ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 43 PLAUEN

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1934 oder 1935

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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In der südwestlichen Ecke des Freistaates Sachsen, nicht weit von der thüringischen, bayerischen und tschechoslowakischen Grenze entfernt, liegt an der Weißen Elster die Industriestadt Plauen, die Hauptstadt des Vogtlandes. Erstmalig wird Plauen in einer Urkunde aus dem Jahre 1122 erwähnt, in der Bischof Dietrich von Naumburg die Weihe der St. Johanniskirche zu Plauen bestätigt. Für den Durchgangsverkehr von Nord- nach Süddeutschland und nach der Tschechoslowakei ist Plauen schon immer von grosser Bedeutung gewesen. Bereits im Mittelalter zogen zwei wichtige Handelsstrassen durch das Land, die eine von Hof nach Leipzig, die andere von Eger hinein in das Thüringer Land. Dort, wo an der Einmündung der Syra in die Elster sich beide Strassen schneiden, ist in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts Plauen gegründet worden. Verschiedene Brände und die Kriegsnöte verflossener Jahrhunderte, unter denen Plauen ganz besonders zu leiden hatte, brachten es mit sich, dass von der Altstadt verhältnismässig wenig erhalten blieb. Von der alten Stadtbefestigung sind neben einigen Türmen nur wenig Reste vorhanden. Die Lage der Stadt an wichtigen Eisenbahn-, Kraftwagen- und Fluglinien macht sie auch heute noch zu einem Verkehrsmittelpunkt im südwestlichen Sachsen.

In mittlerer Seehöhe von 350 m gelegen - die Höhenunterschiede bewegen sich zwischen 330 und 440 m -, ist Plauen von der Natur ausserordentlich begünstigt und den schönst gelegenen und zugleich gesündesten deutschen Grossstädten beizuzählen. Der Fremde findet hier alles, was zu einer Erholung notwendig ist. Wohl in keiner anderen deutschen Grossstadt ist zu finden, dass Waldungen, Wiesen und Felder so unmittelbar in das Stadtbild hineingreifen. In wenigen Minuten ist es möglich, dem Grossstadtlärm zu entfliehen, um auf gut gepflegten Wald- und Parkwegen die Einsamkeit der Natur zu finden. Aber auch für weitere Ausflüge und Wanderungen in das obere Vogtland und das westliche Erzgebirge bietet Plauen dank seiner vorzüglichen Verkehrsverbindungen ein bequemes Standquartier. Die beiden sächsischen Bäder Bad Elster und Bad Brambach sind von Plauen aus in kurzer Zeit zu erreichen. Im Innern der Stadt tragen zahlreiche schöne und gutgepflegte Anlagen zur Verschönerung des Städtebildes bei. Besonders hervorgehoben sei der gartentechnisch hervorragend angelegte grosse Stadtpark, Adolf-Hitler-Park, nur wenige Minuten vom Oberen Bahnhof entfernt. Diese herrliche Anlage mit ihren schönen Teichen und Ruheplätzen ist eine besondere Zierde der Stadt. Im Anschluss an diesen Park liegt umfangreiches Waldgebiet. Dieser Waldreichtum hat es ermöglicht, eine Anzahl guter Sportplätze für jede Sportart mitten im Wald anzulegen. Auch ein großes Freibad mit allen auf diesem Gebiete erdenklichen Neuerungen hat die Stadtverwaltung im Stadtwald erbauen lassen.

Die Stadt selbst wie das Vogtland trägt industriellen Charakter, doch fehlt das Rauchige, Rußige anderer Industriestädte nahezu gänzlich. In der Herstellung von duftigen Spitzen, Gardinen und Stickereien beruht Plauens Stärke, doch fehlt auch die Schwerindustrie nicht, die viele ihrer Erzeugnisse in alle Welt versendet und zugleich mit den Schöpfungen der Weißwarenindustrie Plauens Ruhm bis ins fernste Ausland trägt. Plauen ist, seiner wirtschaftlichen Bedeutung entsprechend, Sitz vieler Behörden, Standort des Reichsheeres und einer Industrie- und Handelskammer, in deren Bezirk nahezu sämtliche in Deutschland vorhandenen Industrien mehr oder minder stark vertreten sind.

Bei einem Rundgang durch die Stadt trifft man, neben den bereits erwähnten schönen Anlagen, imposante Baulichkeiten und Denkmäler. Um nur einige zu nennen, seien hier erwähnt der Albertplatz mit Bismarck-, Moltke- und Kriegerdenkmal, der malerische Nonnenturm mit seiner baumgeschmückten Bastion, die herrlichen Lohmühlenanlagen mit dem lsidore-Schmidt-Brunnen, das alte Rathaus mit schönem Renaissance-Giebel und kunstvoller Uhr, das neue Rathaus und das Stadttheater, die Vogtlandbühne. Das Vogtländische Kreismuseum in der Nähe des alten Rathauses ist eines Besuches wert, ebenso die Sammlungen der Kunst- und Fachschule für Textilindustrie.

Im Jahre 1928 wurde in dem in der Nähe von Plauen gelegenen Dorfe Syrau (in 10 Minuten Fahrt erreichbar) eine Tropfsteinhöhle entdeckt. In ihrer Eigenart steht diese Höhle einzig da und unterscheidet sich scharf von den schon seit langer Zeit bekannten Höhlengebilden. Wilde Felsbildungen, zerklüftete Schluchten, chaotische Steintrümmerfelder, reizvolle, einzigartige Tropfsteinbildungen, dunkle, träumende Seen mit wundervollen Spiegelungen, wie von Künstlerhand geformte Höhlen-Lehmbildungen zeigen sich dem erstaunenden Auge im Märchenreich der Tiefe.

 

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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