umso reiner hat die Stadt Ihre Ursprünglichkeit behalten
können, zu der Kirche, Adel und Bürgertum in gleichem
Maße beigetragen haben.

Der Dom, von 1165-1265 :n
romanischem Stil erbaut, mit zahlreichen Kunstschätzen,
astronomischer Uhr usw.; die Lambertikirche trägt am
Turm noch die Käfige, in denen die 3 Führer der
Wiedertäufer gefangen gehalten wurden; die Liebfrauen-
oder Überwasserkirche ist eine frühgotische Halle aus
dem Jahre 1346, die Ludgerikirche dagegen aus
romanischen und gotischen Teilen gemischt. Weiter sind
sehenswert die Servatiikirche, romanischer Hallenbau
um 1200, die Mauritzkirche, Türme um 1070, das
älteste Gotteshaus in Münster, und die Clemenskirche, ein
Rokokobau aus den Jahren 1744-53.
Der beste Bürgerbau ist das Rathaus; die
jetzige Quaderfassade wurde schon 1335 dem älteren Kern
vorgelagert; der berühmte Friedenssaal stammt aus den
Jahren 1530-77; Ratskeller und Hansetrinkstube
vervollständigen das Stadthaus. Das Hauptwerk der
Renaissance in Münster ist das Stadtweinhaus (neben
dem Rathaus), 1615 erbaut. Das Amtshaus der ehemaligen
Gesamtgilde ist das Schohus von 1525. Als
architektonische Seltenheit gilt der Prinzipalmarkt, die
Arkadengänge werden bereits im 12. Jahrhundert erwähnt,
Ende des 13. Jahrhunderts besteht schon die heutige
Vollständigkeit. Den alten Stadtkern umschließen auch
heute noch die zu Promenaden ausgebauten Befestigungswälle.
Der Adel des Landes hielt sich hauptsächlich im Winter in
der Stadt auf; jede Familie hatte ihren eigenen „Adelshof";
die meisten befinden sich noch heute in der Königs- und
Ludgeristraße; die schönsten und ältesten sind der
Heeremansche (1564), Merveldter (1702), Beverförder (1703)
und der Schmisinger Hof (1716). Zu dieser Gattung zählt
auch das Bischöfliche Palais am Domplatz, die frühere Galensche
Kurie (1732 erbaut). Die Baukunst des 18. Jahrhunderts
wurde in Münster vor allem durch den Barock Baumeister
Johann Konrad Schlaun beeinflußt, der hier eine
ähnliche Rolle spielte wie Schinkel, Schadow oder Rauch in
Berlin, Pöppelmann in Dresden und J. Balthasar Neumann in
Würzburg. Von Schlaun stammen der Erbdrostenhof (um
1755), das Schloß (um 1770), die schon erwähnte
Clemenskirche, sowie eine ganze Reihe schöner Bürger- und
Gartenhäuser.

Selten prägt sich die Kraft einer ganzen Landschaft so
stark in einer einzigen Stadt aus wie die des Münsterlandes
in seinem Hauptort. Hier trieb im vorigen Jahrhundert auch
ein moderner Till Eulenspiegel sein Unwesen, der „Tolle
Bomberg", dessen Schwänke Joseph Winkler
niedergeschrieben hat.

Artverwandt mit Münster sind noch 3 Städte in der
westfälischen Umgebung: Soest, 69 km (Heimat des
deutschen Stadtrechts; romanische St. Patrokluskirche,
12.-14. Jahrhundert; gotische Wiesenkirche, 1314-1421
erbaut; Osthoventor 1523; vollständig erhaltene Stadtwälle
heute Promenaden), in der Soester Umgebung bei Günne liegt
die Möhnetalsperre, die drittgrößte in Deutschland
(erbaut 1913; Staufläche 10 qkm; größte Stauhöhe 40 m;
Stauraum 134 Mill. Kubikmeter). Osnabrück, 55 km
(berühmtes Rathaus in den Jahren 1487-1512 erbaut; heutige
Freitreppe ist spätere Erweiterung). Nur 61 km entfernt ist
auch der südlichste Brückenkopf der Roten Erde, Dortmund,
eine Stadt mit bewegter Vergangenheit (Einzelheiten auf
SHELL-Stadtkarte Nr. 10).

Die enge Verbundenheit des Westfalen mit der Natur findet
ihren architektonischen Niederschlag in den zahlreichen Wasserburgen,
zu deren Besichtigung der Verkehrsverein Münster
folgende Touren vorschlägt:
1. Rundfahrt - 35 km: Münster - Haus Hülshoff
(Geburtshaus der Dichterin Annette v. Droste-Hülshoff) -
Havlxbeck - Stapel - Vögedink-Rüschhaus (erbaut von
J.K. Schlaun, Münster, späterer Wohnsitz der Annette) -
Münster.
2. Fahrt - 83 km: Münster - Haus Borg (seit 500
Jahren Besitz derer von Kerckerink zur Borg) - Drenstelnlurt
- Venne - Itlingen - Westerwinkel (um Innenhof stehen 4
Ecktürme mit 4 Flügeln) - Nordkirchen - Vischering Haus
Hülshoff (seit 13. Jahrhundert im Besitz der Droste zu V.)
- Münster.
3. Fahrt 90 km: Münster -
Wllkinghege - Darfeld (Anbauten in venetianischem Stil) -
Haus Alst (1217 zuerst erwähnt) - Burgstelnfurt (bereits
1129 vorhanden) - Münster.
4. Fahrt - 162 km: u. a. Velen (das „Märchenschloß"
des Münsterlandes, 1931 leider ausgebrannt), Gemen (fast
die älteste Wasserburg) und Lembeck (Vorburg und Herrenhaus
durch doppelten Wassergraben getrennt).
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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |