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SHELL STADTKARTE Nr. 49 FREIBURG |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
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Titelbild: Münster |
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Shell-Stadtkarte
Nr.49 Freiburg

Freiburg ist eine Vereinigung der künstlerischen und
landschaftlichen Schönheiten Kölns und Heidelbergs", so
schrieb Dorothea von Schlegel in einem Brief an ihren
Gatten. Dieser Ausspruch, vor hundert Jahren getan, hat
immer noch seine Gültigkeit, wenn er auch das Wesen dieser
Stadt nicht ganz erschöpft. Nirgends strebt die gotische
Flamme eines Münsterturmes so jäh und überwältigend in die
Höhe, wie hier am Rande der hohen Schwarzwaldberge, im
Angesicht einer weiten Ebene, deren Horizont wiederum ein
dunkles Gebirge begrenzt, deren Mittelpunkt ein anderer Dom
mit hohen Türmen ist, zu Straßburg, der „wunderschönen"
Stadt.

Konrad von Zähringen, der vor 800 Jahren diesen
herrlichen Erdenfleck als Verkehrsplatz bestimmte, als
„freie Burg" mit besonderen Vorrechten der Bürgerschaft, hat
zweifellos die Vorbedingungen erkannt, welche der neuen
Gründung in kurzer Zeit einen blühenden Aufschwung
sicherten. Die Altstadt mit dem Münster zeigt
in ihren schmalen Gassen und schönen Häusern im wesentlichen
jene mittelalterliche Siedelung (freilich kleiner als
damals), in der die Sitze der Königlichen
Kaufherren lagen. Ihr Wohlstand beruht in erster Linie
auf dem Ertrag großer Silberbergwerke, deren Spuren die
Westhänge des Schwarzwaldes in zahlreichen verlassenen
Stollengängen noch heute aufweisen. Freiburger Silber war im
ganzen westlichen Europa ein gesuchter Handelsartikel.
Ebenso geschätzt waren die Erzeugnisse der Freiburger
Steinschleifer und Freiburger Safran. Gut ausgebaute Straßen
verbanden die stolze Handelsmetropole des Oberrheins mit den
anderen Landesteilen, ein Privileg, das die Breisgaustadt
noch heute zur Freude der Automobilisten bewahrt hat. Das
Münster ist in jener Zeit der Blüte entstanden, mit ihm
viele andere Kirchen in der noch jetzt an interessanten
kirchlichen Bauten reichen Stadt. Auch die Universität,
deren Ruf unvermindert besteht, verdankt ihr Entstehen
ebenfalls jener Epoche der Blüte; 1460 wurde sie eröffnet
und aus allen Gauen Deutschlands, besonders aus Elsaß,
Schwaben und der Schweiz, strömten Studierende nach Freiburg
und mancher berühmte Mann saß hier zu Füßen angesehener
Lehrer, wie Johannes Geiler von Kaysersberg, Johannes Eck
und Thomas Murner, die hier Theologie und Jurisprudenz
studierten. Seit 1805 ist Freiburg badisch, nachdem es bis
dahin zum Hause Habsburg gehörte.
In wundersamen Akkord klingen in dieser Stadt die alte und
neue Zeit zusammen wie das Murmeln der Bächlein, die zum
Eigenartigen Freiburgs gehören. Alles beherrscht die
bezwingende Gotik des Münsters, dessen innere Schönheit der
äußeren Verheißung entspricht. Von jeder Seite zeigt der Bau
neue Wunder mittelalterlicher Baufreudigkeit und
Kunstsinnes. Fachwerkbauten aufs beste gepflegt, leuchten
überall auf, aus zahlreicher, schönen Brunnen strömt kühles
Wasser, alte Stadttore bewahren die Erinnerung an vergangene
Zeiten - wir nennen hier das Schwaben- und
Martinstor, das Kaufhaus am Münsterplatz, die
Universität, den modernen Bau des Stadttheaters,
das alte und neue Rathaus, den Fischbrunnen,
Museen und andere öffentliche Gebäude befinden
sich in alten Palästen, Klöstern und
Patrizierhäusern - so im Kornhaus die
Markthalle, im Wenzingerhaus die
Gemäldegalerie für neue badische Kunst, im Haus zum
Walfisch die Sparkasse - ein Beweis, wie Freiburg es
verstanden hat, in der modernen Entwicklung die Tradition
hochzuhalten und das Neue aus dem
Alten organisch zu entwickeln. Ein Stadtbild wie die „Insel"
ist ein Musterbeispiel dieses konservativen Fortschritts.
Einzigartige Grünanlagen, wie der Stadtgarten und
der Colombipark, gute Verkehrsverbindungen, eine
Fülle von künstlerischen und sportlichen Veranstaltungen zu
allen Jahreszeiten (Autorennen auf der Schauinslandstrecke
und Skiläufe in erster Linie), gediegene Gaststätten -
Freiburg besitzt auch eines der ältesten Wirtshäuser
Deutschlands „Zum Bären" in der „Oberlinden" -
gute Küche und berühmte Weinstuben sind dazu geeignet, nicht
nur dem Einheimischen, sondern auch dem Fremden das Leben
hier angenehm zu machen.

Dazu die herrliche Umgebung mit ihren geradezu idealen
Ausflugsmöglichkeiten. Der Schwarzwald in seinen schönsten
Teilen liegt vor der Türe. Wenn man mit der Schauinslandbahn
in 18 Minuten aus dem milden Klima der Rheinebene in 1200
Meter Höhe emporgeflogen ist in die erfrischende Bergluft,
dann hat man das herrlichste Panorama Südwestdeutschlands
vor Augen und zu Füßen das alte und neue Freiburg - man
sieht hier erst wie groß und weitraumig diese Wohnstadt ist
- den schlanken Bau des Münsters, und dann ringsum eine
wunderbare Bergwelt: Kuppe an Kuppe, Wälder ohne Ende, in
denen man ferne Ziele ahnt, die mit flinkem Wagen rasch zu
erreichen sind: Breisach am Rhein, die schöne
Badestadt, das Höllental mit der berühmten
Ravennabrücke, Hinterzarten, der 1495 Meter
hohe Feldberg, der höchste Schwarzwaldberg, der
Kandel, der Belchen, der Titisee, Badenweiler
und Triberg, um nur einige dieser
Ausflugsmöglichkeiten in Ebene und Gebirge zu nennen. Man
könnte Monate hier sein, um sie alle zu erschöpfen und würde
trotzdem immer gern wieder zu der romantisch-idyllischen
Münsterstadt an der Dreisam zurückkehren, in der man sich so
schnell heimisch und wohl fühlt.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |